Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse John DonneEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
John Donne (1572-1631), englischer Schriftsteller und Geistlicher. Er gilt als der bedeutendste Vertreter der Metaphysical Poets und als Meister der Liebeslyrik innerhalb der englischen Literatur. Donne wurde am 22. Januar oder Februar 1572 in London geboren und ging als Elfjähriger an die Universität Oxford, wo er drei Jahre lang studierte. Einigen Berichten zufolge verbrachte er die darauf folgenden Jahre an der Universität Cambridge, machte aber auch hier keinen Abschluss. 1592 begann Donne, am Lincoln’s Inn in London Jura zu studieren. 1615 löste er sich vom Katholizismus, mit dem er aufgewachsen war, und schloss sich der anglikanischen Kirche an. Sein in London geschriebener erster Gedichtband Satires gilt als eine der wichtigsten Werke des Autors: Obwohl erst später gedruckt, hatte er durch die private Verbreitung des Manuskriptes eine beträchtliche Leserschaft gefunden, ebenso wie die etwa zur selben Zeit entstandenen Liebesgedichte Songs and Sonnets. 1596 schloss sich Donne der von Robert Devereux angeführten Azorenexpedition an; zwei Jahre später wurde er zum Privatsekretär des Lordsiegelbewahrers Sir Thomas Egerton ernannt. Seine 1601 heimlich geschlossene Ehe mit Egertons Nichte jedoch führte zu seiner Entlassung und zu einem kurzen Gefängnisaufenthalt. Das Paar fand Zuflucht in Pyrford (Surrey), wo Donne mit The Progresse of the Soule (1601) sein längstes religiöses Gedicht verfasste: Auf ironische Weise schildert es die Seelenwanderung von Evas Apfel. Während der nächsten Jahre führte Donne ein kärgliches Leben als Anwalt und diente hauptsächlich als Berater von Thomas Morton, der mit Pamphleten gegen den Katholizismus polemisierte. (Möglicherweise half Donne Morton beim Verfassen jener Flugschriften, die von 1604 bis 1607 unter dessen Namen erschienen.) Donnes literarische Hauptleistungen dieser Zeit waren die Divine Poems (1607) und die Abhandlung Biathanatos (1644 posthum veröffentlicht), in welcher er die Meinung vertrat, dass Selbstmord an sich keine Sünde sei. Im Pseudo-Martyr (1610) stellte Donne die These auf, dass englische Katholiken dem König James I. einen Treueeid schwören könnten, ohne gegen ihre religiösen Grundsätze zu verstoßen. Dieses Werk brachte Donne die Gunst des Königs ein: 1615 wurde er Priester der anglikanischen Kirche, und noch im gleichen Jahr ernannte man ihn zum königlichen Kaplan. Als Priester erlangte er hohes Ansehen; seine Predigten zählen zu den hervorragendsten seiner Zeit. Als seine Frau 1617 gestorben war, widmete sich Donne ganz der Theologie und Religion. Trotz seiner Tätigkeit als Geistlicher setzte Donne sein dichterisches Schaffen weiterhin fort. Bemerkenswert sind seine Holy Sonnets (1618, Geistliche Gedichte), deren größter Teil jedoch bis 1633 unveröffentlicht blieb – 19 Sonette, in denen Donne vor allem über Sünde, Erlösung und Tod meditierte. 1621 ernannte James I. den Dichter zum Dekan der Londoner Saint Paul’s Cathedral. 1624 begann Donnes Freundschaft mit Izaak Walton, der später eine bewegende (wenn auch nicht immer genaue) Biographie über ihn verfasste. Während sich Donne von einer schweren Krankheit erholte, schrieb er Devotions upon Emergent Occasions (1623/24). In seinen letzten Jahren hielt er einige seiner bemerkenswertesten Predigten, einschließlich der so genannten Begräbnispredigt Death’s Duel (1631), die er weniger als zwei Monate vor seinem Tod am 31. März 1631 in London hielt.
Donnes Dichtung ist charakterisiert durch eine ebenso komplexe wie kühne Bildlichkeit sowie durch einen dissonanzenreichen, assoziativen Stil. Dabei bediente sich der Autor häufig der Konzetti (conceits), eines geistreich-witzigen Gedankenspieles, das mit ungewöhnlichen Metaphern scheinbar Unvereinbares zusammenfügen soll. Ein intellektueller Geist, der Hang zur Selbstanalyse und eine scheinbar unpoetische, umgangssprachliche, dabei immer einzigartig präzise und wirklichkeitsnahe Ausdrucksweise lassen Donnes Dichtung auffallend von den glatten, eleganten Versen eines Philip Sidney oder Edmund Spenser differieren. Seine oft auch Zynisches enthaltenden Liebesgedichte reagieren auf die Rührseligkeit elisabethanischer Sonette. Donnes Werk übte nachhaltigen Einfluss auf die Cavalier Poets aus. Die Metaphysical Poets Richard Crashaw, George Herbert und Henry Vaughan ließen sich maßgeblich von der Bildlichkeit und der gedanklichen Tiefe der religiösen Dichtungen Donnes inspirieren. Im 18. Jahrhundert war Donne fast vergessen, doch im 19. Jahrhundert erwachte das Interesse an seinem Werk neuerlich; seine Beliebtheit erreichte nach den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts neuen Aufschwung, als sich Ezra Pound und T. S. Eliot zu seinem Einfluss bekannten. Zu Donnes weiteren wichtigen Werken gehören die Anniversaries (1611/12; Meditationen), ein Klagelied in zwei Teilen, einige Aufsatzsammlungen und sechs Sammlungen seiner Predigten.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |