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Windows Live® Suchergebnisse Romanische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Vorromanik – Von der Spätantike bis zum Ausklang der ottonischen Kunst; Architektur; Skulptur; Malerei
Romanische Kunst und Architektur, früh- und hochmittelalterlicher Kunststil, der vorwiegend in der Architektur zum Ausdruck kommt und in West- und Mitteleuropa ab Beginn des 11. Jahrhunderts bis zum Aufkommen der Gotik (in Frankreich 1144, in England 1174 und in Deutschland 1209) seine Blüte erlebte. Der Begriff „romanisch” stammt aus dem Französischen und ist eine philologische Begriffsschöpfung des frühen 19. Jahrhunderts. Er charakterisiert ebenso Werke der Skulptur, der Monumentalmalerei und der Schatzkünste dieser Epoche.
Die meist aus dem nordeuropäischen Raum stammenden Völkerschaften, die seit dem 3. Jahrhundert in das Römische Reich hineindrängten, wurden von den Römern „gentes barbarae” genannt, womit sie alle Völker bezeichneten, die weder Römer noch Griechen waren. Die negative Befrachtung des Begriffs „Barbaren” ist erst im Mittelalter entstanden. Nach dem Fall des Weströmischen Reiches (476) entfalteten sie in den ehemaligen Grenzprovinzen eine eigene künstlerische Ausdrucksform, gekennzeichnet durch die Verwendung von Tier- und komplizierten Flechtwerkmotiven, die entweder parallel zu der noch weithin existenten römisch-antiken Kunst bestand oder diese durchsetzte. Man nennt diese ornamentale Kunst, die sich vor allem im Schmuck, in Ziergeräten und in Reliefs ausprägte und später auch in die Buchmalerei eindrang, „Kunst der Völkerwanderungszeit” und verwendet damit einen Notbegriff, um die Kunstübung der irischen Kelten, der anglischen Sachsen, der Franken unter den Merowingern und der Westgoten in Spanien unter einen Hut zu bringen. Im Ursprungsland dieser Völkerschaften, dem skandinavischen Raum, wurde die christliche Religion erst im 10. und 11. Jahrhundert angenommen. Die in dieser Zeit entstehenden Stabkirchen, von denen in Norwegen noch einige erhalten sind, knüpfen in ihrer Holzbauweise daher in Konsequenz an die noch in situ erhaltenen, aus Holz errichteten heidnischen Kultstätten an. Mit der zunehmenden zeitlichen (und örtlichen) Entfernung von der lateinischen Klassizität entwickelten sich diese Stammesstile zu Regionalstilen, ein Ablösungsprozess von der Antike, der im 7. Jahrhundert das eigentliche Ende der Spätantike herbeiführte. Das bewusste Wiederanknüpfen an die römische Reichsidee, die das geistesgeschichtliche Fundament des europäischen Mittelalters bildete, führte unter dem fränkischen König Karl, der am Weihnachtstag des Jahres 800 in Rom als Karl der Große zum römischen Kaiser gekrönt wurde, zur Ausprägung der so genannten karolingischen Renaissance, eigentlich eine umgreifende Bildungsreform, die sich unter ihrem Wortführer, dem Angelsachsen Alkuin, das Ziel gesetzt hatte, das Römische Reich zu erneuern (Renovatio imperii Romani) und die Gesellschaft von ihren geistigen Grundlagen her neu zu formen. Wenngleich diese Reform nicht in dem von Alkuin und Karl dem Großen angestrebten Unfang gelang, hinterließ die karolingische Renaissance dem Mittelalter doch zwei Legate, ohne die die Kultur der folgenden Epochen nicht denkbar gewesen wäre und die in Ausläufern noch bis heute wirksam sind: Durch Karls „Renovatio” erhielten Schriften und Bücher eine wichtige Funktion bei der Errettung der Menschheit. In logischer Konsequenz wurden die Schreiber der Hofschule angewiesen, überkommene christliche Schriften und Texte antiker Autoren, die durch das Abschreiben in den Klöstern fehlerhaft geworden waren, zu verbessern. Eine Reihe moderner Editionen klassischer Texte beruhen noch heute auf diesen „emendierten” Abschriften; die Alkuin-Bibel, die Bereinigung der Vulgata des Hieronymus, war das ganze Mittelalter hindurch der verbindliche Bibeltext. Das zweite Legat war die Schaffung einer einheitlichen Schrift, der karolingischen Minuskel auf der Basis der lateinischen Kleinschrift, welche die Vielzahl unterschiedlichster Schriften ablöste, deren Verwendung sich oft nur auf einzelne Klöster beschränkte. Die Bewahrung der klassisch-römischen Tradition hatte sich nach dem Untergang des Weströmischen Reiches in die ehemaligen Provinzen verlagert. Zentren, in denen sie noch bis an die Schwelle des Mittelalters bestand, waren die Gegend um Rhein und Mosel, mit bedeutenden Römerstädten wie Mainz und Köln, und Südfrankreich mit der Provence, wo der lokale Adel fast zur Gänze „romanisiert” war. Große Hafenstädte wie Marseille und die stark frequentierten Handelswege entlang der immer noch gut ausgebauten Römerstraßen beförderten den Import von Kulturgütern aus Byzanz, der Erbin des Römischen Imperiums, und aus dem Mittleren Osten, vor allem aus Syrien, und den Austausch unter den Stammesgemeinschaften der Germanen, der Kelten und der Völker Nord- und Osteuropas. Diese unterschiedlichen Traditionen verschmolzen jedoch nicht wie in einem Tiegel zu einem einheitlichen Gebilde, das wir Romanik nennen, sondern bewahrten durchaus ihre regionalen Eigenarten. Romanik ist also kein einheitlicher Stil, sondern eine Formensprache, die sich – ähnlich wie die „langue Romane” – aus dem Lateinischen entwickelt hat und der man die Dialekte anmerkt. Nach dem Tod Karls des Großen (814) wurde das Frankenreich unter seinen Söhnen aufgeteilt. Die karolingische Kunst findet ihren letzten Höhepunkt und Ausklang in der Regierungszeit Karls des Kahlen (843-877). Nach einer etwa zwei Generationen umfassenden „Dunklen Zeit”, die von kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Normannen und Ungarn im Westen und im Osten geprägt wird, ist es Otto I., der Große, der 936 mit der Krönung zum deutschen König in der Aachener Pfalzkapelle ein bewusstes Zeichen setzt für die Wiederaufrichtung der Herrschaft Karls des Großen in Anknüpfung an die Idee von einer höchsten Macht in der Nachfolge Kaiser Konstantins. Die Epoche der Ottonen, der wir die bedeutendsten Werke der Buchmalerei und der Architektur des frühen Mittelalters verdanken, geht mit dem Tod Kaiser Heinrich II. (1024) zu Ende. In dieser Zeit blühte in der Loire-Gegend, in Katalonien diesseits und jenseits der Pyrenäen und in Burgund bereits die Premier Art Romain, aus der die Romanik West- und Mitteleuropas erwuchs. Die Auflösung des weströmischen Kultur- und Wirtschaftsgefüges führte auch zum Verschwinden der antiken handwerklichen Traditionen. Während diese in Byzanz ohne jeden Bruch bewahrt wurden und im Grunde nach der Eroberung durch die Osmanen 1453 in die islamischen Traditionen eingingen, fehlten im Westen erfahrene Architekten und versierte Bauhandwerker, die in der Lage waren, große Versammlungsräume, wie sie für die christliche Kirche benötigt wurden, zu decken oder gar zu überwölben. Ausnahmen blieben die großen stadtrömischen Basiliken, errichtet von den in der Stadt Rom noch ansässigen Bauleuten, die mit mächtigen offenen Dachstühlen gedeckt waren, und die Kirchen- und Palastbauten, die der italienische König aus ostgotischem Hause und von byzantinischen Gnaden, Theoderich (Regierungszeit 492-526), in seiner Hauptstadt Ravenna errichten ließ. Die Fähigkeit der römischen Architekten, polygonale oder runde Räume zu überkuppeln, manifestiert sich im Ravenna Theoderichs im Baptisterium der Arianer und in seinem Grabmal, einem zweigeschossigen, zehneckigen Bau mit gewaltiger monolithischer Kuppel. Der Zentralbau von San Vitale über achteckigem Grundriss war Stiftung eines Bankiers aus Ravenna (548 vollendet) und wohl von byzantinischen Bauleuten errichtet. Karl der Große hielt sie (irrig) für die Palastkirche Theoderichs und nahm sie als Anregung für seine Pfalzkapelle mit oktogonalem Innenraum und sechzehneckigem Umgang in Aachen, die zusammen mit der gesamten Pfalzanlage in nur 10 Jahren (790-800) entstand. Zu den Errungenschaften der karolingischen Baukunst gehörte das Westwerk, eine dreigeschossige Vorkirche mit Hauptkultraum im Obergeschoss, das in den ottonischen Dreiturmgruppen und in den „Westriegeln” der Wehrkirchen des 11. und 12. Jahrhunderts im östlichen Reichsgebiet weiterlebte. Träger der abendländischen Kultur waren seit der Spätantike die Klöster, die in einem immer dichter werdenden Netz die dünn besiedelten Gegenden Mittel- und Westeuropas überzogen. Klöster sind, wie es der heilige Benedikt wollte, Häuser (domus), die sich durch ihre verschiedenen Nutzungen der monastischen Gemeinschaft dienstbar machen. So gibt es „Häuser” für die Bibliothek (die Keimzelle der Verbreitung von Bildung), zum Schlafen (das Dormitorium), zum Essen (das Refektorium), für die handwerkliche Arbeit (Werkstätten und Schreibstuben). Der Kreuzgang war der Ort der Zusammenkunft, von dem aus sich diese Gebäudeteile erschlossen. Klöster waren es auch, in denen die abgebrochene handwerkliche Tradition wieder aufblühte: Vor allem die Zisterzienser taten sich am Ende der Romanik als Bauingenieure hervor. Bedeutende vorromanische Klosterkomplexe waren im südwestdeutschen Raum angesiedelt, so die Klöster auf der Insel Reichenau und in Sankt Gallen, dessen überkommener Klosterplan uns eine Vorstellung von Ausmaß und Infrastruktur großer klösterlicher Gemeinschaften dieser Zeit vermittelt.
Eine der größten Leistungen der romanischen Architektur war die Überwölbung großer Räume in Stein (siehe Bogen und Gewölbe). Der Hauptgrund für den Übergang zu Steingewölben war die Notwendigkeit, eine Alternative zu den leicht brennbaren, offenen Dachstühlen zu finden. Man experimentierte mit Tonnengewölben, seltener mit den aus Byzanz kommenden Trompenkuppeln, und fand schließlich zur Lösung durch das Kreuzrippengewölbe bzw. das Kreuzgratgewölbe: Die Einwölbung des Mittelschiffes des Speyerer Domes mit einer Spannweite von 15 Metern (zwischen 1080 und 1106) vollzog sich annähernd gleichzeitig mit dem Neubau von Cluny. In der Blütezeit des romanischen Stiles und insbesondere jener Ausformung, die sich in Frankreich entwickelte, führte die Verwendung massiver Wände und Pfeiler als Stützen für die schweren Steingewölbe zur Entwicklung eines Bauplanes, in dem die gesamte Konstruktion als ein aus kleineren, miteinander verbundenen Einheiten bestehender Komplex betrachtet wurde. Bei diesen Einheiten, die man Joche nennt, handelt es sich um kreuzgewölbte Räume über rechteckigem oder quadratischem Grundriss. In der Spätromanik waren diese Joche grundlegende Bauelemente; rechteckige, voneinander abgesetzte Joche wurden zum Kennzeichen der Romanik. Das Hauptschiff romanischer Kirchen wurde im Vergleich zu früheren Bauten höher und schmaler gebaut, um die das Gewölbe tragenden Wände (Obergaden) mit Fenstern versehen zu können. Türen und Fenster waren gewöhnlich rundbögig geschlossen, klein und bisweilen mit Bauplastik verziert, die gegen Ende der Romanik zum Träger großer skulpturaler Programme wurde.
In den einzelnen Regionen Italiens bildete sich in der Romanik eine Vielzahl unterschiedlicher Stilrichtungen heraus. Kennzeichnend für die Lombardei sind das häufige Vorkommen des Kreuzgewölbes und die massive Bauweise, bei der die großen Wandflächen durch architektonische Zierfriese gegliedert werden. Zu den wichtigsten Bauten zählen die Kirchen Sant’Ambrogio in Mailand und San Michele in Pavia (beide frühes 12. Jahrhundert). Weitere Beispiele aus dem 12. Jahrhundert sind die Dome und Baptisterien von Parma, Cremona, Piacenza, Ferrara und Modena. Toskanische Kirchen wirken weniger mächtig, was größtenteils auf ihre Marmorverkleidung – oft in Schwarz-Weiß – in geometrischen Mustern zurückzuführen ist. Die Kunstgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts hat für diesen toskanischen Sonderweg die Bezeichnung „Protorenaissance” eingeführt. So ist die Fassade der Kirche San Miniato al Monte (1013 begonnen) in Florenz mit Marmor in schwarzer, grüner und weißer Farbe inkrustiert. Ein Musterbeispiel mittelitalienischer Romanik ist der Komplex des Pisaner Dombezirks mit Kathedrale ( 1063 begonnen), Baptisterium (ab 1153) und Campanile (Schiefer Turm), einem frei stehenden Glockenturm (seit 1173). In der architektonischen Bauplastik dominieren in Mittelitalien wie in den Basiliken der Stadt Rom antike (Spolien) oder antikisierende Formen in Gestalt von korinthischen Kapitellen, Akanthusfriesen und Eierstabarchitraven (San Clemente, Oberkirche, 12. Jahrhundert, Rom). In Süditalien, insbesondere in der Region Apulien und auf Sizilien, entwickelte sich ein Stil, der byzantinische, römische, arabische, lombardische und normannische Elemente in sich vereinte. Kennzeichnend dafür sind geflochtene Spitzbögen und die verschwenderische Verwendung des Mosaiks. Zu den bekanntesten Beispielen dieser nach dem Königreich „siculo-normannisch” genannten Kunst zählen die Dome von Monreale und Cefalù sowie die Cappella Palatina in Palermo, alle aus dem 12. Jahrhundert.
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