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Mecklenburg-VorpommernEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Universitäten Rostock und Greifswald gehören zu den ältesten Nordeuropas, sie wurden beide schon im 15. Jahrhundert gegründet. Technische Hochschulen gibt es in Rostock-Warnemünde und Wismar und pädagogische Hochschulen in Neubrandenburg und Güstrow. Die ehemaligen Hansestädte Wismar, Rostock, Greifswald und Stralsund zeichnen sich durch gut erhaltene mittelalterliche Stadtkerne aus. Die Ostseeinseln ziehen vor allem seit dem 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler an: Gerhart Hauptmann verbrachte seine Ferien oft auf Hiddensee und ist auch dort begraben; der Maler Caspar David Friedrich, in Greifswald geboren, ließ sich immer wieder von der Landschaft Rügens inspirieren. Einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur, Uwe Johnson, wuchs in Anklam an der Peene auf, besuchte die Oberschule in Güstrow und studierte in Rostock. Er machte die Landschaften Mecklenburgs zu seiner literarischen Heimat. Sein bedeutendstes Werk, die Jahrestage, spielt u. a. im Nordwesten Mecklenburgs.
Vorherrschender Wirtschaftszweig ist der Agrarsektor; etwa 55 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Im Norden des Landes, auf den fruchtbaren Böden der Grundmoräne, werden vorwiegend Zuckerrüben und Weizen, im Süden, auf weniger fruchtbaren, sandigeren Böden, vor allem Kartoffeln und Roggen angebaut. Verbreitet sind Großbetriebe, die aus der in der DDR gebildeten Betriebsform der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) hervorgegangen sind. Im Bereich der Mecklenburgischen Seenplatte wird Binnenfischerei betrieben. Die industrielle Produktion des Bundeslandes ist schwach entwickelt; entsprechend ist die Arbeitslosenquote: Mit etwa 23 Prozent (Anfang 2006) ist sie die höchste aller Bundesländer. Wichtigste Wirtschaftsstandorte sind Rostock und Schwerin. Vorherrschende Produktionszweige sind Schiffs-, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die Verarbeitung von Nahrungsmitteln (u. a. Fisch); zu den entwicklungsfähigen Branchen zählen Verkehr, Biotechnologie sowie Medizin- und Umwelttechnik. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus; bevorzugte Ziele sind die Ostseeküste und die Mecklenburgische Seenplatte.
Mecklenburg-Vorpommern, seit 1990 Bundesland der Bundesrepublik Deutschland, bestand zuvor als territoriale Einheit lediglich von 1945 bis 1952. Bis 1945 hatten beide Landesteile jeweils eine eigene Geschichte.
Aus der ausgehenden Altsteinzeit vor 10 000 bis 12 000 Jahren stammen die ältesten Zeugnisse von Menschen im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern; seither war das Gebiet archäologischen Funden zufolge durchgehend besiedelt. Ab etwa 600 v. Chr. bewohnten Germanen – Angeln, Langobarden, Sachsen und Semnonen – das Land, verließen es jedoch während der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert n. Chr. In der fast menschenleeren Region siedelten seit dem 6./7. Jahrhundert elbslawische Stämme, darunter Obotriten im Westen, Liutizen im Osten, Pomoranen an der Oder und Ranen auf Rügen.
Seit dem 7. Jahrhundert von Slawen geprägt, geriet das Land zeitweilig in Abhängigkeit zum Fränkischen und zum Ottonischen Reich, dessen Ostexpansion der große Slawenaufstand 983 vorübergehend beendete. Von der 995 erstmals erwähnten Michelenburg („große Burg”), Sitz der Obotritenfürsten, leitet sich der Name „Mecklenburg” her. Um 1050 baute der getaufte Obotritenfürst Gottschalk mit Unterstützung des Erzbischofs Adalbert von Bremen und der Billunger eine machtvolle Landesherrschaft auf, die unter seinen Nachfolgern 1131 jedoch wieder zerbrach. Nach dem Wendenkreuzzug von 1147 eroberte Herzog Heinrich der Löwe Mecklenburg und Pommern, die er dauerhaft unter deutsche Kontrolle brachte. 1160 gründete Heinrich Schwerin, und 1167 verlieh er dem Obotritenfürsten Pribislaw, Stammvater des bis 1918 regierenden mecklenburgischen Fürstenhauses, Mecklenburg als sächsisches Lehen. Nach dem Sturz Heinrichs 1180 kam Mecklenburg bis 1227 unter dänische Lehnshoheit. Noch von Heinrich dem Löwen eingeleitet, wurde im 12./13. Jahrhundert die Ansiedlung deutscher Ritter und Ministerialen, Bauern und Händler, Kaufleute und Missionare auch von den slawischen Landesfürsten gefördert; die planmäßige Anlage von Dörfern und die Einführung der Dreifelderwirtschaft, Städtegründungen wie Wismar, Rostock, Parchim und Güstrow mit Lübecker bzw. Magdeburger Stadtrecht und die Christianisierung durch Zisterzienser und Prämonstratenser führten zu einer raschen Entwicklung des Landes im 13. Jahrhundert (siehe Ostkolonisation). In Rostock schlossen sich 1281 Lübeck, Rostock, Wismar und die pommerschen Städte Stralsund und Greifswald zur Wendischen Hanse zusammen, die als Teil der Kölner Konföderation, eines Kriegsbündnisses der Hanse mit Schweden und Holstein gegen Dänemark, im Frieden von Stralsund 1370 die dänische Vorherrschaft an der Ostsee und insbesondere in Mecklenburg zurückdrängen konnte. Während die Landesherrschaft durch mehrere Erbteilungen (1229, 1352, 1534, 1621, 1701) zersplitterte, erstarkten die Städte ebenso wie die zu Grundbesitzern aufgestiegenen Ritter: In Gegnerschaft zu den Landesteilungen vereinigten sich die Stände – Landschaften (Städte), Ritterschaft und Prälaten – 1523 in der „ewigen Union”, die im mecklenburgischen Gesamtlandtag dem jeweiligen Landesherrn gegenüber die Landständische Verfassung wahrte.
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