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Artikelgliederung
Einleitung; Geschichte des Lateinischen als Literatursprache; Merkmale römischer Literatur; Frühzeit; Das Goldene Zeitalter: Dichtkunst; Das Goldene Zeitalter: Prosa; Das Silberne Zeitalter; Späte Periode; Frühchristliche Schriften; Mittellateinische Literatur; Lateinische Literatur der Renaissance
Lateinische Literatur, die Literatur des antiken Rom und weiter Teile Westeuropas vom Mittelalter bis in die Renaissance, verfasst in lateinischer Sprache.
Die frühesten Zeugnisse in lateinischer Sprache verfasster Literatur stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. In unterschiedlicher Ausprägung setzt sich deren Tradition bis zum heutigen Tag fort. Der Zerfall des Römischen Weltreiches (siehe römische Geschichte) und die stufenweise Entwicklung der romanischen Sprachen aus dem Vulgärlateinischen (der gesprochenen Sprache des gemeinen Volkes) konnte über Jahrhunderte hinweg der Stellung des Lateinischen als führender literarischer Sprache Westeuropas nichts anhaben. Die lateinische Literatur entwickelte sich in christianisierter Form auch während des Mittelalters weiter, als das Lateinische Amtssprache der römisch-katholischen Kirche war. Mit dem Aufkommen des Humanismus im 14. Jahrhundert und dessen Betonung der klassischen Formen der Antike erlebte das Lateinische eine neue Blüte, die bis ins 17. Jahrhundert anhalten sollte. Noch bis vor kurzem galt in der abendländischen Kultur die Kenntnis der klassischen römischen (und griechischen) Literatur als Grundlage einer guten Allgemeinbildung.
Die Literatur Roms nahm sich die griechische Literatur zum Vorbild und diente ihrerseits als Grundlage für die Entwicklung der späteren europäischen Literaturen, insbesondere der Renaissanceliteratur. Da die römischen Schriftsteller formal aufs engste mit den griechischen Vorlagen verbunden waren, trachteten sie in ihren Werken danach, die Eigenständigkeit ihrer Erfahrungen hervorzuheben. Das entscheidende Moment für fast alle römischen Autoren dürfte gewesen sein, die Rolle Roms als zivilisatorische Macht in der Welt richtig einzuschätzen. Die größten Leistungen der römischen Literatur finden wir in den Bereichen Epik und Lyrik, Rhetorik, Geschichtsschreibung, Komödie und Satire, wobei letztgenannte die einzige literarische Form ist, die die Römer selbst hervorgebracht haben.
Ihren Anfang nimmt die römische Literatur mit Livius Andronicus, der als freigelassener griechischer Sklave nach Rom kam. Er übersetzte Homers Versepos, die Odyssee, ins Lateinische, verfasste die ersten Dramen in lateinischer Sprache und übertrug griechische Bühnenwerke. Der erste muttersprachliche Dichter des Lateinischen hieß Gnaeus Naevius (um 270 bis ca. 201 v. Chr.), der dem Beispiel des Livius Andronicus folgte. Besonders erfolgreich waren seine Komödien. Von ihm stammt auch das Epos Bellum Punicum, ein Werk über den 1. Punischen Krieg, den Rom mit seiner Rivalin Karthago ausfocht. Der erste wirklich bedeutende römische Schriftsteller hieß jedoch Quintus Ennius, der vor allem wegen seiner Annales (Jahrbücher) Berühmtheit erlangte. Dabei handelt es sich um eine kraftvolle Versdichtung, in der die Geschichte Roms und seiner Eroberungen in Anlehnung an Homer in lateinischen Hexametern dargestellt wird. Seine Leistung bildet die Grundlage für das römische Nationalepos, das von späteren Dichterkollegen imitiert wurde, die seinen rohen Stil verfeinerten. Von den Werken dieser frühen Dichter sind uns nur Fragmente überliefert, erhalten blieben allerdings 21 der insgesamt 130 Stücke des Komödiendichters Plautus, der sich an die attische Neue Komödie (Menander) anlehnte. Die Komödie war Roms wirkungsvollster Beitrag zur Entwicklung des Dramas. Die lebendigen und kraftstrotzenden Stücke des Plautus dienten zahlreichen europäischen Komödiendichtern späterer Epochen als Vorbild und werden bis in unsere Tage gespielt und nachgeahmt. Die von Plautus geschilderte Welt unbedarfter Herren, gerissener Sklaven, unschuldiger Mädchen und junger Burschen, die sich hoffnungslos verlieben, taucht erneut auf beim zweiten bedeutenden römischen Komödiendichter, nämlich bei Terenz. Dessen Stücke sind gefälliger und eleganter als die seines Vorgängers, weniger ausgelassen komisch, wohl aber anrührender. Cato der Ältere, ein konservativer Staatsmann und unversöhnlicher Gegner Karthagos, war als Autor der erste, der die römische Prosa zur Blüte brachte. Der glänzende Redner lieferte die ersten Vorgaben für die römische Rhetorik und verfasste mit den Origines die erste Geschichte Roms in lateinischer Sprache. Seine Abhandlung De agri cultura (ca. 160 v. Chr., Vom Landbau) und einige seiner Reden sind uns erhalten. Ein großer Meister der Satire, eines offenbar von Ennius erfundenem Genre, war Gaius Lucilius, der sie in die typische Form goss und mit scharfer Zunge die zahllosen Torheiten der Menschen im öffentlichen wie im privaten Bereich schonungslos aufs Korn nahm. Von seinen Werken sind uns nur Bruchstücke überliefert.
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