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EuropaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Mehrheit der Europäer bekennt sich zum christlichen Glauben. Die Anhänger der römisch-katholischen Kirche – sie leben vorwiegend in West-, Mittel- und Südeuropa sowie in Polen – bilden die größte Religionsgemeinschaft. Zweitgrößte Glaubensgruppe sind die Anhänger des protestantischen Glaubens, der in verschiedenen Ausprägungen vorwiegend in den Ländern Nord- und Mitteleuropas verbreitet ist. Eine dritte große Gruppe innerhalb des Christentums bildet die orthodoxe Kirche. Ihre Anhänger leben vorwiegend in Russland, Georgien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Serbien und Montenegro sowie – mit Ausnahme Sloweniens – in den heute unabhängigen Republiken, die früher dem jugoslawischen Staatenbund angehörten. Darüber hinaus gibt es in den meisten europäischen Ländern jüdische Gemeinden, die größte davon in Russland. Albanien und die Türkei sind vorwiegend muslimisch geprägt.
In allen europäischen Ländern herrscht eine mehrjährige Schulpflicht, die meist vom 7. bis zum 15. Lebensjahr dauert. In den meisten Ländern wird nach vier bis fünf Jahren Grundschule eine weiterführende Schule besucht, die verschiedene Schularten umfassen kann. An den staatlichen Schulen wird kein Schulgeld erhoben. Durch die Förderung des Bildungssystems konnte in den meisten europäischen Ländern die Analphabetenrate stark gesenkt werden. Auch der Hochschulbereich ist in vielen Ländern gut ausgebaut. Er umfasst neben Universitäten auch Hochschulen mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten (z. B. Kunsthochschulen oder Wirtschaftsakademien). Einige der ältesten und renommiertesten Universitäten der Welt befinden sich in Europa, z. B. die Universitäten von Cambridge, Oxford, Paris, Heidelberg, Prag, Uppsala, Bologna und Moskau. Hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Literatur, Malerei, Bildhauerei, Architektur, Musik und des Tanzes haben eine lange Tradition in Europa. Die Städte Paris, Rom, London, Berlin, Madrid und Moskau sind besonders im späten 20. Jahrhundert als kulturelle Zentren berühmt geworden. Darüber hinaus unterhalten auch andere Städte bedeutende Museen, Orchester, Theater und ähnliche kulturelle Einrichtungen.
Europa war auf dem Gebiet der Wirtschaft lange Zeit weltweit führend. Als Geburtsstätte der modernen Wissenschaft und der industriellen Revolution war der Kontinent der restlichen Welt technologisch überlegen und hatte im 19. Jahrhundert konkurrenzlos die Führungsrolle inne. Die industrielle Revolution begann im 18. Jahrhundert in England und breitete sich nachfolgend in der ganzen Welt aus. Dabei konnte unter Verwendung komplexer Maschinen die landwirtschaftliche Produktion deutlich gesteigert werden. Im gleichen Zuge wurden neue Organisationsformen der Wirtschaft entwickelt. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts brachte die Einrichtung internationaler Organisationen wie der Europäischen Union (EU), der Europäischen Freihandelszone und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen neuen Wachstumsschub. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ländern konnte dadurch wesentlich intensiviert werden. Auch die Versorgung der europäischen Bevölkerung konnte durch den fortschreitenden Abbau vorher bestehender Handelsbeschränkungen verbessert werden. Weitere Erleichterungen und Fortschritte in wirtschaftlicher Hinsicht brachte die Umsetzung der Europäische Wirtschafts- und Währungsunion und die Einführung des Euro.
In Europa ist die Landwirtschaft hoch entwickelt, wenngleich die Anbauflächen stark rückläufig sind. Im Allgemeinen werden in den einzelnen Regionen viele unterschiedliche Produkte angebaut. Der europäische Teil der ehemaligen UdSSR ist eine der wenigen Großregionen, in denen eine Landwirtschaft vorherrscht, die auf nur sehr wenige Erzeugnisse (vor allem verschiedene Arten von Getreide) spezialisiert ist. In den Mittelmeerregionen hat sich eine besondere Form der Landwirtschaft erhalten, bei der hauptsächlich Weizen, Oliven, Trauben und Zitrusfrüchte angebaut werden. In Gebieten mit geringen Jahresniederschlägen, wie etwa im zentralen Spanien, erfolgt der Anbau mit Hilfe von künstlicher Bewässerung. In den meisten Ländern dieser Region spielt die Landwirtschaft eine wichtigere Rolle innerhalb der jeweiligen nationalen Wirtschaft als in den nördlicher gelegenen Ländern. In weiten Teilen Westeuropas gehören Milchviehhaltung und Fleischproduktion zu wichtigen Tätigkeiten im Agrarsektor. Im Osten Europas hingegen ist der Ackerbau vorrangig. In den Ländern der Balkanhalbinsel machen Feldfrüchte etwa 60 Prozent der Agrarproduktion aus, und in der Ukraine übertrifft der Weizenanbau sogar alle anderen landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Europa ist hauptsächlich als Erzeuger von Getreide (insbesondere Weizen, Gerste, Hafer, Roggen und Mais), Kartoffeln, Hülsenfrüchten (vor allem Bohnen und Erbsen) und Zuckerrüben von Bedeutung. Neben Milchviehhaltung und Rinderzucht werden große Mengen von Schweinen, Schafen, Ziegen und Geflügel gezüchtet. Im ausgehenden 20. Jahrhundert war Europa in der Lage, seinen Eigenbedarf an fast allen grundlegenden landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu decken. Der Großteil des Bodens wird nach fortschrittlichen Methoden bewirtschaftet, mit modernsten Maschinen und mit chemischen Düngemitteln. Durch den Einsatz von Pestiziden werden Schädlinge wirksam bekämpft. Über die Versorgung der europäischen Bevölkerung hinaus können bei vielen Feldfrüchten große Bestände in andere Kontinente exportiert werden. Nur in Teilen Süd- und Südosteuropas dominieren noch traditionelle und zum Teil relativ wenig rentable Formen der Bewirtschaftung. Zur Zeit der kommunistischen Herrschaft war die Landwirtschaft in den Ostblockstaaten (mit Ausnahme von Polen und Jugoslawien), insbesondere auch im europäischen Teil der UdSSR, in Form großer, verstaatlichter Landgüter und vom Staat geleiteter Kollektive organisiert.
Die Waldgebiete im Norden Europas, in Norwegen und dem europäischen Russland sind die Hauptquelle für die europäische Forstwirtschaft. Über eine relativ bedeutende Forstwirtschaft verfügen die Länder Schweden, Norwegen, Finnland und Russland; dort werden Holzschliff, Bauhölzer und andere Holzprodukte hergestellt. In Südeuropa sind Spanien und Portugal zu nennen, die eine Reihe von Korkwaren auf der Basis der Korkeiche produzieren. In allen Ländern wird übrigens seit geraumer Zeit intensiv Wiederaufforstung betrieben. Ein ungelöstes Problem ist aber nach wie vor das Waldsterben, das durch die extremen Umweltbelastungen hervorgerufen worden ist. Fischerei findet bis zu einem gewissen Maß in allen europäischen Ländern statt, die über Küsten verfügen. Einen besonders wichtigen Industriezweig stellt sie aber für die Länder im Norden dar, in erster Linie für Norwegen und Dänemark. Auch Spanien, Russland, Großbritannien und Polen sind beachtliche Fischereinationen. Wichtigste Fischarten sind Hering, Schellfisch und Kabeljau (in der Nordsee und im nördlichen Atlantik), Flunder und Lachs (in der Ostsee), Thunfisch und Sardine (im Mittelmeer) sowie Stör (im Schwarzen Meer).
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