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Georg Philipp Telemann (1681-1767), deutscher Komponist an der Schwelle vom Barock zur Klassik. Zu seiner Zeit bekannter als Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel, wurde er nach seinem Tod wegen seines umfangreichen Œuvres lange Zeit als Vielschreiber abqualifiziert. Neben seinem kompositorischen Werk erwarb er sich herausragende Verdienste um die Etablierung der bürgerlichen Musikkultur. Telemann wurde am 14. März 1681 als Sohn eines Pastors in Magdeburg geboren. Sein Vater starb, als der Knabe vier Jahre alt war. Musikalisch hochbegabt, lernte er schon im frühen Alter Violine, Flöte und Zither zu spielen. Auch mit dem Komponieren begann er schon in jungen Jahren: Zwölfjährig schrieb er seine erste Oper Sigismundus (1693, verschollen). Auf Reisen zu den Residenzen in Braunschweig und Hannover machte Telemann Bekanntschaft mit der französischen und italienischen Musik seiner Zeit. 1701 nahm er auf Drängen der Familie an der Universität Leipzig ein Jurastudium auf. In der sächsischen Stadt gründete er auch das studentische Orchester Collegium musicum, übernahm die Leitung der städtischen Oper und komponierte Kirchenkantaten für die Thomaskirche. 1704 wurde er in Leipzig Organist an der Neuen Kirche (heute Mattheikirche), ein Jahr später wechselte er als Kapellmeister an den Hof des Grafen von Promnitz in Sorau (Niederlausitz, heute Żary, Polen). Von 1706 bis 1712 war Telemann Direktor und Konzertmeister der Hofkapelle in Eisenach, anschließend wurde er Kirchenmusikdirektor in Frankfurt/Main und bald darauf städtischer Musikdirektor. 1721 kam Telemann nach Hamburg, wo er bis zu seinem Tod 46 Jahre lang das städtische Musikleben organisierte: als Kantor am Johanneum, Musikdirektor der fünf Hauptkirchen und Chef der Hamburger Oper. 1728 gründete er in der Hansestadt die Zeitschrift Der getreue Music-Meister, in der er Musikstücke unterschiedlicher Komponisten veröffentlichte. Telemann starb am 25. Juni 1767 in Hamburg.
Das Telemann-Werkverzeichnis führt mehr als 3 600 Werke des Komponisten auf – doppelt so viele wie von Bach und Händel zusammen. Sie umfassen alle gebräuchlichen Gattungen seiner Zeit und weisen ihn als fortschrittlichen und weltgewandten Musiker aus, der nicht nur einer der wichtigsten Barockkomponisten, sondern auch ein wesentlicher Wegbereiter der Klassik war. Unter seinen etwa 60 Opern, von denen der größte Teil verschollen ist, finden sich u. a. Der geduldige Sokrates (1721) und das heitere Intermezzo Pimpinone oder Die ungleiche Heirat (1725). Aus seinen Orchesterwerken ragen die programmatischen Ouvertüren-Suiten wie die Ouverture des Nations anciens et modernes (undatiert) oder die so genannte Wasser-Ouvertüre Hamburger Ebb’ und Flut (1723) heraus. Seine etwa 100 erhaltenen Solo-, Doppel- und Gruppenkonzerte – zum Teil auch für weniger gebräuchliche Soloinstrumente – verbinden vielfach Merkmale unterschiedlicher Nationalstile zu einem „vermischten Geschmack”. Ein umfangreiches Kompendium der Orchester- wie der Kammermusik stellt Telemanns Musique de Table (1733) dar. Weitaus bekannter als seine zahlreichen geistlichen Oratorien und Kantaten sind heute seine weltlichen Gesangswerke wie Die Tageszeiten (1754) und die Ino-Kantate (1765). Telemann war der produktivste Komponist des 18. Jahrhunderts und zu Lebzeiten der bekannteste Musikschöpfer seiner Generation. Nach seinem Tode jedoch wandelte sich das Bild: Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel stiegen zu Heroen des Barockzeitalters auf, während Telemann aufgrund seines umfangreichen Schaffens zum oberflächlichen Vielschreiber abqualifiziert wurde – ein Vorurteil, das sich teilweise bis heute gehalten hat. So urteilte Eckart Kleßmann 2004 in seiner Telemann-Biografie: „Der außerordentliche Reichtum und die stilistische Vielfalt seiner Kompositionen sind noch lange nicht erschlossen. In der Erkenntnis seines Werkes und seiner gerechten Bewertung stehen wir immer noch am Anfang.”
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