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Windows Live® Suchergebnisse SchiitenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Ursprung und Entstehung; Heilsglaube und Märtyrertum; Die Aschura-Riten; Die wahren Imame; Gruppierungen; Unterschiede und Gemeinsamkeiten der schiitischen Glaubensgemeinschaften; Die Stellvertreter des verborgenen Imams
Schiiten (arabisch Schi’at Ali: Partei Alis), neben den Sunniten eine der beiden Hauptgruppen des Islam, die etwa 15 Prozent aller Muslime ausmacht. Die Schiiten betrachten Ali ibn Abi Talib, den Schwiegersohn des Propheten Mohammed, als dessen rechtmäßigen Nachfolger. Sie unterscheiden sich von den Sunniten weniger durch ihre Frömmigkeitspraxis als vielmehr durch ihre leitenden Ämter im Islam, die Auslegung des Korans und die Rechtsprechung. Das ursprüngliche Zentrum der Schiiten lag im Irak. Mehr als die Hälfte der Iraker, vor allem im Süden des Landes, sind Schiiten. Mit Gründung der arabischen Kolonie Qum im 8. Jahrhundert breitete sich die Schia auch in den Iran aus, der heute mit mehr als 90 Prozent seiner Bevölkerung den höchsten Anteil an Schiiten hat. Schiiten gibt es u. a. auch im Libanon, Saudi-Arabien, Aserbaidschan, Indien und Pakistan. Weltweit gibt es etwa 200 Millionen Schiiten.
Die Schiiten haben ihren Ursprung in der Auseinandersetzung innerhalb des Islam bezüglich der Frage, wer nach dem Tod Mohammeds im Jahr 632 n. Chr. sein legitimer Nachfolger sein sollte. Während sich die Mehrheit der Muslime darauf einigte, einen Kalifen (arabisch khalifa: Nachfolger) zu benennen, der die religiöse und politische Führung der Muslime übernehmen, jedoch keine göttlich autorisierte Legitimität beanspruchen sollte, lehnte eine Minderheit der Muslime diese Entscheidung ab, in der Überzeugung, Gott selbst würde den rechtmäßigen Nachfolger auswählen. Mit Bezug auf den Koranvers „Von seiner Partei ist auch Abraham” (Sure 37, 83) waren sie der Ansicht, der Nachfolger Mohammeds müsse aus dessen Familie stammen, und glaubten, in Ali ibn Abi Talib, dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten, den rechtmäßigen und von Gott erwählten Kalifen gefunden zu haben. Aus diesem Grund wurden die Schiiten als Schi’at Ali bezeichnet. Da sich die Mehrheit der Muslime gegen Ali als Nachfolger entschied und stattdessen Abu Bakr, den Vater von Mohammeds Lieblingsfrau zum Kalifen wählte, begann ein Nachfolgestreit, der sich verschärfte, als nach Abu Bakrs zweijähriger Amtszeit Ali erneut nicht gewählt wurde. Erst nachdem drei andere Kalifen vor ihm regiert hatten, wurde Ali 656 in der Moschee von Medina zum Kalifen proklamiert. Nach schiitischer Auffassung kam mit ihm der einzig legitime Nachfolger Mohammeds an die Macht. Für die Schiiten waren die ersten drei Kalifen Usurpatoren. Ali wurde jedoch nicht allgemein anerkannt. Er musste sich aus Medina in den Irak zurückziehen, wo die Stadt Kufa seine Residenz wurde und wo er 661 ermordet wurde. Seither wird er von den Schiiten als geistiger Ahnherr und erster Märtyrer verehrt. Muawija, der Begründer der Omaijaden-Dynastie, wurde der nächste Kalif. Er ließ alle verfolgen, die weiterhin der Ansicht waren, nur ein Blutsverwandter in direkter Nachkommenschaft des Propheten könne ein recht geleiteter Kalif sein. Hassan ibn Ali, einer von Alis Söhnen, der von den Schiiten als der zweite Imam angesehen wird, verzichtete daher auf eine Konfrontation mit Muawija und zog sich aus der Politik zurück. Als Muawija 680 starb und seinen Sohn Yazid als Nachfolger einsetzte, war dies ein Signal für den erneuten Versuch der Nachkommen Alis, den Aliden, die Macht an sich zu reißen. So führte Alis zweiter Sohn, Husain, im Jahr 680 seine Familie und seine Anhänger gegen die Armee des Kalifen Yazid, obwohl ihre Lage von Beginn an aussichtslos war. Husain wurde, nachdem er von seinen Verbündeten im Stich gelassen worden war, bei Kerbela in der irakischen Wüste von Soldaten im Auftrag des omaijadischen Gouverneurs im Irak gestellt und am 10. Muharram (Oktober) 680 ermordet. Die Schi’at Ali war politisch gescheitert.
Religiöse Züge nahm die Schi’at Ali erst nach der Katastrophe in Kerbela an. Husain ist für die Schiiten neben Ali der zweite große Heilige, da er nach schiitischer Auffassung von Gott vor die Wahl gestellt wurde, in der Schlacht bei Kerbela entweder zu siegen oder als Märtyrer zu sterben. Husain habe sich für die Rolle des Märtyrers entschieden, um den Gläubigen ein leuchtendes Beispiel dafür zu sein, den Islam nicht zu verraten wie Kalif Yazid. Spätere Generationen machten Husain zum Märtyrer, der durch sein Blut die Menschheit von ihren Sünden erlöst, womit Husain in die Nähe christlicher Erlösungsvorstellungen gebracht wurde. Dadurch dass Schiiten von Anfang an eine politisch machtlose und verfolgte Minderheit waren und ihren Glauben lange Zeit nur im Verborgenen ausüben konnten, entwickelten sie, ähnlich wie im Christentum, die Idee des Märtyrertums als eine von Gott gewollte Tugend. Allerdings formten die Schiiten ihren Märtyrerkult politisch kämpferischer aus als die Christen.
Bis heute ehren die Schiiten Husain an seinem Todestag, an Aschura (arabisch: der Zehnte), an dem auf öffentlichen Plätzen eine Art Passionsspiel gefeiert wird, das die einzelnen Leidensstationen Husains nachstellt und das in manchen Details an die Passionsspiele des europäischen Mittelalters erinnern. Aschura ist der Höhepunkt des islamischen Monats Muharram, der im schiitischen Islam ein Trauermonat ist. Die Aschura-Riten finden entsprechend in den ersten zehn Tagen dieses Monats statt, wobei täglich ein anderes Ereignis der Schlacht im Mittelpunkt der rituellen Handlungen steht. Höhepunkt und Abschluss der Trauerzeremonien ist der zehnte Tag. Die Aschura-Riten als öffentliche Trauerriten umfassen sowohl Erzählungen und Prozessionen als auch die kultische Inszenierung des Martyriums Husains. Unterschieden werden drei verschiedene Muharram-Bräuche.
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