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Windows Live® Suchergebnisse OperEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Ursprünge der Oper in Italien; Frankreich, Deutschland und England; Die Oper der Vorklassik und Klassik; Die romantische Oper; Spätes 19. und frühes 20. Jahrhundert; Das Musiktheater des 20. Jahrhunderts
Oper (italienisch, von lateinisch opera: Werke), musikalische Bühnengattung, eine Synthese aus Musik, Bühnendichtung (Drama) und szenischer Darstellung. In der Oper werden alle oder Teile der Dialoge gesungen; daneben gibt es rein instrumentale Teile wie Ouvertüre, Zwischenspiele und Begleitmusiken. Weitere selbständige Gattungen des Musiktheaters sind Musical und Operette.
Die Anfänge der Oper liegen im Italien des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Der Begriff Oper ist erstmals 1639 nachgewiesen. Zu den Vorläufern der Oper gehören italienische Madrigal-Komödien sowie Masques, Ballets de Cour, Intermezzi und andere höfische Prunk-, Musik- und Tanzaufführungen der Renaissance. Die Oper wurde um 1600 von einer Gruppe von Musikern und Gelehrten, der Florentiner Camerata (italienisch: Salon) entwickelt. Die Hauptziele der Camerata waren die vermeintliche Wiederbelebung des Musikstiles des antiken griechischen Dramas und die Entwicklung einer Alternative zu dem von Kontrapunktik geprägten Stil der späten Renaissancemusik. Diese Ideale (enge Verbindung von Musik und Text bzw. die unmittelbare Umsetzung der Textgrundlage in der Musik) sahen sie exemplarisch in der griechischen Musik der Antike realisiert. Der von der Camerata entwickelte Vokalstil, die Monodie (griechisch: Sologesang), war aus einfachen melodischen Linien aufgebaut, deren formale Charakteristika sich aus den Strukturen und Rhythmen des Textes ergaben. Diese Melodie wurde vom Basso continuo eines Bassmelodieinstruments (z. B. durch eine akkordische Begleitung am Cembalo oder einem anderen Instrument) unterstützt. Zwei Mitglieder der Camerata, Giulio Caccini und Jacopo Peri, erkannten, dass sich die formalen Konzepte der Monodie für Monologe und Dialoge in einem auf der Bühne aufgeführten Drama eignete. 1597 entstand Peris erste Oper Dafne, 1600 wurde die Oper Euridice von Peri und Caccini in Florenz uraufgeführt. Mit Claudio Monteverdis „Favola in Musica” L’Orfeo wurden dann völlig neue Ausdrucksbereiche der Oper eröffnet. Monteverdi vergrößerte in seinen musikdramatischen Werken die Instrumentation und erarbeitete mit kühnen Harmonien und expressiven gesanglichen Momenten ein differenziertes, abgestuftes Psychogramm seiner Figuren. Er demonstrierte damit ebenso eindringlich wie kunstvoll eine breite Palette musikalischer Mittel, um der Handlung der Oper eine bis dahin nicht gekannte Dramatik zu verleihen. Mit seinen Spätwerken Il ritorno d’Ulisse in patria (1640) und der stark psychologisierenden L’incoronazione di Poppea (1642) schuf er die zentralen Beispiele der venezianischen Oper. Die Oper verbreitete sich schnell in ganz Italien, wobei Venedig und Rom, wo erstmals klar zwischen dem Gesangsstil der Arie und dem des Rezitativs unterschieden wurde, während des mittleren und späten 17. Jahrhunderts zu Zentren des italienischen Opernschaffens wurden. Die Monodie hatte damit als Gattung ausgedient, obwohl ihr Prinzip durchaus einflussreich blieb; ihre Hauptkomponisten waren Stefano Lani und Luigi Rossi. Das venezianische Publikum bevorzugte üppige Inszenierungen und spektakuläre visuelle Effekte (z. B. Stürme und vom Himmel herabsteigende Götter). Die führenden Komponisten der venezianischen Oper waren neben Monteverdi Francesco Cavalli, Antonio Stradella, Antonio Caldara, Antonio Maria Bononcini und Antonio Cesti. Im späten 17. Jahrhundert entwickelte Alessandro Scarlatti in Neapel einen neuen Operntypus, der den Wünschen des dortigen Publikums entsprach und vor allem auf Sologesang basierte. Daneben begann man zwischen verschiedenen, neuen Gesangsstilen zu unterscheiden: dem recitativo secco (italienisch: trockenes Rezitativ), das nur durch eine Basso-continuo-Stimme begleitet wurde, sowie dem recitativo accompagnato (italienisch: begleitetes Rezitativ), das vom Orchester begleitet und in zentralen Handlungsmomenten eingesetzt wurde. Zudem führte man das arioso ein, eine Verbindung aus arienhaften Melodielinien und den Sprechrhythmen eines Rezitativs.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte der neapolitanische Stil mit seinem Schwerpunkt auf klangvoller, unterhaltsamer Musik in den überwiegenden Teilen Europas die venezianische Oper verdrängt. Frankreich bildete hier allerdings eine Ausnahme; dort begründete der in Italien geborene Jean-Baptiste Lully eine französische Opernschule. Lully, der im Dienst des französischen Königs Ludwigs XIV. stand, entsprach dem Wunsch nach Prunk und Glanz am französischen Hof mit den großzügigen Chor- und Instrumentalepisoden seiner Opern. Darüber hinaus integrierte er großformatige Ballett-Passagen in seine Werke und verwendete Libretti, denen Texte aus der klassischen französischen Tragödie zugrunde lagen; ein weiterer Beitrag Lullys war die Einführung des ersten genormten Ouvertürentypus (Französische Ouvertüre). Die deutsche Operngeschichte beginnt mit Dafne (1727) von Heinrich Schütz. Eines der wichtigsten Opernhäuser der frühen deutschen Operngeschichte wurde 1678 in Hamburg eröffnet. Dieses Opernhaus, für das der Komponist Reinhard Keiser über 100 Werke schuf, entwickelte sich bis 1738 zum Zentrum der deutschen Oper. Entscheidend war hier der Einfluss italienischer Vorbilder, deren Kenntnis durch Aufenthalte deutscher Komponisten in Italien vertieft wurde. Die wichtigsten deutschen Opernkomponisten dieser Zeit waren neben Keiser Georg Philipp Telemann und der junge Georg Friedrich Händel. Der Einfluss der italienischen Oper führte auch in England zu einer gesteigerten Produktion in diesem Genre. Noch vor 1700 entstanden zwei häufig aufgeführte Werke: Venus and Adonis von John Blow und Dido and Aeneas von Henry Purcell. Purcell schuf auch die so genannten Semi-Opern King Arthur (1691), The Fairy Queen (1692) und The Indian Queen (1695). Diese Werke enthielten französische und italienische Elemente und zeigten sich insbesondere vom Instrumentalstil Lullys und den emotional aufgeladenen Arien und Rezitativen der italienischen Vorbilder beeinflusst. Georg Friedrich Händel feierte hier in den zwanziger und dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts mit etwa 40 Opern im italienischen Stil seine größten Erfolge, bevor er das Opernschaffen ganz aufgab und sich dem Oratorium zuwandte. Von den Idealen der Camerata hatte sich die Oper im 18. Jahrhundert abgewendet und eine Vielzahl neuer Elemente entwickelt. Eine Besonderheit war der Einsatz von Kastraten in der Oper. Zu diesem Zweck wurden die Sänger im Knabenalter kastriert, damit sich ihre Stimme nicht veränderte, sondern ihre hohe Lage behielt. Bis zu Mozarts Zeit wurden sämtliche Frauenrollen in der Opern- und Kirchenmusik ausschließlich von Kastraten gesungen. Die berühmtesten Kastraten ihrer Zeit waren Farinelli (1705-1782) und Gaetano Caffarelli (1710-1783).
In der Mitte des 18. Jahrhunderts suchten zahlreiche Komponisten nach einem Wandel in den Praktiken der Oper; der wichtigste Reformkomponist auf diesem Gebiet war Christoph Willibald Gluck. Seine beiden Meisterwerke Orfeo ed Euridice (1762) und Alceste (1767) realisierten die Forderung nach heroischen Sujets und schematisierten Figuren der ernsten Opera seria, deren typisierte Charaktere mittels cembalobegleiteter Rezitative und solistischer Da-capo-Arien gezeichnet wurden. Daneben entwickelte sich mit der Opera buffa eine, den Texten der italienischen Commedia dell’Arte folgende, komische und musikalisch freie sowie in der szenischen Gestaltung lockere Variante des Musiktheaters. Die italienische Opera buffa wurde Vorbild für weitere vergleichbare Gattungen in anderen europäischen Ländern: für die ballad opera in England, die opéra comique in Frankreich und das Singspiel in Deutschland. Die wichtigsten Vertreter der italienischen Opera buffa waren Giovanni Battista Pergolesi (La serva padrona, 1733), Niccolò Piccini (La buona figliuola, 1760), Giovanni Paisiello (Il barbiere die Siviglia, 1782) und Domenico Cimarosa (Il matrimonio segreto, 1792). Einer der herausragenden Repräsentanten der französischen Oper gegen Ende des 18. Jahrhunderts war der italienische Komponist Luigi Cherubini, der sich 1786 in Paris niedergelassen hatte, u. a. mit seinen Werken Médée (1797; Medea) und Les deux journées ou Le porteur d’eau (1800; Der Wasserträger). Den absoluten Höhepunkt des Opernschaffens im 18. Jahrhundert stellt das Werk Wolfgang Amadeus Mozarts dar: Er beherrschte alle damaligen Operngattungen und stellte nach der Opera seria Idomeneo (1781), der Opera buffa La finta giardiniera (1775) und dem Singspiel Die Entführung aus dem Serail (1782) in seinen Meisteropern Le Nozze di Figaro (1786), Don Giovanni (1787), Così fan tutte (1790) und Die Zauberflöte (1791) eine Synthese aller zeitgenössischen Operngattungen her.
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