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MigrationEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Ursachen und Motive; Folgen; Wanderungsbewegungen in der Geschichte; Migranten in der Bundesrepublik Deutschland
Eine Migrationsbewegung war auch der so genannte Mongolensturm im 13. und 14. Jahrhundert. Die Besiedlung asiatischer Steppenräume durch die nomadischen Mongolen ging in eine Welle von Eroberungszügen unter Dschingis Khan und seinen Nachfolgern über, die das verhältnismäßig kurzlebige Mongolenreich schufen, das flächenmäßig größte Herrschaftsgebiet der Weltgeschichte, das vom Gelben Meer bis an die Grenzen Europas reichte und das u. a. die kulturelle Entwicklung des zentral- und vorderasiatischen Raumes mitprägte.
Die Entdeckung Amerikas war Ausgangspunkt für eine Folge von Massenmigrationen aus Europa. Sie gewannen ihre Dynamik aus den Perspektiven, die sich den Pionieren bei der Erschließung der „Neuen Welt” boten, aber auch aus den Glaubenskämpfen zur Zeit der Gegenreformation und der Verschlechterung der Lebensbedingungen, die Kriege, industrielle Revolution und Wachstum der Bevölkerung mit sich brachten. Unter diesen Bedingungen waren auch die Kolonien in Lateinamerika, Afrika und Asien, die von den westeuropäischen Seehandelsstaaten in großer Zahl gegründet wurden, attraktive Ziele für europäische Migranten, zumal wenn sie sich als Führungsschicht (z. B. als Kaufleute, Beamte, Militärs, Plantagen- und Minenbesitzer) niederlassen konnten. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum 18. Jahrhundert zwischen zwei und drei Millionen Menschen, bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts 60 Millionen eine neue Existenz außerhalb Europas aufgebaut haben. Die meisten wanderten in die USA aus, die seit 1820 zwischen 40 und 50 Millionen Einwanderern aus Europa eine neue Heimat boten.
Neben diesen Migrationsbewegungen, die zumeist auf der freien Entscheidung von Einzelnen der Bevölkerungsgruppen beruhten, vollzog sich zeitgleich eine der größten und grausamsten Zwangsmigrationen der Weltgeschichte: Innerhalb von 250 Jahren seit Beginn des Sklavenhandels Ende des 16. Jahrhunderts wurden, unsicheren Schätzungen zufolge, etwa 20 Millionen Afrikaner als Sklaven nach Süd- und Nordamerika deportiert, um dort im Bergbau und in der Plantagenwirtschaft als Ersatz für die stark dezimierte indigene Bevölkerung eingesetzt zu werden.
Seit dem Beginn der industriellen Revolution setzte sich, beginnend in Großbritannien und Irland, die Suche nach Arbeitsplätzen als vorherrschendes Motiv der mehr oder weniger freiwilligen Migration durch, aus den ländlichen Gebieten zogen die Menschen in die aufstrebenden industrialisierten Zonen (Landflucht). Dabei wurde der überseeische Massenexodus aus Westeuropa seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend abgelöst von der kontinentalen Zuwanderung aus Ost- und Südosteuropa: Millionen von Arbeitsuchenden rückten in die Kohle-, Eisen- und Stahlzentren in Deutschland (Ruhrgebiet), Frankreich (Lothringen) und England (Midlands) nach. Am Vorabend des 1. Weltkrieges gab es im Deutschen Reich rund 1,2 Millionen „ausländische Wanderarbeiter”. Die damalige Zuwanderung aus Polen ist im Ruhrgebiet z. B. an der hohen Anzahl von Familiennamen polnischen Ursprungs noch heute erkennbar.
Etwa sechs Millionen Menschen waren von „ethnischen Säuberungen” und Repatriierungen nach dem 1. Weltkrieg betroffen, unter ihnen aus Kleinasien nach Griechenland vertriebene Griechen; Türken und andere Muslime, die auf dem Balkan gelebt hatten und in der Türkei Zuflucht suchen mussten; Polen, die Opfer der Westverschiebung der Ostgrenze zugunsten der Sowjetunion wurden (1921).
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