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Rheinland-PfalzEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In Rheinland-Pfalz gibt es Universitäten in Mainz, Trier, Kaiserslautern, Speyer und Koblenz-Landau, Fachhochschulen in Ludwigshafen, Mayen und Mainz. Zwischen 1450 und 1456 entstand in Mainz das erste Buch, das nachweislich mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde – die nach Johannes Gutenberg benannte Gutenbergbibel. Die Stadt ist Sitz des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) und ein Standort des Südwestrundfunks (SWR). Neben Köln ist Mainz eine der Hochburgen des rheinischen Karnevals. Berühmte Persönlichkeiten des Landes sind der 1896 in Nackenheim bei Mainz geborene Schriftsteller Carl Zuckmayer, der 1818 in Trier geborene Karl Marx sowie Ernst Bloch, der 1885 in Ludwigshafen zur Welt kam. Die Loreley, ein markanter Schieferfelsen am Rhein, inspirierte Clemens Brentano zu einer phantastischen Gestalt in seinem Roman Godwi (1801): ein schönes Mädchen, das auf dem Felsen sitzend Seeleute in den Tod lockt. Heinrich Heine griff diese Figur 1823 in seinem Gedicht Die Loreley wieder auf. Herausragendstes Bauwerk der Stadt Speyer ist der romanische Dom, der von der UNESCO 1981 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Forst- und Landwirtschaft spielen vor allem im Rheinhessischen Hügelland und im Oberrheinischen Tiefland eine Rolle. Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst etwa 37 Prozent des Landes. Rheinland-Pfalz besitzt die größten Weinbaugebiete Deutschlands (Rheinhessen, Ahr, Mittelrhein, Mosel-Saar-Ruwer, Nahe und Rheinpfalz). Außerdem werden Getreide, Hackfrüchte und Futterpflanzen angebaut. Ludwigshafen ist ein Zentrum der chemischen Industrie. Weitere wichtige Industriezweige des Bundeslandes sind Maschinenbau, elektrotechnische Industrie, Lederwaren- und Schuh- sowie Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Zunehmende Bedeutung hat der Dienstleistungssektor, in dem mittlerweile knapp 40 Prozent aller Berufstätigen beschäftigt sind. Auch der Fremdenverkehr ist von großer Bedeutung. Die Täler von Rhein und Mosel sind beliebte Ausflugsziele. Viele Städte in Rheinland-Pfalz beheimaten sehenswerte romanische Kirchenbauten; in Trier befinden sich zahlreiche Relikte aus der Römerzeit.
Rheinland-Pfalz wurde 1946 aus Gebieten unterschiedlicher historischer Tradition als Land neu gebildet und 1949 Bundesland. Dieser Raum – im Mittelalter eine Kernlandschaft des deutschen Königtums – gilt als einer der archäologisch ergiebigsten Europas.
Zu den frühesten menschlichen Spuren zählen die bei Battenberg gefundenen 500 000 Jahre alten Werkzeuge von Heidelbergmenschen (siehe Evolution des Menschen). Seit etwa 600 v. Chr. lebten Kelten hier, die in der späten La-Tène-Zeit (ab etwa 225 v. Chr.) den Treverern mit der Hauptsiedlung bei Trier sowie den Eburonen zuzuordnen sind. Um die Zeitenwende siedelten hier außerdem Germanen wie Nemeter, Tenkterer, Ubier und Vangionen. Nach den Eroberungszügen Gaius Julius Caesars gehörte der größte – der linksrheinische – Teil des heutigen Rheinland-Pfalz fast fünf Jahrhunderte lang zum Römischen Reich: Der Norden und der Osten mit der seit 44 n. Chr. belegten Grenzstadt Mogontiacum (Mainz) sowie die Pfalz im Süden zählten zur Provinz Germania Superior (Obergermanien), der Westen mit Augusta Treverorum (Trier) zu Gallia Belgica. An Rhein und Limes, den Grenzen zum nichtrömischen Germanien, wurden Grenzposten angelegt, die sich später zu Handelsorten und Städten entwickelten, wie etwa Noviomagus (Speyer), Borbetomagus (Worms), Bingen, Boppard und Koblenz. In Antunnacum (Andernach) entstand ein Flottenstützpunkt. Das um 16 v. Chr. von Augustus gegründete Trier wurde unter Konstantin dem Großen (306-337) zur römischen Kaiserresidenz ausgebaut und zählte bis 395 zu den Hauptstädten des Römischen Reiches; Trier war die größte Stadt nördlich der Alpen. Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. wurde im Rheingau, an Mosel, Saar und Ruwer Wein angebaut. Seit Mitte des 3. Jahrhunderts breitete sich das Christentum im Mosel- und Rheinland aus; Trier wurde der erste Bischofssitz der Region, das Bistum Mainz ist seit 346 belegt, und ins 4. Jahrhundert reichen wohl auch die Anfänge der Bistümer Speyer und Worms zurück. Auf die Invasion der Wandalen, Alanen und Sweben während der Völkerwanderung um 406/407 folgten etwa 410 die Burgunder, die um Worms eine eigene Herrschaft errichteten, bis sie um 436 von den Hunnen vernichtend geschlagen wurden (siehe Nibelungenlied). Um 475 beendeten die Alemannen und Rheinfranken die weströmische Herrschaft in diesem Gebiet. Seit dem Sieg Chlodwigs I. 506 über die Alemannen Teil des Frankenreiches und seit den Reichsteilungen der Karolinger im 9. Jahrhundert Teil des Ostfränkischen Reiches, das spätere Heilige Römische Reich, rückte das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz nach der Eingliederung Lothringens 925 in das Ostfränkische Reich, durch die sich dessen Grenze nach Westen vorschob, in seine charakteristische Mittellage einer Kernlandschaft deutschen Königtums. Mit Pfalzen und Reichsgütern wie Remagen, Andernach, Koblenz, Bingen, Ingelheim, Oppenheim, Worms und Kaiserslautern reich ausgestattet, hatte die Region als wichtigste Krongutlandschaft bis ins 13. Jahrhundert entscheidende wirtschaftliche, politische und militärische Bedeutung. So waren die Städte Trier, Worms, Speyer und besonders Mainz Schauplätze reichspolitischer Ereignisse wie zahlreicher Hof- und Reichstage der Salier und Staufer.
Das dreigeteilte Landeswappen mit dem Trierer Kreuz, dem Mainzer Rad und dem kurpfälzischen Löwen spiegelt die territoriale Entwicklung des Gebiets wider, das seit dem 13. Jahrhundert großenteils drei mächtigen rheinischen Kurfürstentümern gehörte: den Kurerzbistümern Trier und Mainz sowie der (Kur-)Pfalz.
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