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Windows Live® Suchergebnisse Assyrisch-babylonische LiteraturEnzyklopädieartikel
Assyrisch-babylonische Literatur, Sammelbezeichnung für die in assyrisch-babylonischer Sprache zwischen dem 3. Jahrtausend v. Chr. und dem Jahr Null christlicher Zeitrechnung verfasste Literatur. Das Assyrische ist ebenso wie das Babylonische ein Dialekt des Akkadischen (siehe akkadische Sprache und Literatur). In Assyrien wurde größtenteils das Babylonische als Literatursprache verwendet. Die meisten assyrisch-babylonischen Keilschrift-Tafeln beschäftigen sich mit wissenschaftlichen und ökonomischen Themen oder enthalten zumeist in Briefform niedergelegte Verwaltungsregeln sowie rechtswissenschaftliche Texte; eines der umfangreichsten überlieferten Dokumente dieser Art ist der Kodex Hammurapi, die wichtigste Rechtssammlung des Alten Orients. Darüber hinaus entstand eine große Vielfalt literarischer Texte wie Epen und Mythen, Chroniken und königliche Jahrbücher, historische Ritterromane in Versform, Hymnen und Gebete, Beschwörungsformeln und Riten, Texte, die sich mit Magie und Weissagung befassen, Sprichwort- und Regelsammlungen, fiktive Streitgespräche, darunter die kurios anmutende Diskussion zwischen Pflanzen (z. B. Dattelpalme und Tamariske) und Tieren (z. B. Pferd und Esel), sowie bemerkenswerte lyrische Klagelieder. Ein Großteil dieser assyrisch-babylonischen Literatur ist im babylonischen Dialekt Südmesopotamiens geschrieben. Im assyrischen Dialekt des Nordens verfasst sind historische Inschriften, Geschäftsdokumente, Orakel- und Ritensammlungen sowie amtliche Briefe. Die überlieferten literarischen Zeugnisse assyrischer Sprache stellen Abschriften oder Bearbeitungen babylonischer Originale dar. Der Erhalt assyrisch-babylonischer Literatur ist dem assyrischen König Assurbanipal zu verdanken, der Gelehrte nach Babylonien sandte, um alte Keilschriften zu kopieren. Tausende dieser Abschriften wurden in seiner Bibliothek in Ninive gesammelt; viele von ihnen gehören heute zum Bestand des British Museum in London. Die bedeutendsten babylonischen Versepen sind das Weltschöpfungsepos und das Gilgamesch-Epos. Ersteres besteht aus sieben Tafeln und beschreibt den Kampf der kosmischen Weltordnung mit dem ursprünglichen Chaos. Das weltliche Gilgamesch-Epos, das um 2000 v. Chr. auf zwölf Tafeln niedergeschrieben wurde, erzählt von der vergeblichen Suche des Titelhelden Gilgamesch, dem König von Uruk, nach der Unsterblichkeit. Dieses Versepos, das eine Reihe älterer eigenständiger sumerischer Sagen meisterhaft verknüpft, genoss im Altertum große Popularität und zählt auch heute noch zu den Meisterwerken der babylonischen Literatur. Wegen einer der alttestamentlichen Schilderung der Sintflut ähnlichen Erzählung sowie der an Noah erinnernden Figur des Utnapischtim ist das Gilgamesch-Epos für die heutige Bibelforschung von großem Interesse. Der Anzû-Mythos (Mythos vom Sturmvogel Zû) erzählt die Geschichte des Raubes der „Schicksalstafeln” durch den Sturmvogel Zû und von ihrer Errettung durch den Kriegsgott Ninurta. Etanas Flug zum Himmel mit dem Adler und die Suche nach dem „Gebärkraut” ist Gegenstand des Epos von Etana. Zu den babylonischen Epen und Mythen gehören auch der auf das Sumerische zurückgehende Mythos Ištars Gang in die Unterwelt (auch: Innanas Gang zur Unterwelt), das auf dem Atrahasis-Mythos basierende Epos über die Erschaffung des Menschen, seiner Sünden und der Bestrafung durch die Sintflut sowie der Mythos Nergal und Ereškigal, der davon berichtet, wie Nergal zum König der Unterwelt wurde. Von Bedeutung sind auch Die Babylonische Theodizee, ein poetischer Dialog über eine hiobähnliche Figur, die trotz ihrer Rechtschaffenheit viel Leid erfahren muss, die Gesprächssatire Der Herr und sein gefälliger Diener und die erst kürzlich entdeckte, der Volksdichtung zuzurechnende Erzählung Der Arme Mann von Nippur. Zu den wichtigsten historischen Ritterromanen in Versform zählt Die Legende Cuthaeans, die von der Niederlage des akkadischen Königs der Sumerer, Naramsin (Regierungszeit um 2255 bis 2218 v. Chr.), berichtet, weiterhin Der König der Schlachten, in dem eine militärische Expedition nach Anatolien unter der Führung Sargons I. von Akkadien (Regierungszeit um 2335 bis 2279 v. Chr.) geschildert wird, und das Tukulti-Ninurta-Epos, das den Sieg der Assyrer über die Babylonier beschreibt.
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