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Berlin

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Artikelgliederung
4.2

Kultur

Neben ihren Museen bietet die Stadt Kultureinrichtungen wie die Deutsche Oper Berlin, die Deutsche Staatsoper und zahlreiche Theater, darunter das Deutsche Theater, Schlosspark- und Hebbeltheater. Das Theater am Schiffbauerdamm, in dem das Berliner Ensemble untergebracht ist, ist besonders durch seine Aufführungen von Stücken Bertolt Brechts bekannt, der das Ensemble gründete. Die Stadt ist außerdem Sitz der Deutschen Akademie für Film und Fernsehen (1966) und einer Kunsthochschule (1975). Kulturelle Veranstaltungen wie die Internationalen Filmfestspiele und das Berliner Jazzfest genießen international hohes Ansehen. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) mit Sitz in Berlin und Potsdam ist die größte regionale Sendeanstalt. Sie ging 2003 aus der Fusion von Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg (ORB) hervor.

4.3

Sehenswürdigkeiten

Das wieder zugängliche Brandenburger Tor (1788-1791), das den Propyläen auf der Akropolis in Athen nachempfunden ist, wird von einer Quadriga mit der Siegesgöttin gekrönt. Es ist der westliche Endpunkt der Straße Unter den Linden, die sich bis zur Museumsinsel in der Spree zieht. Bis Dezember 1989 verlief hier die Grenze zwischen Ost- und Westberlin. In diesem Bereich liegen die Deutsche Staatsoper, die 1743 im Rokokostil erbaut wurde, die Staatsbibliothek (1774-1780), die 1997 in einem Gebäude von 1920 eingerichtete Kunstgalerie Deutsches Guggenheim Berlin, das barocke ehemalige Zeughaus (1695-1706, entworfen von Andreas Schlüter) und die Hedwigs-Kathedrale (1747-1773), die Hauptkirche des katholischen Bistums Berlin. Der Französische Dom am Platz der Akademie war im 17. Jahrhundert Mittelpunkt des Französischen Viertels. Die Humboldt-Universität (1809), an der bedeutende Wissenschaftler wie Fichte, Hegel, Humboldt und Mommsen lehrten, brachte 27 Nobelpreisträger hervor.

Berlins beliebteste Einkaufspromenade ist der Kurfürstendamm (kurz: Ku’damm) mit seinen noblen Hotels, Restaurants, Geschäften und Kinos. Hier befindet sich mit dem KaDeWe (Kaufhaus des Westens) der größte und bekannteste Kaufhaus-Komplex der Bundesrepublik. Das östliche Ende des Boulevards markiert die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (1891-1895), die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Ihre Turmruine blieb als Mahnmal erhalten. Daneben errichtete Egon Eiermann einen neuen Kirchenbau auf achteckigem Grundriss mit einem sechseckigen frei stehenden Kirchturm (1957-1963). Vom Kurfürstendamm zweigt die Tauentzienstraße ab, eine Haupteinkaufsstraße, an der das Europa-Center liegt (1963-1965). In diesem 22-stöckigen Gebäude gibt es zahlreiche Restaurants, Geschäfte, Büros, Kinos und eine Aussichtsplattform. Nordöstlich davon erstreckt sich das Gelände des Tiergartens, der größten der 50 Berliner Parkanlagen, über drei Kilometer bis zum Brandenburger Tor. Im Bezirk Tiergarten befinden sich die Kongresshalle (1957) und das Reichstagsgebäude (1884-1894), das 1933 durch einen Brand stark beschädigt (siehe Reichstagsbrand) und kurz vor Ende des 2. Weltkrieges erneut schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach dem Beschluss, den Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen, wurde der Reichstag in den neunziger Jahren umfassend restauriert und von Norman Foster neu gestaltet; seit 1999 ist das Gebäude Sitz des Deutschen Bundestages. Der Zoologische Garten von Berlin ist einer der größten und ältesten der Welt. In gewissem Sinn ebenfalls eine Touristenattraktion sind die einzigartigen Doppeldeckerbusse, die das weit verzweigte U- und S-Bahnnetz ergänzen und als Ersatz für die im Westteil der Stadt abgeschaffte Straßenbahn fungieren.

Berlin besitzt eine Reihe bedeutender Museen, darunter die Museen der Museumsinsel, das Museum für Gestaltung, das Bauhaus-Archiv in einem von Walter Gropius entworfenen Bau, die von Mies van der Rohe gebaute Neue Nationalgalerie (1968) sowie zahlreiche kleinere Museen. Das von Hans Scharoun entworfene asymmetrische Gebäude der Philharmonie (1963) ist Heimat der Berliner Philharmoniker. Die 1998 eröffnete Gemäldegalerie, wie die Philharmonie am Kulturforum in der Nähe des Potsdamer Platzes, stellt rund 2 700 Gemälde vom Mittelalter bis etwa 1800 aus. 1999 wurde in Kreuzberg das Jüdische Museum eröffnet, in dem eine ständige Ausstellung zur jüdisch-deutschen Geschichte untergebracht ist. Das von dem amerikanischen Architekten Daniel Libeskind entworfene Gebäude ist einem geborstenen Davidstern nachempfunden. Die 1975 gegründete Berlinische Galerie präsentiert Berliner Kunst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. 2005 wurde das Holocaust-Mahnmal eröffnet, ein mit 2 711 Betonstelen bestücktes Gedenkfeld nahe dem Brandenburger Tor, das auch ein unterirdisches Ausstellungsareal umfasst.

Die Oranienburger Straße im Bezirk Berlin-Mitte war in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg der Mittelpunkt des jüdischen Viertels. Zu dessen Wiederaufbau gehörte u. a. die Restaurierung der Neuen Synagoge (1866), die während der Reichskristallnacht und durch Bombenangriffe stark beschädigt wurde. Sie wurde 1995 wieder eröffnet und dient als Zentrum für das Studium und die Erhaltung jüdischer Kultur. Nördlich der Oranienburger Straße liegt der älteste jüdische Friedhof Berlins.

Die Museumsinsel in Berlin-Mitte, als einzigartiges klassizistisches Bauensemble im Geist antiker Tempelanlagen entworfen, beherbergt fünf Museen, die in den Jahren 1830 bis 1930 eröffnet wurden: das von Karl Friedrich Schinkel gebaute Alte Museum (eröffnet 1830), das Neue Museum von Friedrich August Stüler (1859), die Alte Nationalgalerie (1876), das nach mehrjährigen Renovierungsarbeiten 2006 wiedereröffnete Bode-Museum (1904) und das Pergamonmuseum, das den berühmten Pergamonaltar und eine Sammlung griechisch-römischer und asiatischer Kunst beherbergt. Die Museumsinsel wurde 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Jenseits des östlichen der beiden Spreearme, welche die Museumsinsel umschließen, liegt der Alexanderplatz mit zahlreichen Restaurants und Geschäften, nicht weit davon der Fernsehturm (365 Meter) und das Rote Rathaus. Eine Statue, deren Blick auf den Eingang des Rathauses gerichtet ist, soll an die Tausenden von Trümmerfrauen erinnern, welche die Trümmer Berlins nach dem 2. Weltkrieg beseitigten. Im Ostteil der Stadt sind besonders die alten Stadtteile Prenzlauer Berg und die Einkaufsmeile Schönhauser Allee sehenswert. Die Trabantenstadt Marzahn hingegen ist ein aus anderen Gründen sehenswertes, weil abschreckendes Baurelikt alter DDR-Zeiten. Im Stadtteil Lichtenberg wurde auf dem Gelände des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR das Stasi-Museum eingerichtet.

Fast ein Drittel der Fläche Berlins besteht aus Wäldern, Parks und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Im Südwesten der Stadt liegen der riesige Grunewald und der Wannsee. Am Südostufer des Grunewaldsees bildet das im Renaissancestil erbaute Jagdschloss Grunewald (1542, 1593 erweitert und um 1770 ausgebaut) den stimmungsvollen Rahmen für eine erlesene Gemäldesammlung (15. bis 19. Jahrhundert). Die Schlösser in Glienicke und auf der Pfaueninsel in der Havel wurden mit ihren Parkanlagen von der UNESCO 1990 zum Weltkulturerbe erklärt.

Im Stadtteil Charlottenburg wurde das Olympiastadion für die unter dem Vorzeichen nationalsozialistischer Propaganda stehenden Spiele von 1936 errichtet, ebenso der 138 Meter hohe Funkturm, der bereits 1924 bis 1926 anlässlich der 3. Deutschen Funkausstellung entstand und schnell zu einem der Wahrzeichen der Stadt avancierte. Weitere Sehenswürdigkeiten sind Schloss Charlottenburg (begonnen 1695), ein barocker Repräsentationsbau der Hohenzollern mit bedeutender Gemäldesammlung, oder das klassizistische Schloss Tegel (auch Humboldt-Schlösschen), ehemals Wohnsitz des Naturforschers und Geographen Alexander von Humboldt (1769-1859).

Auch in Dahlem östlich des Grunewaldes konzentrieren sich einige herausragende Museen, darunter das Kupferstichkabinett, die Skulpturengalerie, das Museum für Völkerkunde sowie Museen für indische, islamische und ostasiatische Kunst. In Zehlendorf bietet das Brücke-Museum einen Einblick in das Schaffen der expressionistischen Künstlervereinigung Die Brücke, der Maler wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller u. a. angehörten. Im Charlottenburger Antikenmuseum sind Kunstgegenstände der griechischen und römischen Antike ausgestellt und im Bröhan-Museum Kunst der Jahrhundertwende.

5

Geschichte

Berlin ist seit 1990 Bundesland.

5.1

Von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter

Etwa 50 000 Jahre alte Feuersteinwerkzeuge sind die ältesten menschlichen Spuren im Berliner Gebiet. Im 4./3. Jahrtausend v. Chr. errichteten hier Menschen der Trichterbecherkultur dauerhafte Siedlungen.

Bis zur Völkerwanderungszeit siedelten Germanen im Berliner Raum, seit ungefähr 600 n. Chr. Slawen, die in Spandau und Köpenick Burgen errichteten. Diese zählten bis ins 12. Jahrhundert zu den Stammesmittelpunkten der Slawen.

5.2

Berlin im Mittelalter

Der Askanier Albrecht der Bär, seit 1157 Markgraf von Brandenburg, beendete die slawische Herrschaft auch im Berliner Raum. Von Albrecht und seinen Nachfolgern ins Land gerufene deutsche Siedler, insbesondere Kaufleute und Handwerker, errichteten an einem Übergang über die Spree verkehrsgünstig die Orte Cölln und Berlin, die bald zur Doppelstadt zusammenwuchsen. Die erste urkundliche Erwähnung Cöllns vom 28. Oktober 1237 gilt gleichzeitig als Geburtsstunde Berlins, welches Cölln an Größe und Einwohnerzahl rasch überholte. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts erblühte Berlin-Cölln zum bedeutenden Handelsplatz mit Magdeburger Stadtrecht, wobei Berlin durch Privilegien wie Zollfreiheit und Niederlage- und Stapelrecht von den Brandenburger Markgrafen besonders gefördert wurde. Neben dem Fernhandel prägten Handwerk und Gewerbe wie Textilwesen, Lebensmittelgewerbe, und Brauereiwesen die Wirtschaft der Doppelstadt, die beginnend mit Wedding 1289 im 14. Jahrhundert weitere Dörfer, darunter 1319 Rosenfelde, 1358 Stralau, 1370/75 Pankow und 1391 Lichtenberg, erwarb. Ab 1345 diente Berlin als Versammlungsort der märkischen Stände.

Seit 1321 an der Spitze des Märkischen Städtebundes, erlangte Berlin-Cölln bis 1400 weitgehende Autonomie gegenüber der brandenburgischen Landesherrschaft der Wittelsbacher, die 1320 die Askanier abgelöst hatten, sowie der Luxemburger, die 1373 den Wittelsbachern nachgefolgt waren. Diese Autonomie konnte Berlin-Cölln gegenüber den seit 1411 regierenden Hohenzollern nicht behaupten, obwohl Berlin und Cölln sich 1432 unter einem gemeinsamen Stadtrat vereinten. Kurfürst Friedrich II., dem Eisernen (1440-1470), gelang es 1442, die landesherrliche Gewalt gegen das Berliner Patriziat durchzusetzen, indem er für Berlin und Cölln wieder je einen eigenen Stadtrat einsetzen ließ und das Recht der Städte und ihrer Bürgerschaft auf Selbständigkeit aufhob. Die Berliner und Cöllner Bürgerschaft konnte den Verlust der Stadtfreiheit, des Rechts auf kommunale Selbstverwaltung und ihrer Privilegien wie Zoll- und Steuervergünstigungen auch durch einen Aufruhr („Berliner Unwille”) 1448 nicht ungeschehen machen. Der Verlust der Handelsprivilegien, aber auch der Aufstieg konkurrierender Handelsstädte wie Frankfurt/Oder und Leipzig ließen die wirtschaftliche Entwicklung Berlins zunächst stagnieren.

Ab 1451 war Berlin Residenzstadt der Brandenburger Kurfürsten, der bis 1918 herrschenden Hohenzollern.

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