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Theobald von Bethmann Hollweg

Enzyklopädieartikel

Theobald von Bethmann Hollweg (1856-1921), Politiker, Reichskanzler und preußischer Innenminister (1909-1917), geboren in Hohenfinow bei Eberswalde. Nach einem Jurastudium in Straßburg und Berlin trat Bethmann Hollweg 1882 in preußische Verwaltungsdienste ein; 1899 wurde er Oberpräsident der preußischen Provinz Brandenburg, 1905 preußischer Innenminister und 1907 Staatssekretär im Reichsamt des Innern. 1909 löste er Bernhard von Bülow als Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten ab.

Im Inneren versuchte Bethmann Hollweg, gestützt auf wechselnde Reichstagsmehrheiten, ohne durchgreifenden Erfolg, die innenpolitischen Gegensätze zu überwinden; er geriet in Konflikt mit den Rechten und den Alldeutschen, u. a. mit seinem Versuch einer Wahlrechtsreform in Preußen und auf Grund des zunehmenden Erstarkens der Sozialdemokraten. Nach außen vertrat Bethmann Hollweg eine Politik der Stärke („Kanonenbootpolitik”), die zur 2. Marokkokrise führte. Zugleich suchte er aber auch eine Verständigung mit Großbritannien zu erreichen; eine Beendigung des deutsch-britischen Flottenwettrüstens scheiterte allerdings an der Rüstungspolitik des Großadmirals von Tirpitz.

In der Julikrise 1914, nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers, hatte Bethmann Hollweg großen Anteil an den Entscheidungen in Deutschland und Österreich-Ungarn, die schließlich zum Ausbruch des 1. Weltkrieges führten. Er sprach sich für einen sofortigen Krieg Österreich-Ungarns gegen Serbien aus; er war der Ansicht, dass ein solcher Krieg auf Serbien beschränkt bleiben könne, dass er zu gewinnen sei und dass ein Sieg die Position der Mittelmächte Österreich-Ungarn und Deutschland stärken würde. Nach Ausbruch des Krieges stand er in der Kriegszielfrage zunächst auf der Seite der konservativen Alldeutschen mit ihren weit reichenden Annexionsplänen. Ab November 1914 vermied er jedoch eine definitive Festlegung der Kriegsziele, um sich sowohl innen- wie auch außenpolitisch Handlungsspielräume zu schaffen, z. B. für einen Verständigungsfrieden; zudem wurde die öffentliche Kriegszieldiskussion untersagt. Ab 1916 wurde Bethmann Hollweg politisch zunehmend von Hindenburg und Ludendorff, den Chefs der Obersten Heeresleitung (OHL), in den Hintergrund gedrängt. Im Januar 1917 gab er widerwillig der Forderung der OHL nach Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges nach; im Juli 1917 trat er auf Druck der Heeresleitung zurück. Bethmann Hollweg starb am 2. Januar 1921 in Hohenfinow.

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