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SpracheEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Forschungsansätze; Tierische und menschliche Kommunikation; Grundlagen der Sprache; Die Sprachen der Welt; Sprachentstehung, Sprachentwicklung und Sprachwandel
Auch wenn zwei Sprachen auf die gleiche Weise Wörter bilden und Satzelemente strukturieren, bedeutet dies noch nicht, dass sie miteinander verwandt sind. Um den Beweis für die Verwandtschaft von Sprachen zu führen, müssen ihre historische Entwicklung und ihre genetische Klassifikation untersucht werden. Bei der genetischen Klassifikation werden anders als bei der typologischen die Laut- und Bedeutungsstrukturen von Sprachen miteinander verglichen, um ihre gemeinsame Abstammung aufzuzeigen. Vergleichbar der Familienähnlichkeit beim Menschen, hängen genetische Ähnlichkeiten verwandter Sprachen nicht davon ab, wo und wann diese Sprachen gesprochen wurden. Die Sprachen in einer Sprachfamilie stehen geschichtlich miteinander in Verbindung und stammen von einer gemeinsamen Vorgängersprache ab. Sprachstammbäume zeigen das Verwandtschaftsverhältnis unter Sprachen auf. Die älteste noch nachweisbare Vorgängersprache bildet in einer graphischen Darstellung auf oberster Ebene die Wurzel der Baumstruktur. Die darunter liegenden Zweige zeigen auf, wie nah oder entfernt verwandt die heute noch existierenden Sprachen einer Sprachfamilie sind. Sprachverwandtschaft zeigt sich darin, dass sich sowohl im Lautbestand als auch im Bedeutungsgehalt regelmäßige Entsprechungen bei den grammatischen Strukturen und im Wortschatz zeigen. Das deutsche Wort Fisch entspricht z. B. dem lateinischen piscis, das englische Wort father (Vater) dem lateinischen pater. Die deutschen und englischen sowie die lateinischen Wörter sind verwandt, d. h. genetisch gesehen weisen sie gleiche Ursprünge auf. Das deutsche f geht auf das lateinische p zurück, das englische th auf das lateinische t usw. Die komparative Linguistik analysiert die Laut- und Bedeutungsentsprechungen (d. h. die verwandten Elemente) der verschiedenen Sprachen und stellt genetische Sprachgruppen auf. Die hypothetischen Ursprachen solcher Gruppen werden durch den Vergleich moderner Sprachen versuchsweise rekonstruiert. (Rekonstruierte Ursprachen werden durch den Begriff Proto- gekennzeichnet, wie in Proto-Indogermanisch.) Die Etymologie beschäftigt sich mit der Herkunft, der Entwicklung und der Verwandtschaft der Wörter.
Eine der größten Sprachfamilien ist die indogermanische. Die indogermanischen Sprachen werden weltweit von etwa zwei Milliarden Menschen auf verschiedenen Kontinenten gesprochen. Zu dieser Sprachfamilie gehören die meisten in Europa und Nordindien gesprochenen Sprachen sowie einige Sprachen der dazwischenliegenden Gebiete. Das Indogermanische besteht aus folgenden Unterfamilien: Italisch (sowie die davon abstammenden romanischen Sprachen), Germanisch, Keltisch, Griechisch, Baltisch, Slawisch, Armenisch, Albanisch, Indoiranisch sowie den ausgestorbenen Sprachen Hethitisch (zum anatolischen Zweig) und Tocharisch. Innerhalb der Unterfamilien gibt es weitere Unterklassifizierungen. Deutsch gehört z. B. zum westgermanischen Zweig der germanischen Unterfamilie, Englisch zur anglofriesischen Gruppe des westgermanischen Zweiges. Mit dem Englischen am engsten verwandt ist das Friesische, das heute nur noch in Teilen Deutschlands und den Niederlanden gesprochen wird. Die indogermanische Sprachfamilie ist nur eine von mehreren Dutzend Sprachfamilien und angenommenen größeren Sprachgruppen. In der Sprachwissenschaft gibt es unterschiedliche Ansätze zur Klassifikation.Was eine Schule als Sprachfamilie definiert, wird von einer anderen möglicherweise als Unterfamilie innerhalb einer größeren Gruppe angesehen. In Europa gibt es neben der indogermanischen Sprachfamilie noch andere Sprachen. Baskisch ist eine isolierte Sprache, d. h. eine Sprache ohne bekannte Verwandte. Finnisch, Estnisch, Samisch (Lappisch) und Ungarisch sind die westlichsten Vertreter des finnougrischen Zweiges der uralischen Sprachfamilie (zu der auch viele Sprachen des Uralgebiets und Sibiriens gehören). Die altaische Sprachfamilie wird manchmal mit den uralischen Sprachen in einer ural-altaischen Gruppe zusammengefasst (ein Verwandtschaftsverhältnis, das heute allerdings von den meisten Sprachwissenschaftlern bestritten wird). Die Hauptzweige der altaischen Sprachfamilie sind die Turksprachen sowie die mongolischen und mandschu-tungusischen Sprachen. Einige nicht miteinander verwandte Sprachgruppen in Sibirien fasst man mit der Regionalbezeichnung paläosibirische Sprachen zusammen. Die kaukasischen Sprachen werden in die nordwestkaukasischen, ostkaukasischen und südkaukasischen Sprachen unterteilt. Die bekannteste kaukasische Sprache ist Georgisch (Südkaukasisch). Viele Sprachen Indiens und seiner nordwestlichen Nachbarn gehören zum indoiranischen Zweig des Indogermanischen. Zwei andere Gruppen – die Mundasprachen, die üblicherweise als Zweig der austroasiatischen Sprachen angesehen werden, und die drawidische Sprachfamilie – werden von mehr als 80 Millionen Menschen gesprochen (siehe indische Sprachen). Mehrere hundert Millionen Menschen sprechen die sinotibetischen Sprachen in Südostasien. Die Hauptzweige dieser Sprachfamilie sind das Tibetobirmanische und das Chinesische (das viele chinesische „Dialekte” enthält, die eigentlich eigenständige Sprachen sind). Einige Forscher zählen die Thaisprachen (einschließlich Thai oder Siamesisch) zu dieser Sprachfamilie, andere wiederum vermuten eine unterschiedliche Entwicklungsgeschichte.
Die drei wichtigsten Sprachgruppen im pazifischen Raum sind die austronesischen Sprachen (malaiopolynesischen Sprachen), eine Sprachfamilie mit einem westlichen oder indonesischen Zweig und einem östlichen oder ozeanischen Zweig, die Papuasprachen, eine regionale Gruppe in Neuguinea, die mehrere isolierte Sprachen und Sprachfamilien (von denen einige möglicherweise miteinander verwandt sind) umfasst, und die Sprachen der australischen Ureinwohner (die untereinander, aber nicht mit Sprachen außerhalb Australiens verwandt sind). Das ausgestorbene Tasmanisch ist möglicherweise eine vierte Gruppe. Die Sprachen der hamitosemitischen oder afroasiatischen Sprachfamilie werden im Nahen Osten und in Afrika gesprochen. Sie ist in fünf Sprachzweige aufgeteilt: Semitisch, zu dem Arabisch und Hebräisch gehören (siehe semitische Sprachen), Tschadisch, zu dem das in Westafrika weit verbreitete Haussa gehört, Berberisch, Kuschitisch und Ägyptisch-Koptisch (heute ausgestorben). In Afrika finden sich drei weitere wichtige Sprachfamilien. Der Hauptzweig der niger-kordofanischen Sprachfamilie sind die Niger-Kongo-Sprachen, zu denen die in Afrika am weitesten verbreitete Gruppe der Bantusprachen gehört (wie Suaheli und Zulu), und das Kordofanische. Die wichtigste Untergruppe der nilosaharanischen Sprachfamilie sind die Chari-Nil-Sprachen, zu deren nilotischem Zweig Sprachen wie das Masai gehören. Zur Familie der Khoisan-Sprachen gehören die Sprachen der San und anderer Völker der Kalahari. Charakteristisch für die Khoisan-Sprachen sind deren Schnalzlaute (siehe afrikanische Sprachen).
Die Versuche, die amerikanischen Indianersprachen zu klassifizieren, haben nach herkömmlichen Kriterien zur Einteilung in 150 Sprachfamilien geführt. Freiere Einteilungen fassen sie zu etwa einem Dutzend so genannter Makrogruppen zusammen, eine Kategorisierung, die jedoch durch neuere Untersuchungen in Frage gestellt wird. Sogar mit einem freieren Ansatz lassen sich viele kleine Sprachfamilien nicht in größere Gruppen integrieren, zudem gibt es eine große Zahl isolierter Sprachen. Entlang der arktischen Küste und in Grönland sprechen die Inuit (Eskimo) das Inupik (eskimo-alëutische Sprachfamilie). Im subarktischen Teil Kanadas finden sich verschiedene athabaskische und die Algonkin-Sprachen. Die vorherrschenden Indianersprachen in den USA östlich des Mississippi sind Algonkin, Irokesisch und Muskogee. Die größte Sprachfamilie der Great Plains ist Sioux, es werden aber auch Caddo- und westliche Algonkin-Sprachen gesprochen. Die Schoschonen-Sprachen (uto-aztekische Sprachfamilie) beherrschen das Große Becken und grenzen im Norden an die Sprachfamilie des Sahaptin. An der Nordwestküste finden sich die Sprachfamilien des Salish und Wakash, Tlingit (bei dem man eine Verwandtschaft zu den athabaskischen Sprachen vermutet) und Haida, eine möglicherweise isolierte Sprache. Apache, ein Sprachzweig des Athabaskischen, ist im gesamten Südwesten verbreitet. Daran grenzen in Arizona und Südkalifornien die Sprachfamilie des Yuman und die Pima-Papago-Sprachen (Uto-Aztekisch). In Kalifornien gibt es viele kleine Sprachfamilien, deren Verwandtschaft untereinander stark umstritten ist. In Mexiko und Mittelamerika sind die uto-aztekische Sprachfamilie (u. a. Aztekisch oder Náhuatl), die oto-mangueanische Makrogruppe (Mixtekisch, Otomí und Zapotekisch) und Sprachfamilien wie Mixe-Zoque, Totonakisch und Tequistlatekisch von Bedeutung. Die Maya-Sprachfamilie besteht aus etwa zwei Dutzend Sprachen mit Millionen von Sprechern. Abhängig vom wissenschaftlichen Ansatz werden die südamerikanischen Sprachen in etwa 90 Sprachfamilien und isolierte Sprachen oder in drei fast alle Sprachen umfassende Makrogruppen (Oberfamilien oder Gruppen mit möglicher entfernter Verwandtschaft) eingeteilt: Makro-Chibchan, Anden-Äquatorialisch und Ge-Pano-Karib. Die verbreitetsten südamerikanischen Indianersprachen sind Quechua und Aymara, Guaraní und Mapuche oder Araukanisch. In Mittelamerika und im nördlichen Südamerika sind die Makro-Chibchan-Sprachen (wie Guaymi, Páez und Warao) und auch die große arawakische Gruppe (einschließlich Garifuna oder Black Carib, Goajiro und Kampa) von Bedeutung. Zu der von vielen Wissenschaftlern anerkannten Makro-Ge-Gruppe gehören viele in den tropischen Gebieten Brasiliens gesprochene Sprachen.
Die geographische oder areale Klassifikation von Sprachen ist ebenfalls nützlich. Die areale Klassifikation beruht auf der Untersuchung der gegenseitigen Beeinflussung benachbarter Sprachen. Bei der Analyse des Wortschatzes wie auch der Grammatik benachbarter Sprachgebiete ist häufig festzustellen, dass Elemente einer Sprache in der anderen wiederzufinden sind. Diese regionalen Ähnlichkeiten sind auf Sprachkontakt und Entlehnungen zurückzuführen, die im Laufe der Zeit in Bezug auf Grammatik, Laute und Wortschatz stattgefunden haben. Derartige Interferenzen lassen jedoch nicht unbedingt auf genetische Verwandtschaft schließen.
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