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KubaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Kuba deckt den überwiegenden Teil seines Strombedarfs mit Hilfe von Wärmekraftwerken (94,7 Prozent). Dabei ist das Land u. a. auf den Import von Erdöl angewiesen. Der Bau eines Kernkraftwerkes unweit von Cienfuegos wurde aus finanziellen Gründen nicht fertig gestellt.
Die Insel Kuba wurde am 27. Oktober 1492 von Christoph Kolumbus während seiner ersten Reise für die Alte Welt entdeckt. Zu dieser Zeit siedelten vor allem Taino auf der Insel, ein Arawak-Volk, das bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts durch aus Europa eingeschleppte Infektionskrankheiten, äußerste harte Arbeitsbedingungen sowie Kämpfe mit den spanischen Siedlern nahezu vollständig ausgerottet war. Knapp zwei Jahrzehnte nach der Entdeckung leitet der Spanier Diego Velázquez de Cuéllar 1511 die Eroberung und Kolonisation der Insel ein, gründete noch im selben Jahr die Stadt Baracoa sowie u. a. 1514 Santiago de Cuba, das bald Hauptstadtfunktion übernahm, und 1515 Habana. Unter Velázquez entwickelte sich die Insel binnen kurzem zum Ausgangspunkt für die spanischen Eroberungen auf dem zentral- und südamerikanischen Festland und zum wichtigsten spanischen Flottenstützpunkt in der Neuen Welt und war zunächst auch, bis etwa 1535, das Verwaltungszentrum für die spanischen Gebiete in Zentral- und Südamerika. 1552 wurde die Hauptstadt von Santiago nach Habana verlegt. Durch intensive Landwirtschaft sowie den seit der Mitte des 16. Jahrhunderts betriebenen Zuckerrohranbau, zu dem später noch der Anbau von Tabak und Kaffee kamen, entwickelte sich Kuba neben Hispaniola zum bedeutendsten ökonomischen Faktor der gesamten Westindischen Inseln. Daneben war Kuba seit dem frühen 16. Jahrhundert der wichtigste Umschlagplatz im Warenverkehr zwischen dem spanischen Mutterland und den spanischen Besitzungen in Amerika; u. a. versammelte sich hier die spanische Silberflotte vor ihrer Fahrt über den Atlantik, nach Spanien. Die wirtschaftliche Blüte und die strategisch günstige Lage ließen Kuba ab dem 17. Jahrhundert zu einem der bevorzugten Ziele für An- und Übergriffe europäischer Kolonialmächte und Freibeuter werden. 1762, während des Britisch-Französischen Kolonialkrieges, eroberte Großbritannien die Hauptstadt Habana und zerstörte sie; im Pariser Frieden von 1763 verzichtete Großbritannien jedoch im Tausch gegen Florida wieder auf Kuba. Nach dem erfolgreichen Sklavenaufstand auf Hispaniola in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Kuba zum wichtigsten Zuckeranbaugebiet der Karibik und zu einem der größten Zuckerproduzenten der Welt. Im Zuckerrohr- und Tabakanbau hatte sich auf Kuba unterdessen die Plantagenwirtschaft durchgesetzt; der kontinuierlich steigende Bedarf an Arbeitskräften wurde durch Sklavenimporte aus Afrika gedeckt. Ein erster großer Sklavenaufstand scheiterte 1812. Nach dem Unabhängigkeitskampf im spanischen Zentral- und Südamerika im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts war Kuba die wichtigste spanische Kolonie; aber auch auf Kuba hatten sich unterdessen verschiedene Strömungen entwickelt, die entweder die völlige Unabhängigkeit der Insel anstrebten oder ihren Anschluss an die USA (u. a. zur Sicherung der Sklaverei) oder wenigstens eine grundlegende Reform des Kolonialsystems. Die spanische Verwaltung reagierte auf diese Bestrebungen mit Unterdrückungsmaßnahmen, die ihrerseits jedoch wieder die Unabhängigkeitsbewegung zum Handeln provozierte. In der Folgezeit bestimmten Aufstände gegen die spanische Herrschaft das politische Leben Kubas. 1844 wurde ein zweiter großer Aufstand schwarzer Sklaven brutal niedergeschlagen. 1868 brach ein großer, von den Kreolen geführter, von den schwarzen Sklaven mitgetragener Aufstand aus, der am 10. Oktober 1868 in der Proklamation der Unabhängigkeit Kubas mündete und der Konstituierung einer republikanischen Regierung unter Carlos Manuel de Céspedes. Der darauf folgende langwierige, kostspielige und verlustreiche Kubanisch-Spanische Krieg, in dem Kuba mit Unterstützung der USA gegenüber Spanien seine Unabhängigkeit durchzusetzen suchte, endete erst 1878 mit dem Frieden von Zanjón. In diesem Friedensschluss machte Spanien den Kubanern eine Reihe von Zugeständnissen, die jedoch noch weit von einem autonomen Status, geschweige denn der Unabhängigkeit Kubas entfernt blieben. Die ebenfalls in dem Friedensschluss festgeschriebene Sklavenbefreiung wurde erst 1886 vollendet.
Angesichts der völlig unzureichenden politischen Reformen, die nach dem Kubanisch-Spanischen Krieg eingeleitet worden waren, und der nach wie vor repressiven spanischen Herrschaft brach am 23. Februar 1895 unter der Führung des Schriftstellers und Unabhängigkeitskämpfers José Martí und des Generals Máximo Gómez y Báez erneut ein Aufstand aus. Spanien schlug den Aufstand brutal nieder, rief damit aber weltweite Entrüstung hervor und sah sich 1897 gezwungen, der Insel zumindest innere Autonomie zuzugestehen. Wenig später löste die bis heute nicht geklärte Explosion des US-Kriegsschiffes Maine im Hafen von Habana am 15. Februar 1898 den Spanisch-Amerikanischen Krieg aus. Nach dem Sieg der USA musste Spanien im Pariser Frieden vom 10. Dezember 1898 Kuba (sowie die Philippinen und Puerto Rico) in die Unabhängigkeit entlassen. Allerdings war diese Unabhängigkeit nur eine formale: Denn nun besetzten die USA die Insel und errichteten eine Militärregierung; zudem ließen sie sich durch das Platt-Amendment, das Bestandteil der kubanischen Verfassung von 1901 wurde, ein Interventionsrecht garantieren sowie die Bucht von Guantánamo als Militärstützpunkt abtreten. Am 20. Mai 1902 zogen die USA ihre Truppen von Kuba ab und übergaben die Regierung an Tomás Estrada Palma, den ersten Präsidenten der unabhängigen Republik Kuba. Dennoch blieb Kuba weiterhin in hohem Maße abhängig von den USA, sowohl wirtschaftlich als auch politisch: Die USA machten bis zur Aufhebung des Platt-Amendments wiederholt von ihrem Interventionsrecht Gebrauch und wurde zum Hauptabnehmer für kubanischen Zucker und Tabak, US-amerikanische Investoren engagierten sich zunehmend im Zuckerrohranbau. Unzufriedenheit mit der zunehmend korrupten kubanischen Regierung provozierte immer wieder Unruhen und Aufstände. Der erste einer Reihe von Aufständen gegen das konservative Regime brach im August 1906 aus – und hatte die neuerliche Besetzung der Insel durch US-Truppen, die erst 1909 wieder abzogen, zur Folge. Ein weiterer Aufstand 1912 in der Provinz Oriente zog wieder eine – diesmal kurze – Intervention der USA nach sich, und nach neuerlichen Unruhen 1917 blieben US-Truppen ganze fünf Jahre, bis 1922, auf der Insel.
Nach dem 1. Weltkrieg kennzeichneten zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten die Situation des Landes. Der Liberale Gerardo Machado y Morales, seit 1925 Präsident von Kuba, suchte die Wirtschaft durch verschiedene Maßnahmen wie z. B. Staatskredite zu stabilisieren, allerdings ohne Erfolg, im Gegenteil: Die wirtschaftlichen Bedingungen verschlechterten sich zusehends, und die Weltwirtschaftskrise von 1929 schließlich hatte verheerende Auswirkungen auf die monokulturell ausgerichtete Wirtschaft des Landes; weite Teile der Bevölkerung verarmten, die Aversion gegen das ausländische Kapital nahm sichtbar zu. Angesichts der immensen wirtschaftlichen und sozialen Probleme griff Machado mehr und mehr zu diktatorischen Maßnahmen. Ein blutig unterdrückter Aufstand im August 1933, den auch die kubanische Armee unterstützte, und ein anschließender Generalstreik zwang Machado schließlich ins Exil. Dem Sturz Machados im August 1933 folgte eine lange Phase innerer Unruhen. Machados Nachfolger im Präsidentenamt, Carlos Manuel de Céspedes y Quesada, wurde nach nur einem Monat durch einen Übergangspräsidenten, Ramón Grau San Martín, ersetzt. Grau San Martín leitete eine ganze Reihe Reformen ein: Er führte den Acht-Stunden-Tag ein, schuf ein Arbeitsministerium, begrenzte den Zustrom ausländischer Arbeitskräfte, widerrief das Platt-Amendment. Im Gegenzug verweigerten ihm die USA die Anerkennung. Im Januar 1934 wurde Grau San Martín gestürzt; maßgeblich an seinem Sturz beteiligt war Fulgencio Batista y Zaldívar, der unterdessen das gesamte kubanische Militär unter seine Kontrolle gebracht und sich zum eigentlichen Machthaber in Kuba aufgeschwungen hatte; er installierte nun Carlos Mendieta als neuen Präsidenten. Mendieta unterzeichnete am 29. Mai 1934 ein Abkommen mit den USA, das das Platt-Amendment nun formell aufhob, den USA aber seinen Militärstützpunkt auf Kuba beließ. Im August folgte ein kubanisch-amerikanisches Wirtschaftsabkommen, das der kubanischen Zuckerindustrie zu einem enormen Aufschwung verhalf. Der Wirtschaftsaufschwung brachte jedoch auch neue Arbeitsbedingungen mit sich, die wiederum zu einer ganzen Reihe von Streiks führten. Im März 1935 schlug Batista die Streiks und Unruhen nieder. Im Dezember 1935 trat Mendieta zurück, und im Januar 1936 wurde Miguel Mariano Gómez zum Präsidenten gewählt. Bei dieser Wahl hatten im Übrigen erstmals auch die Frauen das Wahlrecht. Im Dezember 1936 wurde Gómez durch ein von Batista forciertes Amtsenthebungsverfahren abgesetzt; sein Nachfolger für den Rest der Amtszeit wurde der bisherige Vizepräsident Federico Laredo Brú. Laredo Brú leitete ein Reformprogramm ein, das sich vor allem zugunsten der kleinen Landbesitzer und der Landarbeiter auswirkte; das Sozialsystem wurde ausgebaut, oppositionelle Parteien wurden zugelassen, und der Gewerkschaftsverband Confederación de Trabajadores de Cuba (CTC) wurde gegründet. 1940 stellte sich Batista selbst zur Wahl für das Präsidentenamt und wurde, gestützt u. a. auf die Kommunistische Partei Kubas, gegen Grau San Martín zum Präsidenten gewählt. Batista setzte die sozialen Reformen fort; entgegen kam ihm dabei der fortgesetzte Aufschwung der Zuckerindustrie: Die Produktion stieg weiter an, und die USA kauften zeitweise die gesamte kubanische Zuckerproduktion zu relativ hohen Preisen und niedrigen Zöllen auf. 1940 setzte Batista eine neue Verfassung in Kraft. Obwohl Batistas Regierung durch wirtschaftlichen, allerdings weitgehend auf der Zuckerindustrie basierenden Aufschwung und relative innere Stabilität gekennzeichnet war, gewann die Präsidentschaftswahlen von 1944 nicht Batistas Kandidat, sondern Grau San Martín, gestützt auf eine breite Koalition seiner eigenen Partei, der Konservativen Republikaner (den so genannten Auténticos), mit u. a. den Kommunisten. Grau San Martíns erstes Amtsjahr war durch eine Reihe von Krisen, die u. a. auf Lebensmittelknappheit zurückzuführen waren, gekennzeichnet. 1946 konnte er den USA höhere Zuckerpreise abhandeln und gewann so wieder an Popularität. 1948 trat Kuba der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) bei. Durch Schwankungen der Weltzuckerpreise und eine steigende Inflation war die politische Situation in der Nachkriegszeit instabil. 1948 wurde Carlos Prio Socarrás, Mitglied der Auténticos und Kabinettsminister unter Grau San Martín, zum Präsidenten gewählt. Es gelang ihm jedoch nicht, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren; die Inflation und damit die Lebenshaltungskosten stiegen rasch an, Unruhen und Gewalt kennzeichneten die politische Lage des Landes.
Im März 1952 gelangte Batista durch einen von der Armee unterstützten Staatsstreich an die Macht zurück. Er setzte die Verfassung außer Kraft, löste das Parlament auf und bildete eine Übergangsregierung. Schon kurz nach Batistas Machtübernahme begann Fidel Castro einen Guerillakrieg gegen das Batista-Regime; eine seiner ersten großen Aktionen, der Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba am 26. Juli 1953, wurde jedoch von den Batista-Truppen niedergeschlagen. Nach der Niederschlagung des von Castro geführten Aufstandes schien das Regime so weit gefestigt, dass Batista für Ende 1954 Wahlen ausschreiben konnte. Batistas langjähriger Widersacher, Grau San Martín, zog sich kurz vor der Wahl aus dem Wahlkampf zurück; Batista wurde praktisch ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt. Nach seinem Amtsantritt am 24. Februar 1955 amnestierte Batista die politischen Gefangenen, darunter Castro, der nach dem missglückten Sturm auf die Moncada-Kaserne zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Castro ging ins Exil, zunächst in die USA, dann nach Mexiko. Mitte der fünfziger Jahre leitete Batista ein Programm zur Wirtschaftsentwicklung ein, das, zusammen mit der Stabilisierung des Zuckerpreises auf dem Weltmarkt, die wirtschaftliche Situation verbesserte und die politische Lage festigte. Unterdessen hatte Castro in Mexiko eine Guerillaorganisation, die „Bewegung des 26. Juli” gegründet, und zusammen mit 81 Gefolgsleuten, darunter Che Guevara, landete er am 11. Dezember 1956 auf Kuba. Nach verlustreichen Kämpfen bei seiner Landung zog er sich mit seinen elf überlebenden Mitkämpfern in die Sierra Maestra im Südosten der Insel zurück, führte von hier aus einen Guerillakrieg gegen das Batista-Regime und gewann rasch breite Unterstützung in der Bevölkerung und bei den oppositionellen Gruppierungen in Kuba. Angesichts des unaufhaltsamen Vordringens der Guerilleros floh Batista am 1. Januar 1959 aus dem Amt und dem Land, die Guerilleros unter Castro zogen in der Hauptstadt Habana ein. Im Februar 1959 übernahm Castro als Ministerpräsident die Führung der Regierung; Che Guevara wurde Präsident der Notenbank und 1961 Industrieminister. Alle Parteien außer der Anti-Batista-Opposition wurden verboten, zahlreiche ehemalige Batista-Verbündete wurden vor ein Militärtribunal gestellt und 550 hingerichtet.
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