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Windows Live® Suchergebnisse MigrationEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Ursachen und Motive; Folgen; Wanderungsbewegungen in der Geschichte; Migranten in der Bundesrepublik Deutschland
Migration (von lateinisch migratio: Wanderung), Bezeichnung für bestimmte Prozesse der räumlichen Bewegung von Material, Tieren oder Menschen; in der Geologie z. B. für die Durchdringung von Erdöl und Erdgas durch Gesteinsschichten mit der Folge der Entstehung von Lagerstätten; in der Biologie z. B. für den Wirtswechsel von Parasiten; in der Softwaretechnologie für die Überführung von Datenbeständen in neue Strukturen. In den Geschichts- und Sozialwissenschaften bezeichnet der Begriff in der Regel Wanderungen von Menschen (Individuen, Gruppen oder Völkern) an einen anderen Ort oder in eine andere Region, die mit einem dauerhaften Ortswechsel verbunden sind (und bezieht sich damit nicht auf andere Formen der räumlichen Mobilität wie Tourismus, Nomadentum, Pendeln). Diese Wanderungen vollziehen sich innerhalb eines Gebiets (als Binnenwanderung, z. B. vom Land in die Stadt) oder grenzüberschreitend als Außenwanderung, die sich aus der Sicht des Herkunftslandes als Auswanderung (Emigration), aus der Sicht des Aufnahmelandes als Einwanderung (Immigration) darstellt (mit diesem Aspekt beschäftigen sich die nachfolgenden Ausführungen). Die Migration ist einer der wichtigsten Faktoren der Bevölkerungsentwicklung und eines der Zentralprobleme für Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Kultur in Geschichte und Gegenwart. Weltweit suchen heute mehr als 100 Millionen Migranten Arbeit und Wohnung außerhalb ihres Landes; etwa 20 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Verfolgung. Auch wenn der Großteil der weltweiten Migration immer noch innerhalb von Regionen stattfindet, haben die interregionalen Wanderungsbewegungen in den letzten Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen. Mit ihren Ursachen und den Formen der Wanderungsbewegungen sowie den weit reichenden sozialen und politischen Folgen befassen sich mehrere wissenschaftliche Disziplinen der Geschichtswissenschaft, Geographie, Bevölkerungswissenschaft und Soziologie (Migrationsforschung).
Mit den meisten Wanderungen in prähistorischen und späteren Epochen reagierten die Menschen auf eine negative Veränderung ihrer Lebensbedingungen, die sie zur Suche nach besseren Lebensverhältnissen an einem anderen Ort veranlassten. Zu solchen so genannten Druck- bzw. Push-Faktoren gehören vor allem Klima- und andere Umweltveränderungen, Nahrungsmittelknappheit, Übervölkerung, Armut und Arbeitslosigkeit, aber auch wirtschaftliche Benachteiligung, ethnische und religiöse Diskriminierung und direkte Zwangsmaßnahmen (Vertreibung, Deportation, Zwangsumsiedlung) und Bedrohung mit physischer Vernichtung (durch politische Verfolgung, Krieg oder Bürgerkrieg).
Auch positive Erwartungen an die Zukunft im Zielort motivieren zur Migration. Als wichtigste historische Sog- bzw. Pull-Faktoren, die zur friedlichen Umsiedlung oder kriegerischen Eroberung veranlassten, gelten vor allem reichhaltige Nahrungsquellen (wie Wildreichtum und fruchtbare Böden), Bodenschätze und der Reichtum sowie hohe zivilisatorische Standards anderer Gesellschaften. Mit religiösen Motiven waren Wanderungen verbunden, die im Gefolge von Missionsbewegungen in Gang kamen (siehe 4.2.). Auch die Aussicht auf eine freie Religionsausübung in einem toleranten gesellschaftlichen Umfeld (wie sie z. B. Preußen den in Frankreich verfolgten Hugenotten und die USA den religiösen Minderheiten in Europa anboten) oder die Errichtung eines eigenen national, ethnisch oder religiös definierten Staates (z. B. Israel, siehe 4.4.2.) gehören zu den historisch bedeutenden Pull-Faktoren. Freie wirtschaftliche Betätigung, Arbeitsplätze und Achtung der Menschenrechte entwickelten sich seit Beginn der Industrialisierung zu den Hauptattraktionen für internationale und im 20. Jahrhundert zunehmend globale Migrationsbewegungen.
Die Folgen massiver Migrationsprozesse sind für die von der Ab- und der Zuwanderung betroffenen Gebiete und Länder so vielfältig wie ihre Ursachen und die Folgen für die Migranten selbst. Die Situation kompliziert sich noch dadurch, dass viele Länder zu unterschiedlichen Zeiten Auswanderungs- und zugleich oder wenig später Aufnahmeländer sind wie z. B. Deutschland im 19. Jahrhundert oder die südeuropäischen Staaten, aus denen seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts Arbeitsmigranten nach Deutschland zogen und die seit den achtziger Jahren selbst Zielräume von Wirtschaftsflüchtlingen und Bürgerkriegsopfern aus Nordafrika und Ost- und Südosteuropa wurden.
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