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Windows Live® Suchergebnisse WeidengewächseEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Wuchsformen und Biotope; Blüten und Früchte; Salweide; Nutzung; Systematische Einordnung
Weidengewächse, Familie holziger Samenpflanzen mit über 400 Arten, die in vier Gattungen zusammengefasst werden. Die beiden häufigsten und umfangreichsten Gattungen, die Weiden mit mehr als 300 und die Pappeln mit etwa 100 Arten, kommen vorwiegend in den nördlichen gemäßigten Breiten vor; zur letzteren Gattung gehören auch die Espen, Aspen oder Zitterpappeln. In der Südhemisphäre gibt es nur wenige Weidengewächse; in Australien, Neuguinea und Neuseeland sind sie überhaupt nicht vertreten.
Weidengewächse bevorzugen in der Regel feuchte Standorte wie Auen und Ufer von Gewässern, doch auch in kühlen Gebirgsregionen fühlen sie sich heimisch. Insbesondere in der arktischen Tundra kommen Weiden sehr häufig vor und bilden dort ein wichtiges Element der Vegetation. In der Tundra sowie im Hochgebirge wachsen Weiden als sehr niedrige, so genannte Spaliersträucher, die dem Boden dicht aufliegen. Auch die von Carl von Linné als „kleinster Baum der Welt” bezeichnete Art ist eine Weide, nämlich die in den Alpen, der Arktis und Nordasien vorkommende Zwergweide. Weiden sind meist kleine Bäume oder Sträucher. Doch kann man – etwa an ökologisch ungestörten Bachufern – auch gewaltige, bis zu 35 Meter hohe Exemplare der Silberweide antreffen. Ausdauernde Klimaxwälder (siehe Ökologie) bilden sie nie, da sie im Lauf der Vegetationsentwicklung (oder Sukzession) wegen ihres hohen Lichtbedarfs von durchsetzungsfähigeren Baumarten beschattet und damit verdrängt werden. Waldbildend sind Weiden aber oft in Auenlandschaften, auf Schotter- und Kiesbänken, die sie auf Grund ihrer Schnellwüchsigkeit und Anspruchslosigkeit rasch besiedeln. Damit zählen Weiden zu den Pioniergehölzen (siehe Pflanzensoziologie). Pappeln hingegen sind durchweg große Bäume, die in nördlichen Breiten oft ganze Landschaften prägen. Die baumförmigen Weidengewächse entwickeln ein Kernholz mit rötlichem (bei Weiden) oder blass-olivbraunem Kern (bei Pappeln). Da das abgestorbene Holz des ausgebildeten Kernes nicht durch Einlagerung von antibiotischen (Mikroben tötenden) Stoffen oder durch Festigungselemente (wie etwa bei Tropenhölzern) geschützt ist, sind alte Weiden oft im Innern durch Pilzbefall ausgehöhlt. Die so entstehenden Hohlräume bieten vielen Tieren, z. B. dem bedrohten Steinkauz, Unterschlupf.
Die Blüten der Weiden und Pappeln sind eingeschlechtig, die Pflanzen zweihäusig. Weibliche und männliche Blüten entwickeln sich also jeweils auf verschiedenen Pflanzen, so dass eine Weide oder Pappel stets männlich oder weiblich ist. Die Blüten sind sehr einfach gebaut; sie haben weder Kelch- noch Kronblätter und stehen in dichten Blütenständen, die man wegen der feinen Behaarung der Tragblätter als Kätzchen bezeichnet. Diese erscheinen bereits vor oder während des Blattaustriebs im Frühjahr. Die windbestäubten Kätzchen der Pappeln, die von den Zweigen herabhängen, entwickeln keinen Nektar. Weidenkätzchen stehen dagegen aufrecht und produzieren reichlich wohlriechenden Nektar, von dem Insekten, speziell Bienen und Hummeln, aber auch Schmetterlinge, angezogen werden. Diese Insekten übernehmen die Bestäubung der Weiden und bekommen dafür den nötigen Nektar zu einer Zeit, in der andere Pflanzen noch nicht blühen. Der Imker schätzt Weiden deshalb als „Bienenweide”. Gewöhnlich sind insektenbestäubte Blüten durch auffällige Farben oder charakteristische Düfte gekennzeichnet, mit denen die Insekten angelockt werden. Wegen der fehlenden Konkurrenz im Frühjahr brauchen Weiden nur das unbedingt Erforderliche in ihren Blütenbau zu investieren und produzieren lediglich die unscheinbaren Kätzchen. Die Früchte der Weiden und Pappeln sind kleine, bei Reife aufspringende Kapseln mit zahlreichen Samen. Die Samen werden mit dem Wind verbreitet, wobei jeder dieser Samen einen feinen, watteartigen Flaum trägt, mit dessen Hilfe er sich lange in der Luft halten und vom Wind unglaublich weit transportiert werden kann. Überdies sind die Samen sehr klein: 1 000 Samen der kleinsten arktischen Weiden wiegen nur 0,1 Gramm. Wenn die Samen auf feuchtem, offenem, unbewachsenem Boden landen, keimen sie sehr schnell in ein bis zwei Tagen. Die meisten Weiden und Pappeln sind raschwüchsig und tragen schon innerhalb weniger Jahre die ersten Blüten. Sie sind allerdings auch kurzlebig: Manche werden nur etwa 20 Jahre alt, da sie wegen ihres weichen Holzes leicht von Pilzen zerstört oder vom Wind umgebrochen werden.
In Mitteleuropa gibt es etwa 30 bis 40 Weidenarten, die oft nur von Spezialisten bestimmt werden können. Manche Arten bilden untereinander Bastarde, was die Bestimmung und Feststellung der Artenzahl zusätzlich erschwert. Die Salweide, auch Palmweide genannt, besiedelt ganz Europa, sie gehört zu unseren häufigsten Weiden. Sie ist u. a. in Gebüschen, Auenwäldern, an Waldrändern und auf Lichtungen anzutreffen. Auf Kahlschlägen und in Kiesgruben zählt sie zu den Pionierpflanzen. Ihre eigroßen und eiförmigen Blätter sind auf der Unterseite weißlich behaart. Die männlichen Salweidenkätzchen erkennt man nach dem Aufblühen an ihren vielen goldgelben Staubgefäßen, während die weiblichen Kätzchen nur ihre graugrünen Griffeläste zeigen. In katholischen Gegenden werden Zweige der Palmweide mit ihren attraktiven Kätzchen am Palmsonntag in den Kirchen zum Binden des so genannten Palmbusches verwendet, der in Ermangelung echter Palmzweige den Einzug Jesu in Jerusalem symbolisieren soll.
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