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Rheinland-Pfalz

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Artikelgliederung
7.2. 1

Der rheinische Raum

Das Territorium des Kurerzbistums Trier entsprach im Wesentlichen dem heutigen Rheinland und blieb vom 14. Jahrhundert bis 1801 ohne größere Veränderungen.

Der Erzbischof von Mainz, Herrscher über die größte Kirchenprovinz nördlich der Alpen, erhielt 965 die Erzkanzlerwürde des Reichs und wurde damit der hochrangigste Reichsfürst nach dem Kaiser. Reichspolitische Bedeutung hatten seit dem 10. Jahrhundert auch die Hochstifte Worms und Speyer, deren Bischöfe bis ins späte Mittelalter als Kanzler und Gesandte im Reichsdienst standen.

Im Interregnum (1254-1273) gewannen die rheinischen Reichsstädte an Bedeutung, die sich unter der Führung von Mainz, der wichtigsten deutschen Stadt im hohen Mittelalter, und Worms mit anderen Städten zur Wahrung des Landfriedens 1254 im Rheinischen Städtebund zusammenschlossen. Anteil an der vielfältigen politischen Gliederung des Landes vom Mittelalter bis zur Neuzeit hatte auch die rheinische Ritterschaft, die ihre Unabhängigkeit vom landesfürstlichen Regiment großenteils bis zum Ende des alten Reiches 1806 bewahren konnte.

Gefördert von den geistlichen Fürsten, fassten die großen geistigen Strömungen Europas, Humanismus und Renaissance, auch im rheinischen Raum Fuß. In Trier und Mainz entstanden 1473 und 1477 Universitäten, und der Wormser Bischof Johannes von Dalberg (1482-1503) umgab sich mit Gelehrten wie Konrad Celtis, Johannes Reuchlin, Willibald Pirckheimer, Jakob Wimpfeling. In Mainz stieß Johannes Gutenberg mit der Erfindung der Buchdruckerkunst eine kulturgeschichtliche Revolution an, ohne die die tief greifende Wirkung Martin Luthers kaum vorstellbar ist. Albrecht von Brandenburg, u. a. Erzbischof von Mainz, lieferte mit seiner Ablasspraxis den Auslöser für die Reformation.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) sowie im Pfälzischen (1688-1697) und im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) als Durchmarschgebiet und Kriegsschauplatz belastet, erfuhr der rheinische Raum erst infolge der Französischen Revolution (1789) einen tief greifenden Wandel.

7.2. 2

Die Pfalz

Die Pfalz entwickelte sich aus der Pfalzgrafschaft Lothringen, die im Laufe des 11./12. Jahrhunderts ihren Machtbereich in den Eifel-, Mosel- und Neckarraum verlagerte. 1214 wurde die „Pfalzgrafschaft bei Rhein” von Kaiser Friedrich II. den Wittelsbachern verliehen. Der protestantische Kurfürst Friedrich V., der „Winterkönig von Böhmen”, verlor die Pfalz nach seiner Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg 1620 zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges an die katholischen bayerischen Wittelsbacher; sein Sohn Karl Ludwig erhielt im Westfälischen Frieden die Pfalz zurück. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg suchte König Ludwig XIV. von Frankreich den (vermeintlichen) Anspruch seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz auf die Kurpfalz durchzusetzen. Unter Karl Philipp wurde 1724 die Hausunion der pfälzischen und bayerischen Wittelsbacher beschlossen. Nach dem Aussterben der bayerischen Linie wurde die Pfalz unter Karl Theodor 1777 mit Bayern vereinigt. Als Nebenland der Wittelsbacher verlor die Pfalz an Bedeutung; 1778 verlegte Karl Theodor seine Residenz von Mannheim nach München.

7.3

Von der Französischen Revolution bis zur Weimarer Republik

Nach der Französischen Revolution besetzte Frankreich im ersten Koalitionskrieg 1792/1793 auch den rheinland-pfälzischen Raum; 1793 konstituierte sich hier die kurzlebige Mainzer Republik. Der Wiener Kongress schlug 1815 die linksrheinische Pfalz (seit 1838 Rheinpfalz genannt) zum Königreich Bayern, den ehemaligen Trierer Kurstaat als Rheinprovinz zu Preußen, das Mainzer Territorium als „Provinz Rheinhessen” zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt und den Westerwald sowie das Rhein-Lahn-Gebiet zum Herzogtum Nassau.

1832 war die bayerische Pfalz Schauplatz des Hambacher Festes, der wichtigsten Demonstration der liberalen, bürgerlichen deutschen Freiheits- und Einheitsbewegung in der Zeit des Vormärz, zu der trotz Demagogenverfolgung etwa 30 000 Menschen nicht nur aus Deutschland kamen. In Mainz, einem demokratischen Zentrum, entstanden während der Märzrevolution 1848 Vorläufer späterer politischer Parteien, wie z. B. Arbeiterbildungsvereine.

Auf die Auflösung der Frankfurter Nationalversammlung folgte 1849 der Pfälzer Aufstand zur Sezession von Bayern, der von Reichstruppen niedergeschlagen wurde. In der Folgezeit geriet das Gebiet am Rhein und in der Pfalz politisch und wirtschaftlich ins Abseits, wurde 1871 Teil des Deutschen Reiches und als agrarisch geprägtes Land erst spät von der Industrialisierung erfasst. Zu industriellen Zentren entwickelten sich insbesondere Ludwigshafen mit Chemieindustrie (1865 Gründung der BASF), Kaiserslautern, Frankenthal sowie Mainz mit Maschinenbau und Worms mit Lederindustrie; parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung nahm die Sozialdemokratie ihren Aufstieg.

7.4

Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Als Ergebnis des Versailler Vertrags kam das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz unter französische Besetzung, die 1929/1930 endete. Die Besetzung isolierte Rheinland-Pfalz handels- und verkehrsmäßig vom Reich, was die wirtschaftliche Lage verschlechterte und zu Arbeitslosigkeit und Währungsverfall beitrug. Die NSDAP erhielt – auch durch antifranzösische und antiseparatistische Propaganda – großen Zulauf, insbesondere nach der Weltwirtschaftskrise 1929, und gewann bis zur Machtübernahme 1933 außer in den sozialdemokratischen Hochburgen wie Frankenthal, Ludwigshafen und Mainz sowie im vom Zentrum dominierten Speyer die Wählermehrheit.

Der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 folgte die Gleichschaltung des Gebiets, das nach der neuen Verwaltungsgliederung auf verschiedene Gaue aufgeteilt wurde: Rheinhessen kam zum Gau Hessen-Nassau unter Gauleiter Jakob Sprenger, die Regierungsbezirke Koblenz und Trier zum Gau Moselland unter Gustav Simon, die Pfalz bestand zunächst als Rheinpfalz, kam dann zum Gau Saar-Pfalz und später zum Gau Westmark unter Josef Bürckel. Gegner der NSDAP, besonders Kommunisten, Sozialdemokraten und Mitglieder des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, wurden unmittelbar nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 in zügig eingerichteten, „wilden” Konzentrationslagern wie Osthofen bei Worms inhaftiert.

1936 ließ Hitler gegen den Versailler Vertrag und den Locarnopakt Wehrmachtseinheiten in das entmilitarisierte linksrheinische Gebiet einmarschieren und den Bau des Westwalls beginnen. Die Aufrüstung ab 1935 senkte die Zahl der Arbeitslosen. Im 2. Weltkrieg war das Gebiet ein Hauptkriegsschauplatz, Industriereviere und zahlreiche Städte – darunter Mainz, Trier, Koblenz – wurden zerstört.

7.5

Rheinland-Pfalz seit dem 2. Weltkrieg

Nach Kriegsende gehörte das Gebiet zur französischen Besatzungszone. Mit Verordnung vom 30. August 1946 bildete die französische Militärregierung aus der Rheinpfalz, dem linksrheinischen Teil von Hessen-Darmstadt und Teilen der preußischen Rheinprovinz und der preußischen Provinz Hessen-Nassau das Land Rheinland-Pfalz.

Im Mai 1947 wurde die von der ersten CDU-Regierung ausgearbeitete Verfassung angenommen. Bis 1991 stellte die CDU die Regierung unter den Ministerpräsidenten Wilhelm Boden (1946-1947), Peter Altmeier (1947-1969), Helmut Kohl (1969-1976), Bernhard Vogel (1976-1988) und Carl-Ludwig Wagner (1988-1991); lange Jahre (1955-1963, 1971-1987) konnte sie sich dabei auf eine absolute Mehrheit der Mandate im Landtag stützen. 1991 errang die SPD die Stimmenmehrheit und regierte zunächst drei Legislaturperioden lang in einer Koalition mit der FDP, bis sie nach dem Gewinn der absoluten Mehrheit 2006 die Regierungsgeschäfte alleine übernahm. Als Ministerpräsidenten stellte sie zunächst Rudolf Scharping (1991-1994), seit 1994 führt Kurt Beck die Regierung.

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