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SpracheEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Forschungsansätze; Tierische und menschliche Kommunikation; Grundlagen der Sprache; Die Sprachen der Welt; Sprachentstehung, Sprachentwicklung und Sprachwandel
Obwohl sich die meisten der menschlichen Sprechwerkzeuge zu anderen Zwecken (wie etwa Essen) entwickelt haben, sind sie doch so gut zum Sprechen geeignet, dass die menschliche Sprache das wahrscheinlich effektivste Kommunikationssystem aller Lebewesen ist. Beim Sprechen wird in der Lunge ein Luftstrom erzeugt, der durch Vibrationen (oder das Fehlen von Vibrationen) der Stimmbänder und durch Bewegungen der Zunge, des weichen Gaumens und der Lippen moduliert wird. Der Luftstrom kann durch die Zähne in verschiedenen Abstufungen gehemmt, und er kann in den Nasenraum umgeleitet oder daraus abgehalten werden. Menschen mit physiologisch bedingten Sprach- und Hörstörungen verfügen trotzdem über Sprache, obwohl Erzeugung und Aufnahme der Sprache möglicherweise über ein visuelles System, wie sie Gebärdensprache darstellt, erfolgen müssen.
Alle menschlichen Sprachen besitzen eine grammatische Struktur, durch die Lauteinheiten (Signaleinheiten) zu Bedeutungseinheiten verbunden werden. Die kleinsten bedeutungstragenden Lautverbindungen nennt man Morpheme. Ein Morphem kann ein Wort sein, aber auch eine andere bedeutungstragende Lautverbindung (wie Präfixe und Suffixe), die kein eigenständiges Wort ist. Im Wort Anschrift sind z. B. sowohl An als auch schrift Morpheme. Wörter und Morpheme können je nach ihrer Funktion im Satz gemeinsam klassifiziert werden. Zu den Morphemklassen gehören sowohl die Wortarten (wie Substantive und Verben) als auch Präfixe, Suffixe usw. Aus den verschiedenen Wortarten werden Wortgruppen gebildet und die wieder zu größeren Einheiten verbunden – den Sätzen oder Äußerungen.
Schließlich muss der Sprecher einer menschlichen Sprache den strukturierten Lautfolgen eine Bedeutung zuordnen. Dieser Bedeutungsgehalt wird von anderen Sprechern der gleichen Sprache erfasst und verstanden. Man nimmt an, dass bei dem Verfahren, Bedeutung mit Lauten, Wörtern und Sätzen mitzuteilen und die von anderen vermittelte Bedeutung auf die gleiche Weise zu erkennen, die Grammatik als ein Werkzeug dient, um Gedanken oder Vorstellungen mit der Sprache oder mit Signalen zu verbinden. Alle bedeutungstragenden Sätze oder Äußerungen besitzen eine Oberflächen- und eine Tiefenstruktur. Die Oberflächenstruktur bildet die Wörter und Satzelemente, so wie sie gesprochen und ausgelegt werden. Die Tiefenstruktur bildet die grammatische Struktur der Wörter und Satzelemente. Auf dieser Ebene der Tiefenstruktur scheint die Satzstruktur mehrdeutig zu sein. Zwei verschiedene Oberflächenstrukturen können der gleichen Bedeutung zugeordnet werden, und umgekehrt kann die Oberflächenstruktur eines Satzes zwei verschiedene Bedeutungen haben. Die Oberflächenstruktur des Ausdrucks „Die Wahl des Präsidenten war eindeutig” kann sowohl heißen, dass der Präsident eine Wahl getroffen hat, als auch, dass er gewählt wurde. Die Aussage kann unterschiedlich ausgelegt werden, weil hinter der gleichen Oberflächenstruktur zwei verschiedene Tiefenstrukturen stehen. Andererseits sind die Aussagen „das grüne Fahrrad” und „das Fahrrad ist grün” trotz der unterschiedlichen Oberflächenstrukturen auf der Ebene der Tiefenstruktur gleich. Die menschliche Kommunikation ist ein einzigartiger Vorgang, der spezifische Sprechwerkzeuge, grammatische Strukturen sowie einen beabsichtigten und verstandenen Bedeutungsgehalt miteinander verbindet.
Die Art der Kommunikation durch Sprechen, Gebärden und Signale ist für alle Menschen gleich. Mit jeder menschlichen Sprache kann jeder Gedanke ausgedrückt werden. Trotzdem werden in der Welt zahlreiche Sprachen gesprochen, die sich im Lautsystem und in der grammatischen Struktur sehr weit reichend unterscheiden.
Sprachen lassen sich anhand ihrer grammatischen Struktur bzw. ihrer Wortbildungsmuster klassifizieren. Seit dem 19. Jahrhundert versuchen Sprachwissenschaftler, die Sprachen der Welt anhand ihrer Wortbildung (Morphologie) in vier typologische Kategorien einzuteilen: analytische (isolierende), agglutinierende, flektierende und inkorporierende Sprachen. Charakteristisch für analytische Sprachen sind einsilbige Wörter ohne Affixe (hinzugefügte Teile). Die Wörter stehen isoliert für sich. Beispiel für eine analytische Sprache ist das Chinesische. Bei agglutinierenden (vom lateinischen „ankleben” abgeleitet) Sprachen sind Wörter aus Grundelementen, den Wortwurzeln, aufgebaut, die mit einem oder mehreren Affixen (Präfixen am Wortanfang, Infixen in der Wortmitte und Suffixen am Wortende) mit unterschiedlicher Bedeutung versehen werden. Ein Beispiel dafür findet sich im Türkischen mit ev („Haus”), evde („im Haus”), evler („Häuser”) und evlerde („in den Häusern”). Bei den flektierenden Sprachen sind die Wortwurzeln und die hinzugefügten Teile, die allein keine Bedeutung mehr tragen, miteinander verschmolzen. In einer flektierenden Sprache wie beispielsweise dem Lateinischen drückt die Flexionsendung des Verbs verschiedene grammatische Kategorien wie Person und Numerus des Subjekts aus, wie bei fero („ich trage”), ferimus („wir tragen”) und ferent („sie tragen”) (siehe Flexion). Bei inkorporierenden (polysynthetischen) Sprachen werden direkte und indirekte Objekte sowie andere Satzelemente mit dem Verb zu einem einzigen Wort verschmolzen (z. B. Grönländisch, Irokesisch).
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