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Indianer

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Artikelgliederung
4.1

Nordamerika

Die Kulturareale Nordamerikas umfassen den Südwesten, das östliche Waldland, den Südosten, die Plains und Prärien, Kalifornien und das große Becken, die Plateau-Region, die Subarktis, die Nordwestküste und die Arktis.

4.1. 1

Der Südwesten

Zum Kulturareal des Südwestens gehört das Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Arizona, New Mexico und des südlichen Colorado sowie der benachbarten mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua. Bei den ersten bekannten Bewohnern des Südwestens handelte es sich um Gruppen, die mit Speeren Jagd auf Mammute und andere Wildtiere machten (um 9500 v. Chr.). Als am Ende der Eiszeit (um 8000 v. Chr.) die Mammute ausstarben, begannen die Völker im Südwesten den Bison zu jagen und verlegten sich zunehmend auf das Sammeln von Wildpflanzen. Als das Klima immer wärmer und trockener wurde, entwickelte sich zwischen etwa 8000 v. Chr. und 300 v. Chr. eine Lebensweise, die als Archaikum bezeichnet wird. Die Völker des Archaikums lebten von der Jagd auf Hirsche, Kleinwild und Vögel sowie vom Sammeln von Eicheln, Früchten und Wildpflanzensamen. Die Samen wurden auf Steinplatten zu Mehl verarbeitet. Um 3000 v. Chr. setzte im Südwesten der Anbau von Mais ein, der zuvor in Mexiko domestiziert worden war, er spielte aber für die Ernährung jahrhundertelang nur eine untergeordnete Rolle.

Um 300 v. Chr. wanderten Gruppen aus Mexiko, deren Kultur auf dem Bewässerungsfeldbau von Mais, Bohnen und Kürbis basierte, nach Südarizona. Diese Hohokamkulturen lebten in Lehmhäusern, die um öffentliche Plätze angeordnet waren. Sie gelten als die Vorfahren der heutigen Pima und Papago, die die Lebensweise der Hohokam teilweise beibehalten haben.

Die Völker im nördlichen Abschnitt des Kulturareals des Südwestens hatten nach mehreren Jahrhunderten des Handels mit den Hohokam bis um 700 n. Chr. die so genannte Anasazi-Kultur der frühen Cliff Dweller begründet. Sie bauten Mais, Bohnen und Kürbis an und lebten in mehrstöckigen Stein- oder Lehmhäusern, die um zentrale Plätze angeordnet waren. An der Dorfgrenze wiesen die Häuserwände keine Fenster auf, wodurch die Dörfer wie Festungen geschützt waren. Während des Sommers lebten viele Familien in kleineren Häusern auf ihren Feldern. Nach 1275 kam es zu verheerenden Dürrekatastrophen, in deren Folge zahlreiche Gehöfte und Dörfer der Anasazi aufgegeben wurden. Diejenigen Gruppen, die am Rio Grande lebten, expandierten dagegen und bauten die vorhandenen Bewässerungssysteme aus. 1540 trafen die ersten spanischen Eroberer mit den Nachfahren der Anasazi zusammen, den so genannten Pueblo-Indianern. 1598 hatten die Spanier die Pueblo-Indianer bereits unterworfen. 1680 gelang ein erfolgreicher Aufstand gegen die spanische Herrschaft, worauf sie bis 1692 ihre Unabhängigkeit bewahren konnten. Danach fielen die Pueblodörfer jedoch nacheinander unter die Herrschaft der Spanier, der Mexikaner und schließlich der Vereinigten Staaten. Die Pueblos versuchten, ihre Kultur zu bewahren: Sie betrieben weiterhin Landwirtschaft, hielten in einigen Dörfern eine geheime Selbstverwaltung aufrecht und praktizierten ihre Religion. Heute gibt es noch 22 Pueblodörfer.

Im 15. Jahrhundert wanderten Jägervölker der athapaskischen Sprachgruppe (verwandt mit den Sprachfamilien in Alaska und im westlichen Kanada) in den Südwesten ein. Sie waren entlang der westlichen Great Plains nach Süden gezogen und plünderten die Pueblodörfer. Später, nachdem die Spanier Sklavenmärkte errichtet hatten, versuchten sie Gefangene zu machen, die sie verkaufen konnten. Von den Pueblo-Indianern übernahmen sie die Landwirtschaft und von den Spaniern die Schaf- und Pferdezucht. Sie sind die Vorfahren der heutigen Navajo und verschiedener Apache-Gruppen.

Der westliche Abschnitt des Südwestens ist von Völkern der Yuma-Sprachfamilie besiedelt. Zu diesen zählen die Havasupai, die im Tal des Grand Canyon Landwirtschaft betreiben und die Mojave, die am Unterlauf des Colorado leben. Die Völker der Yuma-Sprachfamilie leben in kleineren Dörfern mit strohgedeckten Dächern in der Nähe ihrer Felder. Im Überschwemmungsfeldbau bauen sie insbesondere Mais, Bohnen und Kürbis an.

Die Navajo, die Pueblo-Indianer und die Yuman, eine Yuma-Gruppe, verwendeten Blütenpollen, Holzkohle, Sandstein und andere farbige Materialien, um Sandbilder herzustellen, deren Symbolik bei Heilzeremonien benötigt wurde, und die später wieder zerstört wurden.

4.1. 2

Östliches Waldland

Das Kulturareal des östlichen Waldlandes umfasst die gemäßigten Klimazonen der östlichen Vereinigten Staaten und Kanadas. Im Westen reicht das Gebiet bis in den US-Bundesstaat Minnesota bzw. die kanadische Provinz Ontario, im Osten bis zum Atlantischen Ozean und im Süden bis in den US-Bundesstaat North Carolina. Bei den ersten Bewohnern dieser ursprünglich dicht bewaldeten Region handelte es sich um Jägergruppen, die teilweise der Clovis-Kultur angehörten. Um 7000 v. Chr. entwickelte sich mit der allgemeinen Erwärmung des Klimas eine Kultur, deren Bevölkerung sich vorwiegend von Wild, Nüssen und Wildgräsern ernährte. Man hatte von den Mexikanern den Kürbisanbau übernommen, daneben wurden im Südwesten Sonnenblumen, Amarant, Holunder sowie Gänsefuß und verwandte Pflanzen angebaut. Die Samen all dieser Pflanzen wurden mit Ausnahme der Sonnenblumenkerne zu Mehl gemahlen. Der Fischfang und das Sammeln von Schalentieren erfuhren einen enormen Aufschwung, und vor der Küste Maines wurden sogar Schwertfische gefangen. Im Gebiet westlich der Großen Seen kam es zur Förderung von Kupfer im Tagebau, das schließlich im gesamten östlichen Waldland zu Klingen und Schmuck weiterverarbeitet wurde. Daneben schnitzte man aus Stein kleine Skulpturen.

Um etwa 1000 v. Chr. wurde das Klima kühler und das Nahrungsangebot knapper. Dadurch nahm die Bevölkerung an der Atlantikküste ab. Im Mittleren Westen entwickelten die Völker dagegen ein weitverzweigtes Handelsnetz und begannen große Erdhügel als Begräbnisstätten für ihre Anführer sowie als Zeremonialzentren anzulegen. Diese Kultur der frühen Moundbuilders, die so genannte Hopewell-Kultur, betrieb in kleinerem Umfang Maisanbau, war größtenteils aber von Sammelwirtschaft und Jagd abhängig.

Um 750 entwickelte sich im Mittleren Westen eine neue Kultur. Grundlage der so genannten Mississippi-Kultur war der intensive Maisanbau. Jenseits des Mississippi auf der Höhe des heutigen Saint Louis wurde während dieser Zeit die Stadt Cahokia errichtet, in der etwa 50 000 Menschen lebten. Zur gleichen Zeit wurde auch in der Atlantikregion der Maisanbau intensiviert. Hier kam es aber nicht zur Gründung größerer Städte.

Die ersten Europäer, die um 1000 n. Chr. in die Region des östlichen Waldlandes kamen, waren Isländer, die versuchten, Neufundland zu besiedeln. Während des 16. Jahrhunderts kamen europäische Fischer und Walfänger an die Küsten Kanadas. Die europäische Besiedelung des Gebiets begann im 17. Jahrhundert. Den europäischen Einwanderern wurde kaum Widerstand entgegengesetzt, nicht zuletzt deshalb, weil die ansässige Bevölkerung durch furchtbare Epidemien, die von europäischen Fischern und den spanischen Eroberern im Südosten eingeschleppt worden waren, stark dezimiert waren. Die Städte der Mississippi-Kultur waren zu dieser Zeit bereits verschwunden, was vermutlich ebenfalls auf Seuchen zurückzuführen ist.

Zu den wichtigsten Indianergruppen des östlichen Waldlandes gehörten die Irokesen und eine Reihe von Stämmen der Algonkin-Sprachgruppe wie die auch unter der Bezeichnung Delawaren bekannten Lenape, die Micmac, die Narragansett, die Shawnee, die Potawatomi, die Menomini und die Illinois. Einige Stämme des östlichen Waldlandes zogen im 19. Jahrhundert nach Westen, andere blieben in ihrem angestammten Gebiet.

4.1. 3

Der Südosten

Beim Kulturareal des Südostens handelt es sich um die semitropische Region nördlich des Golf von Mexiko und südlich der amerikanischen Mittelatlantikstaaten. Es erstreckt sich von der Atlantikküste bis nach Zentraltexas.

Die Kultivierung einheimischer Pflanzen begann im späten Archaikum um etwa 3000 v. Chr. Im Jahr 1400 v. Chr. entstand in der Nähe der heutigen Stadt Vicksburg, im US-Bundesstaat Mississippi, eine Stadt, die von den Archäologen als Poverty Point bezeichnet wird. Wie in den Städten der Mississippi-Kultur fanden sich in Poverty Point ein großer öffentlicher Platz und gewaltige Erdhügel, die als Tempel-Plattformen oder als Bestattungsorte dienten.

Um 500 v. Chr. entwickelte sich der Maisanbau. Es wurden zahlreiche Städte gegründet und weitverzweigte Handelsbeziehungen für handwerklich hergestellte Waren aufgebaut. Als erster Europäer erkundete der spanische Eroberer Hernando de Soto mit seinen Truppen zwischen 1539 und 1542 den Südosten. Den dabei von den Spaniern eingeschleppten Epidemien fielen Tausende von Indianern zum Opfer.

Zu den wichtigsten Stämmen des Südostens gehörten die Cherokee, die Choctaw, die Chickasaw, die Creek und die Seminolen; diese fünf Stämme wurden von den Eroberern als die „Fünf zivilisierten Stämme” bezeichnet, da sie hinsichtlich Sozialorganisation und Wirtschaftsform den europäischen Staaten ähnelten. Bekannt sind auch die Natchez, deren hoch entwickelte Moundbuilder-Kultur von den Europäern im 18. Jahrhundert zerstört wurde.

4.1. 4

Die Plains

Bei den nordamerikanischen Plains handelt es sich um die Steppengebiete, die von Zentralkanada bis nach Mexiko und vom Mittleren Westen bis zu den Rocky Mountains reichen. Seit 850 n. Chr. entstanden am Missouri und anderen Flüssen der zentralen Plains Siedlungen, in denen Ackerbau betrieben wurde. Bei den meisten Plainsstämmen handelte es sich um kleinere nomadisierende Gruppen, die den Herden hinterherzogen und sie zum Schlachten in Pferche trieben. Bis zur Ausrottung der Büffelherden in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts war die Jagd auf diese Tiere die Lebensgrundlage der meisten Gruppen dieses Kulturareals. Zu dieser Zeit lebten lediglich 130 000 Indianer in diesem riesigen Gebiet.

Die Traditionen der Plains-Indianer gelten als „typisch” für Indianer schlechthin; dazu gehören der lange Federschmuck, das Tipi, die Friedenspfeife sowie die Kostüme und die Tänze. Sie wurden im 19. Jahrhundert bekannt, als die europäischen Kolonisten das Land eroberten und Zeitungen, Zeitschriften und Photographen das Leben an der Indianergrenze (Frontier) dokumentierten.

Zu den frühen Plains-Stämmen gehörten die Blackfoot, die auf Büffeljagd gingen, sowie die Mandan und Hidatsa, die am Missouri Landwirtschaft betrieben. Als die europäischen Kolonisten das östliche Waldland übernahmen, wanderten zahlreiche Stämme des Mittleren Westens in die Plains aus. Zu diesen gehörten die Sioux, die Cheyenne und die Arapaho. Zuvor, um etwa 1450, waren bereits die Schoschonen und die Comanchen aus den Tälern westlich der Rocky Mountains in die Plains eingewandert. Um 1630 hatten sich diese Stämme darauf spezialisiert, Pferde von den spanischen Ranches in New Mexico zu stehlen und im gesamten Gebiet der Plains gegen andere Waren einzutauschen. Der Diebstahl des Lieblingspferdes eines bedeutenden Kriegers war mit hohem Ansehen verbunden.

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