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Berlin

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Artikelgliederung
5.3

Berlin in der frühen Neuzeit

Seit Kurfürst Joachim I. Nestor (1499-1535) belebte die Residenz mit ihrem steigenden Repräsentationsbedürfnis die Wirtschaft. Kurfürst Joachim II. Hektor (1535-1571) führte 1539 die Reformation ein. Berlin entwickelte sich im Lauf des 17. Jahrhunderts zu einem Zentrum des Protestantismus, das auch viele verfolgte Calvinisten aufnahm.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Berlin-Cölln erheblich beschädigt. Hungersnot, Pest, Brandstiftungen, Plünderungen und Kontributionen an schwedische und kaiserliche Truppen führten zur Verarmung der Stadt; die Einwohnerzahl sank infolge des Krieges auf 6 000, während sie um 1600 noch das Doppelte betragen hatte.

5.4

Hauptstadt von Preußen

Nach dem Dreißigjährigen Krieg sorgte Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst (1640-1688), mit einer klugen Wirtschafts-, Steuer-, Bau- und Bevölkerungspolitik für einen schnellen Aufschwung Berlins. Mit dem Edikt von Potsdam (1685) förderte er die Einwanderung hugenottischer Flüchtlinge aus Frankreich, von denen sich etwa 6 000 in Berlin niederließen. Neue Stadtteile entstanden, wie Friedrichswerder, Dorotheenstadt, Friedrichstadt und Charlottenburg. Friedrich I. (1701-1713) der erste König in Preußen, schloss 1709 Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur Residenzstadt Berlin zusammen und ließ sie als Hauptstadt des neuen Königreichs Preußen mit Prachtbauten ausschmücken. Bis 1713 stieg die Einwohnerzahl auf 60 000.

Im 18. Jahrhundert setzte sich der Aufschwung Berlins fort. König Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) und sein Nachfolger Friedrich II., der Große (1740-1786), förderten im Zeichen des Merkantilismus die Gründung von Manufakturen und den Zuzug von Gewerbetreibenden. Berlin entwickelte sich zu einem bedeutenden Standort der Leder-, Textil-, Papier- und Porzellanindustrie. 1786 betrug die Einwohnerzahl 150 000.

Die französische Besetzung während der Napoleonischen Kriege 1806 bis 1808 bedeutete für die Berliner Wirtschaft einen Rückschlag, gab jedoch auch Impulse: Im Zuge der Preußischen Reformen wurde 1809 eine neue Städteordnung umgesetzt, die den Beginn einer modernen städtischen Selbstverwaltung markierte, und die Einführung der Gewerbefreiheit 1810/11 führte schließlich zur Erholung des Berliner Wirtschaftslebens.

In der dem Wiener Kongress von 1815 folgenden Restauration entwickelte sich Berlin um die 1810 gegründete, bald weltberühmte Friedrich-Wilhelms-Universität, die heutige Humboldt-Universität (siehe Universitäten in Berlin), zu einem Kulturzentrum. Kehrseite der wirtschaftlich-kulturellen Blüte im Gefolge der industriellen Revolution war die Verelendung des Industrieproletariats (siehe soziale Frage) auch in Berlin. Parallel zur Entstehung großer Fabriken, z. B. Borsig 1837, verdoppelte sich die Bevölkerung von 1815 bis 1845 auf 400 000 Einwohner. Während der Märzrevolution 1848 kam es auch in Berlin zu Straßenkämpfen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts partizipierte Berlin am politischen und wirtschaftlichen Aufstieg Preußens und zählte 1870 bereits 800 000 Einwohner.

5.5

Europäische Metropole

1871 wurde Berlin Hauptstadt des neu gegründeten Deutschen Reiches. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte es sich als Mittelpunkt eines großen Eisenbahnnetzes zu einem wichtigen Industriezentrum, vor allem im Maschinenbau, in der Elektro- und der Textilindustrie. Gleichzeitig stieg Berlin zur internationalen Kulturmetropole auf. Infolge des Wirtschaftsbooms der Gründerzeit wuchs die Einwohnerzahl auf zwei Millionen im Jahr 1905.

Die zahlreich zugewanderten Arbeitskräfte wurden in den nach dem so genannten Hobrechtplan von 1862 hochgezogenen Mietskasernen u. a. im Wedding, in Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Friedrichshain untergebracht. Die wirtschaftliche Lage der Industriearbeiterschaft und ihr hoher Bevölkerungsanteil machten Berlin seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Hochburg der deutschen Arbeiterbewegung.

5.6

Berlin in der Weimarer Republik

Nach dem 1. Weltkrieg war Berlin Mittelpunkt der Novemberrevolution: Am 9. November 1918 proklamierte Philipp Scheidemann (SPD) hier die Deutsche Republik, die sich 1919 als die so genannte Weimarer Republik konstituierte. Das Groß-Berlin-Gesetz von 1920 machte Berlin durch Eingemeindungen umliegender Ortschaften, darunter auch Spandau und Köpenick, zur zweitgrößten Stadt Europas mit nun etwa vier Millionen Einwohnern.

In Berlin kulminierten die politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der jungen Republik: der Spartakusaufstand (siehe Spartakusbund) und die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts im Januar 1919, der Kapp-Putsch im März 1920, das Attentat auf Walter Rathenau im Juni 1922, die Hyperinflation 1923 sowie Demonstrationen und Streiks wie der Berliner Verkehrsarbeiterstreik 1932.

Von 1924 bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 galt das Berliner kulturelle und wissenschaftliche Leben – dank seiner Vielfalt auf Weltstadtniveau – als Inbegriff der „Goldenen Zwanziger”.

Seit 1928 gewann auch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) Zulauf, ohne aber im traditionell roten Berlin bis 1933 maßgeblich Macht zu erringen. Die auf die Weltwirtschaftskrise folgenden Jahre der Arbeitslosigkeit und Geldnot brachten blutige Straßenkämpfe, insbesondere zwischen SA und Rotem Frontkämpferbund, dem Kampfverband der KPD.

5.7

Reichshauptstadt im „Dritten Reich”

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Die darauf folgenden Notverordnungen, die so genannte Reichstagsbrandverordnung und das Ermächtigungsgesetz, boten dem NS-Regime eine scheinlegale Grundlage zur Verfolgung politischer Gegner, zur Gleichschaltung des ganzen Landes, auch der Hauptstadt Berlin, und zur Errichtung einer Diktatur. Während des Dritten Reiches war Berlin das Zentrum der Diktatur, aber auch ein Schwerpunkt des Widerstandes gegen das Regime.

1936 fanden in Berlin die XI. Olympischen Sommerspiele statt, für die u. a. das Olympiastadion gebaut wurde. Weitere gigantische Bauprojekte Hitlers und des „Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt” Albert Speer sollten Berlin zur Welthauptstadt „Germania” machen, wurden aber nur in Ansätzen verwirklicht. Am 20. Januar 1942 beschloss die Wannseekonferenz die „Endlösung der Judenfrage”.

Im 2. Weltkrieg wurden große Teile Berlins zerstört, seine Einwohnerzahl sank auf 2,8 Millionen. Am 3. Mai 1945 kapitulierte Berlin vor der sowjetischen Roten Armee.

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