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SpracheEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Forschungsansätze; Tierische und menschliche Kommunikation; Grundlagen der Sprache; Die Sprachen der Welt; Sprachentstehung, Sprachentwicklung und Sprachwandel
Sprache, definiert als Erzeugen und Wahrnehmen von Äußerungen, entwickelte sich in ihrer spezifischen Form mit der menschlichen Spezies. Als Kommunikationssystem ist es zwar vergleichbar mit den kommunikativen Systemen von Tieren, die menschliche Sprache hat sich jedoch entscheidend weiterentwickelt. Die oben aufgezeigten kreativen und interpretativen Aspekte sind spezifische Merkmale der menschlichen Sprache. Man geht davon aus, dass das Sprachverständnis mit der Spezialisierung eines Teiles der linken Gehirnhälfte (des Broca-Zentrums) zusammenhängt. Wahrscheinlich ist, dass sich die menschliche Sprache bis zum Auftreten dieser physiologischen Spezialisierung nicht von der tierischen Kommunikation unterschied. Man nimmt an, dass die Sprache zum ersten Mal bei den Neandertalern (vor 300 000 bis 40 000 Jahren) entstand. Einer Theorie zufolge ging das Erscheinen des modernen Homo sapiens (dessen Schädel und Kehlkopf besser zur Spracherzeugung geeignet war) vor 40 000 bis 30 000 Jahren mit einem deutlichen Entwicklungsschub der Sprache einher. Die moderne menschliche Sprache ist damit möglicherweise nur 30 000 bis 40 000 Jahre alt. Die ungeheure Vielfalt der Sprachen zeigt an, dass sich die menschliche Sprache nach ihrer Entstehung mit relativ großer Geschwindigkeit gewandelt hatte. Lautbestand, Grammatik und Wortschatz der ersten Sprache, falls es sie denn gegeben hat, bleiben sicherlich unbekannt. Sprachhistoriker, die sich hauptsächlich damit befassen, wie, warum und in welcher Form Sprachwandel auftritt, können nur Hypothesen zur Erklärung des Sprachwandels vorlegen. Im 18. Jahrhundert entstand die Theorie, dass sich alle alten und modernen Sprachen aus einer einzigen Protosprache entwickelt hätten. Diesen Ansatz nennt man Monogenese. Die Mehrzahl der Sprachwissenschaftler nimmt an, dass eine solche Sprache – sollte sie überhaupt existiert haben – bestenfalls als eine Reihe hypothetischer sprachlicher Grundformen dargestellt werden könne, aus der sich alle Sprachen ableiten ließen und auf deren Basis sie miteinander in Beziehung gesetzt werden könnten. Es ist unwahrscheinlich, dass sich eine tatsächliche Ursprache, so wie sie gesprochen wurde, rekonstruieren lässt. Obwohl viele moderne Sprachen von einem einzigen Vorläufer abstammen, ist es jedoch genauso möglich, dass die menschliche Sprache gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt entstand und die heute gesprochenen Sprachen somit nicht nur eine gemeinsame Stammsprache haben. Die Theorie, dass die heutigen Sprachfamilien von vielen verschiedenen Ursprachen abstammen, nennt man Polygenese. Angesichts universeller Struktureigenschaften, die für alle Sprachen gelten, spielen die Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Auch wenn Sprachen wie Chinesisch, Englisch und Suaheli scheinbar kaum Ähnlichkeiten aufweisen, zeigen sich generell doch mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Unabhängig von der Art und Weise, wie sie sich von Sprache zu Sprache unterscheiden, sind die Laute und Lautverbindungen der verschiedenen Sprachen vermutlich aus einer Reihe universeller, allen Sprachen zur Verfügung stehender Laute und Lautverbindungen ausgewählt. In gleicher Weise haben die menschlichen Sprachen individuelle Struktureigenschaften, die aus einem gemeinsamen Vorrat möglicher Strukturen stammen. Das bedeutet, dass keine menschliche Sprache einen Laut verwendet, der nicht von jedem Menschen erzeugt werden kann, ebenso existiert keine grammatische Regel, die nicht jeder Mensch erlernen kann – und zwar unabhängig davon, ob die eigene Muttersprache diese Laute und Strukturen verwendet. Mit anderen Worten scheint die Bandbreite des möglichen Sprachwandels nur durch die universellen Struktureigenschaften von Sprache begrenzt zu sein. Wenn eine Sprache einem grundlegenden Wandel in Wortschatz, Lautsystem und Struktur unterliegt, kann daraus eine neue Sprache entstehen. Dies tritt bei der Entstehung von Pidgin- und Kreolsprachen ebenso wie beispielsweise bei der Entwicklung der heutigen romanischen Sprachen aus dem Lateinischen auf. Die Entstehung einer neuen Sprache kann auch durch die Entwicklung eines untergeordneten zu einem dominanten Dialekt gefördert werden, der sich schließlich von anderen Dialekten ablöst. Die neu entstandene Sprache kann im Lauf der Zeit eigene Dialekte sowie Pidgin- und Kreolsprachen entwickeln. Dieser fortlaufende Sprachentstehungs- und -entwicklungsprozess kennzeichnet die Sprache in allen ihren Aspekten als lebendigen Ausdruck der menschlichen Kultur.
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