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MysterienEnzyklopädieartikel
Mysterien, religiöse Feiern in der Antike, die meist im Geheimen stattfanden und teilweise orgiastischen Charakter hatten. Die Riten, die von Initiierten ausgeübt wurden, betrafen in vielen Fällen das Weiterleben nach dem Tod oder die Fruchtbarkeit. Die Mysterien bestanden aus Reinigungen, Opferungen, Prozessionen, Gesängen, Tänzen und Theateraufführungen. Oft wurden die Geburt, das Leiden, der Tod und die Auferstehung eines Gottes in dramatischer Form dargestellt. Die Mysterien schienen auf zweierlei zu zielen: einerseits Trost zu spenden und moralische Einweisungen für das Leben auf Erden zu geben, andererseits Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod zu wecken. Die frühesten und wichtigsten griechischen Mysterien waren die orphischen, die dionysischen und die Eleusinischen Mysterien. Die orphischen Mysterien gehörten zu einem mystischen Kult, der, wie es in der Überlieferung heißt, von dem legendären Orpheus gegründet wurde, dem ein großer Teil der religiösen Literatur zugeschrieben wurde (siehe Orphik). Noch berühmter waren die Eleusinischen Mysterien in Eleusis in Attika, die den Göttinnen Demeter und Persephone geweiht waren. Mit diesen Gottheiten wurden Pluto, Gott der Unterwelt, und Dionysos, Gott der Fruchtbarkeit sowie des Weines, und andere Götter in Verbindung gebracht. Die Anbetung des Dionysos oder Bacchus war in Athen mit Festen, Prozessionen sowie mit musikalischen und dramatischen Aufführungen verbunden. Später wurden die dem Dionysos geweihten Mysterien Anlässe zu Trunkenheit und Orgien. Sie wurden in Theben und später überall in Griechenland verboten. Als Bacchanalien wurden diese Riten Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Rom eingeführt. Zuerst waren an diesen Mysterienhandlungen nur Frauen beteiligt. Als auch Männer daran teilnehmen durften, argwöhnte man grobe Unsittlichkeiten bei den Versammlungen, und im Jahr 186 v. Chr. versuchte der römische Senat, die Riten zu verbieten. Geheime Riten waren Teil der Anbetung verschiedener griechischer Gottheiten, wie z. B. der Hera, Gattin des Zeus, der Aphrodite, Göttin der Liebe, und der Hekate, Göttin der Zauberei und des Spukwesens. Viele fremde Religionen, die von den Griechen und Römern übernommen wurden, enthielten Mysterien, die die Anbetung einer Gottheit einbezogen. Dazu zählten die Anbetung der phrygischen Göttin Kybele, der „Großen Mutter” der Götter, der ägyptischen Isis und des persischen Sonnengottes Mithras. Die Anbetung dieser Gottheiten verbreitete sich in der gesamten griechisch-römischen Welt und war in den frühen Jahrhunderten des Römischen Reiches weit verbreitet. Isis, die schon früh mit Demeter gleichgesetzt wurde, wurde in Italien noch im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung angebetet.
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