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Romanische Kunst und Architektur

Enzyklopädieartikel
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Dom Sankt Martin und Stephan (Mainz)Dom Sankt Martin und Stephan (Mainz)
Artikelgliederung
3.2

Frankreich

Die normannische Baukunst in Frankreich zeichnet sich durch eine große Bandbreite von Gewölbeformen aus. Selbst in der Provence, einer Enklave konservativer Baugesinnung, waren die Kirchenschiffe tonnengewölbt. In ihren Proportionen und baulichen Details folgen diese jedoch am engsten von allen Kirchenbauten außerhalb Italiens Vorbildern aus Rom. Der bedeutendste Kirchenbau der Romanik in der Provence ist Saint-Trophême in Arles, dem klassisch-antiken Kanon folgend, dessen wesentliche Teile aus dem 12. Jahrhundert stammen. An die Kirche schließt sich ein Kreuzgang an, mit dessen Bau 1183 begonnen und der erst im 14. Jahrhundert fertig gestellt wurde.

Aquitanische Baumeister im Südwesten Frankreichs entwickelten den von byzantinischen Vorbildern hergeleiteten Bautypus der einschiffigen Kuppelkirche; eine Kreuzkuppelkirche mit fünf Kuppeln ist Saint Front in Périgueux (1120 begonnen), weitere Kuppelkirchen sind die Kathedralen von Cahors und Angoulême aus dem 12. Jahrhundert. Kennzeichnende Merkmale dieses Baustiles sind Trompenkuppeln und Fassaden mit Blendarkaden, in denen sich reiche Bauplastik entfaltet.

Die Baukunst der Auvergne, ein provinzieller Ausläufer burgundischer Architektur, spielt insofern eine Rolle in der Formierung der Romanik, als man dort in den zahlreichen Pilgerkirchen, die große Menschenmengen aufnehmen mussten, mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der Wölbung experimentierte. Solche Pilgerkirchen mit Chorumgang und Kapellenkranz sind Saint-Sernin (um 1080 bis 1120) in Toulouse und Saint-Martin (um 1000 bis 1150) in Tours. Saint Sernin in Toulouse besitzt außerdem einen Vierungsturm und ein tonnengewölbtes Mittelschiff.

In Burgund entstand der Typus der tonnengewölbten dreischiffigen Basilika, die ihre Verbreitung den Benediktinern von Cluny und den Zisterziensern von Cîteaux (1098 gegründet) verdankt. Mit der Verbreitung dieser Orden weitete sich die burgundische Baukunst über ganz Europa aus. Ein bemerkenswertes Beispiel des frühen romanischen Baustiles in Burgund ist Saint-Philibert in Tournus mit seinem zweigeschossigen, kreuzgewölbten Narthex, der die Entwicklung der Zweiturmfassade einleitet. Eine weitere Klosterkirche von beeindruckender Größe und Schlichtheit ist Saint Benoît-sur-Loire (im 12. Jahrhundert vollendet). Die größte Kirche der Christenheit war die während der Französischen Revolution zerstörte Kirche der Benediktinerabtei in Cluny (Cluny III), deren Chor 1095 vollendet wurde und entscheidend die normannische, lombardische und rheinische Baukunst beeinflusste.

Normannische Baumeister adaptierten lombardische Wölbtechniken und entwickelten einen eigenen Gewölbestil, bei dem der Schub von Strebebögen abgeleitet wird. Im Kernland Frankreichs, der Île-de-France, wurden die neuen Gewölbetechniken und die Fassade mit zwei hohen Flankentürmen von den Normannen übernommen, die die Grundlage für die Entwicklung des frühgotischen Baustiles bildeten. Saint-Denis bei Paris markiert den Ausgangspunkt der Gotik mit seinem zwischen 1140 und 1144 unter Abt Suger errichteten Neubau des Chores.

3.3

Deutschland

Die Architektur der Romanik in Deutschland erwuchs aus der ottonischen Baukunst. Romanische Kirchen wurden hier häufig in großen Dimensionen geplant, doch die außerhalb des Rheinlands errichteten kirchlichen Bauten aus dieser Zeit weisen selten gewölbte Mittelschiffe auf. Die großen rheinischen Dome besaßen offene Dachstühle, die später durch Steingewölbe ersetzt wurden. Der Kaiserdom in Speyer (Einwölbung des Mittelschiffes 1080-1106) und der Mainzer Dom (Rippengewölbe im Mittelschiff um 1200) zeigen ein Kreuzgewölbe über quadratischem Grundriss. Viele rheinische Kirchen sind Doppelchoranlagen mit Kleeblattapsiden und besitzen mehrere Türme. Charakteristische Beispiele sind Maria Laach und Sankt Aposteln in Köln. Im östlichen Reichsgebiet breitete sich die Romanik auch in den Kirchen von Paulinzella (1132 geweiht), Königslutter (1135 gegründet) und in der Prämonstratenserkirche von Jerichow (1155 vollendet) aus.

3.4

Anglonormannische Baukunst

Nach der Eroberung Englands durch die Normannen 1066 wurde die Vorromanik, von der nur wenige Zeugnisse erhalten geblieben sind, durch den anglonormannischen Baustil abgelöst. Zahlreiche gewaltige normannische Kathedralen entstanden in der relativ kurzen Zeitspanne zwischen 1120 und 1200. Die Hauptschiffe dieser Kirchen wurden mit offenen Dachstühlen gedeckt, die später häufig, wie in der Kathedrale in Durham, durch Gewölbe ersetzt wurden. Die Seitenschiffe waren kreuzgewölbt. Weitere Kennzeichen der normannischen Architektur sind dicke Mauern und kräftige Pfeiler, ein oblonger Grundriss, gerader Ostabschluss, zwei Querhäuser und tief in die Fassade eingeschnittene Hauptportale mit Zickzack- und Schnabelfriesen.

3.5

Spanien

Aus vorromanischer Zeit haben sich in Spanien eine Reihe von Kirchen des 9. Jahrhunderts erhalten, die unter der Regierungszeit König Alfonsos II. von Asturien errichtet wurden. Frühchristliche und byzantinische Kirchenbauten beeinflussten die Architektur von San Tirso und San Julian in Oviedo sowie Santa María und San Miguel in Naranco, die aus der Zeit um 800 bis 850 stammen. Islamische Einflüsse durchsetzten diese Tradition im Laufe des 10. Jahrhunderts. Im 11. Jahrhundert wurden zahlreiche Architekturformen, die sich in Südfrankreich herausgebildet hatten, für die Kirchen entlang des Wallfahrtsweges nach Santiago de Compostela übernommen, wo die Gebeine des Apostels Jakobus des Älteren im 9. Jahrhundert in einem spätantiken Mausoleum aufgefunden worden waren. Die Hauptschiffe waren mit Tonnengewölben, die Seitenschiffe mit Kreuzgewölben überdeckt. Zu den typischen Bauten dieser Zeit zählen die Collegialkirche San Isidoro in León (11. Jahrhundert), die Alte Kathedrale in Salamanca (Baubeginn um 1140) und die Kathedrale in Santiago de Compostela (um 1075 bis 1128), die bedeutendste Wallfahrtskirche des Abendlandes und das schönste Beispiel romanischer Baukunst in Spanien.

4

Skulptur

Kleinplastiken aus Elfenbein, Bronze und Edelmetallen aus der vorromanischen Epoche zeigen Einflüsse aus der byzantinischen und frühchristlichen Kunst. Andere Elemente weisen auf die Länder des Mittleren Ostens, deren kunsthandwerkliche Produktion durch importierte illuminierte Handschriften, Elfenbeinschnitzereien, Goldschmiedearbeiten, Keramiken und Textilien bekannt war. Dazu kamen Motive aus der Ornamentik der Völkerwanderungszeit, wie groteske Figuren, Tiere und Flechtwerk, die vor allem in den Ländern nördlich der Alpen verbreitet waren. Ihren Höhepunkt errreichte die Elfenbeinschnitzerei in den Hofschulen Karls des Großen und Karls des Kahlen, in den bedeutendsten Reichsklöstern der Ottonen. Namentlich bekannt ist uns als Elfenbeinschnitzer im 9. Jahrhundert der Mönch Tuotilo im Kloster Sankt Gallen.

Aus vorromanischer Zeit ist keine Monumentalstatue gesichert. Die meisten romanischen Skulpturen wurden in den Kirchenbau integriert und dienten baulichen und dekorativen Zwecken, sie waren Bauplastik im engeren Sinn. Bischof Bernward von Hildesheim war der Auftraggeber bedeutender Werke der Bildhauerei wie bronzener Türen, Grabplatten und anderer Kirchenausstattungen. Fein gearbeitete Bronzetüren wurden im 11. Jahrhundert auch in Süditalien und im 12. Jahrhundert in Norditalien angefertigt; herausragende Arbeiten sind die Bronzetüren von San Zeno Maggiore in Verona. Im Maasland und in Nordfrankreich entstanden ebenfalls zahlreiche Bronzebildwerke, darunter das große Taufbecken (1107-1112, Saint Barthélemy, Lüttich) des Reiner von Huy.

Monumentale Skulpturenprogramme verbreiteten sich vor allem in Frankreich, in der Provence, in Burgund und Aquitanien, seit dem frühen 12. Jahrhundert an den Portalen (und Fassaden) der großen Bischofs- und Abteikirchen. Eine Erfindung der französischen Romanik ist die Säulenstatue am Portal. An den Kathedralen von Toulouse, Autun und Poitiers sind herausragende Beispiele der französischen Bauplastik in beinahe unverändertem Zustand zu sehen.

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