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Migration

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4.2

Wanderungsbewegungen im Mittelalter

Zu den bedeutendsten Massenmigrationen des Mittelalters gehören militärisch gestützte Expansionen, die sich auf einen religiösen Missionsauftrag beriefen, hinter denen aber als die eigentlichen und treibenden Motive zumeist auch soziale Konflikte, wirtschaftliche Interessen und politische Herrschaftsansprüche steckten.

4.2. 1

Muslimische Eroberungen

Unter dem Banner des Islam, der jüngsten der großen Weltreligionen, eroberten arabische Stämme unter den Nachfolgern Mohammeds im 7. und 8. Jahrhundert weite Gebiete des bisherigen persischen Reichs der Sassaniden und des Byzantinischen Reichs und drangen bis nach China im Osten, Schwarzafrika im Süden sowie Nordafrika und in den europäischen Raum (vor allem Spanien) im Westen vor. Sie errichteten Kalifate, aus denen 1300 das Osmanische Reich hervorging, das zu den bedeutendsten Großreichen der Weltgeschichte gehörte und bis 1922 bestand.

4.2. 2

Ostkolonisation

Eine Mischung aus militärischer Eroberung und religiöser Mission war auch die Siedlungsbewegung, die zwischen dem 8. und dem 13. Jahrhundert aus Mitteleuropa bzw. dem deutschen Reichsgebiet in den Osten Europas vordrang. Die Christianisierung der Slawen verband sich mit der Ausweitung der Herrschaftsgebiete von Fürsten und Bischöfen, der Gründung von Städten und dem Ausbau der Handelswege. Die Ostkolonisation, die vor allem durch geistliche Ritterorden (Deutscher Orden) vorangetrieben wurde, war ein maßgeblicher Faktor für die kulturelle Entwicklung und Staatenbildung im mittelalterlichen Osteuropa.

4.2. 3

Kreuzzüge

Im Zeichen von Kreuz und Schwert standen auch die Kreuzzüge der christlichen Mächte zur Rückeroberung der an den Islam verlorenen Gebiete und zur Missionierung der Muslime zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert. Auch sie sind den Migrationsbewegungen zuzurechnen, weil im Gefolge der bewaffneten Heere Hunderttausende von Menschen aus Gründen des Glaubenseifers oder der Armut mitzogen und sich entlang der Routen der Kriegszüge oder in den Zielgebieten niederließen und sich als Siedler an der Gründung der Kreuzfahrerstaaten im Vorderen Orient beteiligten. Zu den für die Geschichte Europas bedeutenden Konsequenzen der Kreuzzüge gehören die Ausweitung der Fernhandelsbeziehungen zum Orient und die kulturelle Befruchtung, die den Übergang Europas ins Zeitalter der Renaissance und des Humanismus beflügelte.

4.2. 4

Normannenzüge

Das politische Gefüge Europas wurde im Mittelalter wesentlich von der Massenmigration der Wikinger bzw. Normannen mitbeeinflusst. Unter dem Druck einer dramatischen Verschlechterung des Klimas in Nordeuropa drangen sie zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert nach Süden vor, eroberten England, Nordfrankreich (Normandie), weite Gebiete Osteuropas bis Konstantinopel sowie Süditalien und gründeten dort Städte und Staaten. Ihr zentralisiertes Verwaltungssystem, der Ausbau des Fernhandels und ihre Kriegstechnik waren wichtige Komponenten für die Entwicklung des mittelalterlichen Europas.

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