Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Politikwissenschaft", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Politikwissenschaft

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 2 von 2

Politikwissenschaft

Enzyklopädieartikel
Multimedia
AristotelesAristoteles
Artikelgliederung
5

Politikwissenschaftliche Teilgebiete

Die Politikwissenschaft gliedert sich in die Teilgebiete Politische Theorie, Politische Systemlehre und Internationale Politik (auch Internationale Beziehungen).

5.1

Politische Theorie

Ein zentraler Teilbereich der Politischen Theorie ist die Politische Ideengeschichte (Siehe auch Staatsphilosophie). Sie umfasst neben den Klassikern, deren Gesellschaftsentwürfe bleibenden Einfluss auf das politische Denken und die politische Kultur behalten haben (Platon, Aristoteles, Niccolò Machiavelli, Thomas Hobbes, John Locke, Jean-Jacques Rousseau etc.), auch die Beschäftigung mit den soziopolitischen Großtheorien (Liberalismus, Konservatismus, Nationalismus, Sozialismus, Marxismus). Vertieft wird das Theoriestudium durch politische Philosophien, die normativen Charakter im aristotelischen Sinn haben, d. h. Anleitungen geben wollen, wie das gesellschaftliche Zusammenleben und die „gute” politische Ordnung richtig zu gestalten sind. Im Unterschied dazu geht es in der empirisch-deskriptiv orientierten modernen Politischen Theorie um eine möglichst wertneutrale Abbildung der Realität als Grundlage der Diagnostik und zum Zweck der Prognostik.

5.2

Politische Systemlehre

Da die Theoriebildung in Abhängigkeit vom jeweiligen sozialen, politischen und kulturellen Kontext einerseits sowie vom tatsächlichen Geschehen andererseits erfolgt (Wechselverhältnis von Empirie und Theorie), sind politische Theorien nur dann sinnvoll und nützlich, wenn sie diese Wechselwirkungen auch reflektieren, also an die Empirie anschließen und sich von ihr gegebenenfalls auch belehren lassen. Die Empirie wiederum bedarf der Anleitung durch die Theorie, wenn sie brauchbare Ergebnisse liefern soll. Ihre sichtbarsten Manifestationen finden die politischen Theorien in den politischen Systemen. Die vergleichende Untersuchung ihrer Struktur und Leistungsfähigkeit ist Gegenstand der Politischen Systemlehre (auch als Vergleichende Analyse politischer Systeme, Vergleichende Systemforschung oder Vergleichende Regierungslehre bezeichnet). Das analytische Erkenntnisinteresse richtet sich dabei nicht nur auf die Unterschiede der Systeme verschiedener Länder, ihrer inneren Funktionslogik und rechtlichen Verfasstheit, sondern auch auf die innerstaatlichen Varianten zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Zusammenhängen.

5.3

Lehre von den Internationalen Beziehungen

Die Verwissenschaftlichung der Internationalen Politik kann als Lehre aus den Schrecken des 1. Weltkrieges betrachtet werden. Den Auftakt bildete noch im Jahr der Pariser Friedenskonferenz (1919) die Einrichtung des weltweit ersten Lehrstuhls für Internationale Beziehungen an der Universität von Wales, gefolgt vom British und kurz darauf vom American Institute of International Affairs. Im Jahr 1920 datiert die Gründung des Instituts für Auswärtige Politik in Hamburg. Das Forschungsinteresse der „Kriseninterpretations- und Krisenbewältigungswissenschaft”, als die sie sich selbst sieht, gilt bis heute den Voraussetzungen, Formen und Gestaltungsmöglichkeiten einer friedlichen Weltordnung.

In den Anfangsjahren war die Wissenschaft von der Internationalen Politik noch ganz von der „Idealistischen Schule” geprägt. Den außenpolitischen Maximen des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson verpflichtet – weshalb sie gelegentlich auch als Wilsonismus bezeichnet wird –, beruht sie auf der optimistischen Annahme universell gültiger Moralvorstellungen als Grundlage einer neuen globalen Friedensordnung. Der Bankrott ihres aristotelisch und kantisch inspirierten Wunschbildes einer von Vernunft und Kooperationswillen geleiteten kosmopolitischen „Weltgesellschaft” gab nach den Erfahrungen des 2. Weltkrieges der „Realistischen Schule” Auftrieb, deren geistiger Vater der deutsch-amerikanische Politikwissenschaftler Hans Morgenthau war.

Die Bezeichnung „Realistische Schule” geht auf den Begriff „Realpolitik” zurück, der besonders mit der Außenpolitik Otto von Bismarcks in Verbindung gebracht wird. Realpolitik orientiert sich an den politischen Fakten sowie den daraus resultierenden Möglichkeiten und impliziert eine Politik der Stärke, für die gesinnungsethische Motivationen oder ideologisch begründete Wertvorstellungen irrelevant sind. So stellen die dezidiert verantwortungsethisch argumentierenden Vertreter des Realismus dem illusionären Weltgemeinschaftskonstrukt das Modell eines offenen, multipolaren und konkurrierenden Staatensystems entgegen. Dessen Funktionslogik wird mangels zentraler Sanktionsmöglichkeiten von politischen Kategorien wie Staatsräson, Macht, Interesse und Bündnis bestimmt. Die Theorie des Politischen Realismus im Fach Internationale Politik, die vor dem Hintergrund des Kalten Krieges exemplarisch konsequent von US-Außenminister Henry Kissinger in praktische Diplomatie umgesetzt wurde, geht von der Annahme aus, dass nur ein (militärisches) Gleichgewicht der Kräfte den Frieden sichern kann. Methodologisch wurde sie in den sechziger Jahren in Deutschland von Gottfried-Karl Kindermann zum „Neorealismus” weiterentwickelt.

Zurück
|
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft