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Semitische Sprachen

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Hauptverbreitungsgebiete der semitischen SprachenHauptverbreitungsgebiete der semitischen Sprachen
Artikelgliederung
1

Einleitung

Semitische Sprachen, eine der fünf Unterfamilien oder Zweige der Familie der hamitosemitischen Sprachen oder afroasiatischen Sprachen. Arabisch, die größte semitische Sprache, hat sich über den ursprünglichen Siedlungsbereich auf der arabischen Halbinsel hinaus im gesamten arabischen Herrschaftsgebiet verbreitet und wird in ganz Nordafrika bis hin zur Atlantikküste gesprochen. Die übrigen semitischen Sprachen sind in einem Gebiet konzentriert, das im Westen von Äthiopien und im Norden von Syrien begrenzt wird und sich in südöstlicher Richtung über den Irak bis zur arabischen Halbinsel erstreckt, wobei auch weiter östlich im Iran einige semitische „Sprachinseln” zu finden sind.

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Sprachgruppen

Aus sprachwissenschaftlicher Sicht sind die semitischen Sprachen in drei (gelegentlich vier) Gruppen unterteilt. Zum Ostsemitischen gehört das Assyrisch-Babylonische oder Akkadische. Das Akkadische ist die älteste belegte semitische Sprache mit der ältesten semitischen Literatur. Es wurde zwischen 3000 v. Chr. und 600 bis 400 v. Chr. in Mesopotamien gesprochen und bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. als Schriftsprache verwendet.

Zum Nordwestsemitischen gehören das alte und das moderne Hebräisch, alte Sprachen wie Ugaritisch (oft auch als die vierte Gruppe gezählt) und Phönizisch sowie Aramäisch einschließlich Syrisch.

Die Zuordnung der arabischen Schrift- oder Hochsprache und der heute gesprochenen arabischen Dialekte (siehe Arabisch) zur südwestsemitischen Gruppe ist nicht ganz eindeutig. Das Maltesische, ein Abkömmling des Arabischen, wird auf der Insel Malta gesprochen und wurde aufgrund seiner geographischen Lage stark vom Italienischen beeinflusst.

Zum Südwestsemitischen gehören die südarabischen Dialekte, die heute in einigen Gebieten im Süden der arabischen Halbinsel gesprochen werden (im Altertum von Völkern wie den Minäern und den Sabäern) sowie die äthiopischen Sprachen. Zu den äthiopischen Sprachen zählen Ge’ez, das klassische Äthiopisch, das nur als Schrift- und liturgische Sprache überlebt hat, Amharisch, die äthiopische Amtssprache, und regionale Sprachen wie Tigre, Tigrinya und Gurage.

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Merkmale

In den semitischen Sprachen sind die Wörter auf einer Abfolge von drei Konsonanten aufgebaut. Diese Abfolge, die so genannte Wurzel (Radikal), trägt die Grundbedeutung eines Wortes. Über dieser Wurzel liegt ein Muster aus Vokalen (oder Vokalen und Konsonanten), das entweder Bedeutungsvarianten anzeigt oder der Flexion (etwa beim Verb zur Angabe von Zeit und Zahl) dient. Im Arabischen bezieht sich beispielsweise die Wurzel ktb auf das Schreiben (ähnlich dem Wortstamm „schreib”), und das Vokalmuster -ā-i- trägt die Bedeutung „jemand, der etwas tut”. Somit bedeutet kātib „jemand, der schreibt”. Andere Ableitungen aus dieser Wurzel sind kitāb „Buch”, maktub „Brief” und kataba „er schrieb”.

Die enge Verwandtschaft der semitischen Sprachen untereinander lässt sich an den Wortwurzeln erkennen, deren Bedeutung in den verschiedenen Sprachen erhalten geblieben ist (slm bedeutet z. B. im Assyrisch-Babylonischen, Hebräischen, Aramäischen, Arabischen und anderen Sprachen „Frieden”). In den semitischen Sprachen sind die verwandten Konsonanten in drei Unterarten eingeteilt: stimmlose, stimmhafte und emphatische. Ein Beispiel dafür ist die aus dem Arabischen und Hebräischen stammende, in die lateinische Schrift übertragene (transliterierte) Folge g, k und q (das q wird weiter hinten im Kehlkopf erzeugt als das k). Die semitischen Sprachen besitzen drei Numeri (Singular, Dual, Plural), drei Kasus (Nominativ, Genitiv und Akkusativ) sowie zwei Genera (maskulin und feminin).

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Schrift

Mit Ausnahme zweier von den Kanaanäern benutzter und noch nicht entzifferter Schriften und dem für das Maltesische verwendeten lateinischen Alphabet wurden die semitischen Sprachen im Lauf ihrer Geschichte mit drei Schriftsystemen geschrieben. Das Assyrisch-Babylonische wurde in Keilschrift geschrieben, das Ugaritische verwendete ein Keilschriftalphabet. Im Ostsemitischen findet sich mit einer Alphabetschrift die älteste semitische Schriftform. Eines der frühesten Beispiele ist die in Moabitisch gehaltene Inschrift auf der Siegesstele des Königs Mesa (9. Jahrhundert v. Chr., 1868 entdeckt und jetzt im Louvre in Paris aufbewahrt).

Die moderne arabische Schrift und die hebräische Quadratschrift entstanden aus der aramäischen Variante der nordwestsemitischen Schrift. Wie die alten nordwestsemitischen Schriften verwenden auch das Arabische und das Hebräische in ihrem Alphabet nur die Konsonanten. Die Vokale werden erst ungefähr seit dem 8. Jahrhundert n. Chr. durch besondere Markierungen (so genannte Punktatoren) angezeigt. Diese Vokalzeichen werden jedoch nicht grundsätzlich verwendet. In Zeitungen und Büchern allgemeiner Art sind Punktatoren in der Regel nicht verbreitet. Nur in heiligen Schriften (um eine eindeutige Auslegung zu gewährleisten) und in Schulbüchern finden sich die Vokalzeichen.

Fehlt die Vokalisierung, ist der Lesende gefordert, anhand verschiedener Merkmale die richtige Lesart zu erschließen. Dabei kann er sich nach folgenden Kriterien richten: der sprachlichen Struktur, den grammatischen Formen und vor allem den Kontext. Die arabische Sprache verfügt nur über drei verschiedene Vokalphoneme. Nicht gesichert ist, ob die südwestsemitische oder südarabische Schriftart eine weitere Variante der frühen nordwestsemitischen Schrift ist. Diese ebenso nur aus Konsonanten bestehende Alphabetschrift wurde im 1. Jahrtausend v. Chr. in Äthiopien eingeführt und ist die Grundlage der heute dort verwendeten Silbenschriften.

Die semitischen Schriften werden von rechts nach links geschrieben. Eine Ausnahme stellt jedoch die äthiopische Schrift dar, die in mancherlei Hinsicht von den anderen abweicht und die vermutlich von den Indern übernommen wurde.

Siehe auch Alphabet

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