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LibyenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Physische Geographie; Bevölkerung; Bildung und Kultur; Verwaltung und Politik; Wirtschaft; Geschichte
Die wichtigsten Rohstoffe und Haupteinnahmequellen Libyens sind Erdöl und Erdgas – gemeinsam bringen sie nahezu 90 Prozent der gesamten Exporterlöse ein. Die umfangreichsten Erdöllagerstätten befinden sich südöstlich der Großen Syrte. Auch das Off-shore-Feld etwa 120 Kilometer nordwestlich von Tripolis ist überaus ergiebig. Um die Vorräte nicht frühzeitig zu erschöpfen, wurden Produktionsobergrenzen eingeführt. Daneben werden Eisenerz, Kalk und Gips sowie Kali- und Steinsalz abgebaut.
Wegen des starken Rückgangs der Einnahmen im Erdölsektor während der achtziger Jahre wurde der Diversifizierung der Wirtschaft hohe Priorität eingeräumt. Neben der Erdölverarbeitung sind inzwischen auch die Herstellung von Baustoffen (vor allem Zement), Textilien und Metallwaren sowie die Verarbeitung von Nahrungsmitteln gut entwickelt. Die meisten Konsumgüter müssen importiert werden. Das traditionelle Kunsthandwerk spielt wirtschaftlich nur eine untergeordnete Rolle. Der Anteil der Beschäftigten in der Industrie liegt bei 23 Prozent. Die Industriestandorte sind vor allem im Gebiet um Tripolis, Misurata (Eisen und Stahl) sowie entlang der Küste der Großen Syrte angesiedelt.
Währungseinheit ist der Libysche Dinar zu 1 000 Dirham. Als Notenbank fungiert die Libysche Zentralbank (1955), der auch die Kontrolle des Bankwesens und der Kreditvergabe obliegt. 1972 wurde die Libysch-Arabische Auslandsbank gegründet, um Auslandsinvestitionen abwickeln zu können. Die libyschen Exporte bestehen fast ausschließlich aus Erdöl und Erdgas. Mit dem Fall der Ölpreise im Lauf der achtziger Jahre gingen auch die Exporterlöse zurück. Wichtigste Importgüter sind Maschinen, chemische Erzeugnisse und Konsumgüter sowie Nahrungs- und Genussmittel. Haupthandelspartner sind neben Italien und Deutschland Spanien, Frankreich, Großbritannien, die Türkei sowie Tunesien und die Schweiz.
Hauptverkehrsader ist die Küstenstraße, die auch nach Tunesien und Ägypten reicht. Sie verläuft von Tunis über Tripolis, Bengasi und Tobruk nach Alexandria. Weitere Straßenverbindungen bestehen zwischen Sebhah im Landesinneren und der Küstenstraße. Das gesamte Straßennetz Libyens weist eine Länge von 83 200 Kilometern auf (1999), 57 Prozent sind befestigt. Die wichtigsten Hafenstädte sind Tripolis, Bengasi, Tobruk und Misurata. Wichtige Flughäfen sind Tripolis und Bengasi, die allerdings aufgrund des UN-Luftverkehrsembargos lange Zeit von internationalen Fluglinien nicht angeflogen wurden.
Im Westen des heutigen Libyen, das damals im Wesentlichen von Berbern bewohnt war, gründeten um 800/700 v. Chr. die Phönizier drei Kolonien: Leptis Magna, Oie und Sabratha, von den Griechen später Tripolis („Dreistadt”) genannt – daher der Name Tripolitanien für die Küstenregion im Westen Libyens. Im Osten gründeten griechische Kolonisten im 7. Jahrhundert v. Chr. die Stadt Kyrene sowie weitere vier Städte, zusammengefasst unter dem Namen Pentapolis („Fünfstadt”) bzw. Cyrenaika (Kyrenaika). Tripolitanien kam im 6. Jahrhundert v. Chr. unter karthagische Vorherrschaft, nach dem 2. Punischen Krieg unter numidische, und nach dem 3. Punischen Krieg fiel das Gebiet 146 v. Chr. an Rom und wurde Teil der römischen Provinz Afrika. Die Cyrenaika wurde 331 v. Chr. von Alexander dem Großen erobert und seinem Reich eingegliedert; anschließend gehörte sie zum ptolemäischen Ägypten, bis sie im frühen 1. Jahrhundert v. Chr. unter römische Herrschaft kam und Teil der römischen Provinz Cyrenaika wurde. Im Zuge der Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. kam Tripolitanien zu Westrom, die Cyrenaika zu Ostrom bzw. dem Byzantinischen Reich. Tripolitanien wurde 455 von den Wandalen erobert und 533 von Byzanz zurückgewonnen. 647 wurde das Gebiet des heutigen Libyen von den Arabern erobert und in der Folgezeit relativ rasch islamisiert. Ab 800 gehörte Libyen zum Herrschaftsbereich der nordafrikanischen Dynastie der Aghlabiden und ab 909 zum Herrschaftsbereich der Fatimiden, die 1082 von den Almoraviden abgelöst wurden. Ab 1146 stand Tripolitanien kurzzeitig unter der Herrschaft der sizilianischen Normannen, bis Libyen 1158 an die Almohaden fiel, denen Mitte des 13. Jahrhunderts die Hafsiden folgten. Von 1551 bis 1912 gehörte Libyen zum Osmanischen Reich. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert bildete Libyen, obwohl formell unter osmanischer Herrschaft, unter der Dynastie der Karamanli de facto ein weitgehend unabhängiges Staatswesen, und ab etwa 1840 gewann die Bruderschaft der Senussi zunehmend an Macht, sowohl religiös als auch politisch. Die Senussi kämpften zunächst gegen die osmanische Herrschaft, vereinten sich aber 1911 im Italienisch-Türkischen Krieg mit den Osmanen im Kampf gegen die Italiener, jedoch erfolglos: 1912 eroberten die Italiener Libyen. Allerdings setzten die Senussi ihren Widerstand gegen die Italiener fort, vertrieben sie während des 1. Weltkrieges weitgehend wieder aus Libyen, wurden dann aber in langwierigen Auseinandersetzungen, die bis 1931 andauerten, endgültig von den Italienern besiegt. Unter italienischer Herrschaft wurden die Provinzen Tripolitanien, Cyrenaika und Fezzan 1934 erstmals zu einer Verwaltungseinheit zusammengefasst, und zwar zur italienischen Kolonie Libia; 1940 annektierte Italien die Kolonie. In den dreißiger Jahren siedelte Italien in Libyen planmäßig Kolonisten an, die in erster Linie die Landwirtschaft nach europäischem Vorbild ausbauen sollten; das Projekt kam, bedingt durch den 2. Weltkrieg, über seine Anfänge nicht hinaus. Während des 2. Weltkrieges war Libyen Schauplatz erbitterter Schlachten zwischen italienischen und deutschen Truppen auf der einen und Streitkräften der Alliierten auf der anderen Seite. Nach seiner Niederlage im 2. Weltkrieg verzichtete Italien 1947 formell auf Libyen, das nun zunächst als Treuhandgebiet der Vereinten Nationen verwaltet wurde; im November 1949 beschlossen die Vereinten Nationen die Entlassung Libyens in die Unabhängigkeit zum 1. Januar 1952.
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