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Martin LutherEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Luthers Ideen aufnehmend, hatte sich Thomas Müntzer an die Spitze einer Bewegung gestellt, die im Frühjahr 1525 weite Teile Deutschlands umfassen sollte. In seiner Ermahnung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauernschaft (April 1525) stand Luther noch zwischen den Fronten, versuchte zwischen Fürsten und Bauern zu vermitteln. Doch schon bald wurden ihm die tief greifenden Differenzen zu dem in Allstedt tätigen Müntzer und dessen rigoristischer Mystik bewusst. Luther bestritt den Bauern das Recht, sich für die Durchsetzung ihrer Forderungen auf das Evangelium zu berufen. Er warnte vor der Zerstörung der weltlichen Ordnung, da er eine Trennung zwischen weltlicher und geistlicher Macht postulierte. Seine scharfe Reaktion in der Schrift Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern zeigt wohl deutlich, wie sehr er sich gegen eine Vereinnahmung seiner Ideen zur Legitimierung radikaler politischer und wirtschaftlicher Forderungen wehrte. Diese Einstellung zum Bauernkrieg sollte Luther seine Volkstümlichkeit kosten.
Durch Unruhen in Wittenberg und die Bauernkriege deutete sich schon an, dass weitere radikale Reformbewegungen in Luthers Theologie geistigen Nährboden gewinnen sollten. Diese Gruppen bezeichnete Luther als Schwärmer und Täufer und bezog kritisch Stellung gegen sie. In den sich nach der Reformation herausbildenden Kirchen gewann Luther hohe Autorität, die theologisch reflektiert wurde. In der Barockzeit galt Luther vor allem als Erneuerer der deutschen Sprache und Schöpfer eines deutschen Gottesdienstes und Kirchengesangs. Pietismus und Aufklärung erkannten die Leistung der Lehre Luthers, vermissten bei ihm allerdings Tiefe in Frömmigkeit und Lebenspraxis. Klassik, Idealismus und Romantik betonten wiederum mehr sein sprachschöpferisches Wirken. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts mündete dies in die Etablierung Luthers zum deutschen Nationalhelden. In marxistisch-revolutionärer Interpretation wird Luther zum beginnenden, nicht vollendeten Revolutionär. Mit der historisch-kritischen Forschung des 19. Jahrhunderts setzte ein stärkeres Interesse an Luther ein, vor allem sichtbar an der 1883 einsetzenden Weimarer Ausgabe seiner Werke. Hinsichtlich seiner Stellungnahmen zu den Juden ist die wissenschaftliche Beurteilung des Reformators eher strittig. Zu Beginn war Prämisse seiner Aussagen noch, einen Teil der Juden für das Evangelium zu gewinnen, was jedoch in seiner späteren Schrift Von den Juden und ihren Lügen keinen Nachhall finden sollte. Bis in die Gegenwart wird in Luthers Wirken der entscheidende Impuls zur geistesgeschichtlichen Entwicklung vom Mittelalter zur Neuzeit gesehen. Die grundlegenden theologischen Gedanken Luthers finden sich in seinen drei reformatorischen Hauptschriften und in weiteren Werken, wie etwa Sermon von den Guten Werken (1520), Vom unfreien Willen (1525), Deutsche Messe (1525) und Kleiner Katechismus (1529).
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