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Äsop

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Äsop: Der Fuchs und die TraubenÄsop: Der Fuchs und die Trauben

Äsop, auch Aisopos oder Aesopus, legendärer griechischer Dichter. Ihm werden zahlreiche Tierfabeln zugeschrieben, mit denen er zum Begründer der Fabeldichtung in der europäischen Antike wurde.

Über Äsops Leben gibt es keine gesicherten Erkenntnisse; nach den ältesten Quellen soll er um 620 bis etwa 560 v. Chr. gelebt haben und ein befreiter Sklave aus Phrygien gewesen sein; andere Quellen (u. a. Aristoteles) verorten ihn in Thrakien. Vermutlich war er Sklave auf Samos und gelangte nach seiner Freilassung an den Hof des lydischen Königs Krösus, der ihn wegen seiner Klugheit zu einem seiner Gesandten machte. Aristophanes zufolge wurde Äsop auf einer in Krösus’ Auftrag unternommenen Reise nach Delphi von den dortigen Priestern wegen Tempelraubs ermordet. Viele biographische Angaben über Äsop (etwa dass er stumm gewesen sei) entstammen dem so genannten Äsoproman, einer volkstümlichen griechischen Erzählung aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., deren Glaubwürdigkeit zumeist bezweifelt wird.

Der Legende nach verfasste Äsop zahlreiche Fabeln, die er mündlich weitergab. Jahrhunderte später hinterließen griechische und römische Schriftsteller Sammlungen mit äsopischen Fabeln, teils in Prosa, teils in Versform. Die älteste schriftliche Sammlung soll der griechische Philosoph Demetrios von Phaleron um 300 v. Chr. erstellt haben, diese Prosafassung ging allerdings (vermutlich im 10. Jahrhundert) verloren. Die erhaltenen antiken Fassungen der äsopischen Fabeln sind alle in Versform verfasst und stammen von den Dichtern Phaedrus (1. Jahrhundert n. Chr.), Babrios (um 100 n. Chr.) und Avianus (um 400 n. Chr.); die meisten heute bekannten äsopischen Fabeln sind später erstellte Prosaumschreibungen der Versfassungen des Babrios.

Bei den äsopischen Fabeln handelt es sich um kurze, gleichnishafte Geschichten zumeist mit Tieren als Handlungsträgern, denen menschliche Eigenschaften zugesprochen werden (z. B. Die Ameise und die Heuschrecke); in einigen Fabeln treten auch Pflanzen, bekannte zeitgenössische Personen oder Götter auf. Meist wird eine gängige (nie wirklich außergewöhnliche) menschliche Schwäche thematisiert, etwa Faulheit, Geiz, Dummheit oder Neid, die aufgezeigt und milde demaskiert, jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger verdammt wird. Auf strenges Moralisieren und aufdringlichen Pathos wird verzichtet (die in diversen Sammlungen am Ende der Fabeln stehenden Zusammenfassungen der Moral wurden in späteren Jahrhunderten hinzugefügt).

Die Tierfabeln des Äsop begründeten in Europa die literarische Untergattung der Fabel und gehören bis heute zu den am weitesten verbreiteten und meistgelesenen Fabeln der Weltliteratur. Im Mittelalter waren sie ein gängiger Lesestoff; insbesondere nach der Erfindung des Buchdrucks entstand eine Vielzahl von weit verbreiteten Editionen, unter denen die 1476 von Heinrich Steinhöwel erstellte Ausgabe („Ulmer Aesop”) wegen ihrer Vollständigkeit und ihrer prächtigen Holzschnitt-Illustrationen (die vermutlich von Jörg Syrlin dem Älteren stammen) herausragt. Äsops Fabeln übten auf spätere Schriftsteller beträchtlichen Einfluss aus, im 17. und 18. Jahrhundert namentlich auf Jean de La Fontaine und Gotthold Ephraim Lessing, die das Genre der Fabel neu belebten.

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