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Indianer

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5

Traditionelle Lebensweise

Grundlage der Sozialorganisation der Indianer war und ist zum größten Teil die Familie. Einige indianische Gesellschaften betonen die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Mann und Frau, andere die von Bruder und Schwester.

Die kleinsten Gesellschaften fand man in den Regionen mit dem geringsten Nahrungsangebot. Dazu gehören die nordamerikanischen Cree, die kanadischen subarktischen Stämme der Sprachgruppe der Athapasken, die Paiute in der Wüste Nevadas sowie die Ona und die Yahgan aus Feuerland. Sofern Landwirtschaft möglich war, umfassten die Gemeinschaften bis zu einigen tausend Personen. Im größten Teil der heutigen Vereinigten Staaten lebten die Menschen in Dörfern und gingen lose Bündnisse mit benachbarten Dörfern ein. Das Bündnis sowie jedes Dorf wurden von Räten regiert; in den Dorfräten saß meist ein Vertreter jeder Familie, in den Bündnisräten Vertreter jedes Dorfes. Der Rat wählte einen Mann, bzw. in einigen Gebieten (insbesondere im Südosten Nordamerikas) auch eine Frau, zum Häuptling; d. h. zum Vorsitzenden des Rates und als Vertreter der Gruppe nach außen. In vielen Gebieten waren die Familien in den Dörfern zu so genannten Clans zusammengeschlossen. Die Clans waren gewöhnlich im Besitz bestimmter Ressourcen wie landwirtschaftlich nutzbarer Flächen oder Fischgründe; diese Ressourcen wurden dann je nach Bedarf unter den Familienmitgliedern aufgeteilt und gemeinsam verteidigt.

Im präkolumbischen Mesoamerika und in den südamerikanischen Anden entstanden Reiche mit einer geschichteten Gesellschaft, die hunderttausende oder mitunter sogar Millionen von Individuen umfassten. Die Bewohner gehörten in der Regel einer Staatsreligion an, obwohl mitunter auch regionale Religionen weiter ausgeübt wurden. Kriegsgefangene und Schuldner wurden oft zu Sklaven. Das Inka-Reich war straff organisiert und verwaltet; oft wurden zum Wohl des Staates Einzelpersonen oder ganze Ortschaften umgesiedelt. In Mesoamerika wurde den clanähnlichen Lokalgruppen dagegen in der Regel ein gewisses Maß an Selbstverwaltung zugestanden. Die religiösen Vorstellungen und Zeremonien der Indianer waren höchst unterschiedlich (siehe Schamanismus). Zu den öffentlichen Ritualen in Nordamerika gehörten der Sonnentanz und der Schlangentanz (siehe präkolumbische Kunst und Architektur).

5.1

Handel und Verkehr

Außerhalb der mesoamerikanischen und andinen Hochkulturen lag der Handel meist in den Händen fahrender Händler, die in jedem Dorf vom Häuptling begrüßt wurden, dem auch die Überwachung der Geschäfte oblag. In vielen Gebieten dienten kleine Muschelschalen oder Perlen, die im östlichen Waldland als Wampum bezeichnet wurden, als Geldersatz. Pelze und farbenprächtige Federn waren fast überall begehrte Handelswaren. Im westlichen Nordamerika gehörten Trockenlachs, Fischöl und Korbwaren zu den wichtigsten Handelsgütern; im östlichen Nordamerika waren es gegerbte Hirschfelle, Kupfer, Pfeifenköpfe aus Catlinit, Perlen und Muschelschalen.

5.2

Sprachen

Gegenwärtig sind etwa 1 000 Indianersprachen in Nord- und Südamerika in Gebrauch; hunderte weiterer Sprachen sind seit dem ersten Kontakt mit den Europäern ausgestorben. In vielen Regionen sprachen die Menschen oft nicht nur ihre Muttersprache, sondern auch die Sprache der Gruppen, mit denen sie häufig Kontakt hatten. In verschiedenen Fällen diente eine einzige Sprache als Verkehrssprache für eine mehrsprachige Region. Beispiele hierfür sind das Tucano im Bereich des westlichen Amazonas und das Quechua in der Andenregion. In einigen Regionen wurden Handels- oder Pidgin-Sprachen benutzt. Dazu gehörten der Chinook Jargon an der nordamerikanischen Nordwestküste und das Mobilian im Osten der Vereinigten Staaten. Die Sprachwissenschaftler haben die zahlreichen Indianersprachen in etwa 180 Familien eingeteilt. Über weitergehende Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Sprachfamilien herrscht in der Wissenschaft Uneinigkeit. Grammatische Strukturen, Lautsysteme und Wortbildungsmethoden unterscheiden sich zwar oft von Familie zu Familie, dennoch beeinflussen sich häufig die verschiedenen Sprachfamilien einer bestimmten Region.

5.3

Erste Kontakte mit Europäern

Die ersten Europäer, die in San Salvador (Bahamas), Roanoke (North Carolina) oder Chaleur Bay (New Brunswick) landeten, wurden von der ansässigen Bevölkerung freundlich aufgenommen. Aus späteren Berichten geht hervor, dass die Indianer des 16. und 17. Jahrhunderts die Europäer ziemlich gering schätzten. So galten weiße Europäer oft als geizig, habsüchtig und unersättlich in ihrer Gier nach Biber- und Hirschfellen. Die Indianer waren auch erstaunt über die intolerante Haltung der Europäer gegenüber ihren Glaubensvorstellungen, den Sexual- und Heiratsvorschriften, den Ernährungsgewohnheiten und anderen Traditionen.

„Wir kamen hierher, um Gott zu dienen und um reich zu werden”, so ein Mitglied der Truppen des spanischen Eroberers Hernán Cortés. Die spanischen Eroberer und andere Abenteurer wollten das Land und die Arbeitskraft der amerikanischen Ureinwohner; die Priester und Geistlichen beanspruchten ihre Seele. Letztlich führte beides zur Ausrottung zahlreicher altamerikanischer Völker.

Im Gegensatz zu den gängigen Vorurteilen waren die ethischen Grundlagen der Eroberung im Spanien des 16. Jahrhunderts durchaus umstritten. Einflussreiche spanische Juristen und Humanisten diskutierten ausführlich über die Rechtmäßigkeit des Landraubes an den Indianern und der spanischen Herrschaft über sie (siehe Las Casas).

Da die Franzosen vor allem am Pelzhandel interessiert waren, ergab sich für Kanada eine andere Konstellation. Es hätte den Interessen der Franzosen geschadet, ihre Geschäftspartner schlecht zu behandeln. Die indianischen Jäger brachten in der Aussicht auf einen lukrativen Tauschhandel die Pelze nach Montreal, Trois-Rivières und Quebec.

Die relative Unabhängigkeit der indigenen Völker Kanadas wurde auch dadurch begünstigt, dass die Franzosen auf Verbündete im Kampf gegen Großbritannien angewiesen waren, dies vor allem in der Region der 13 Kolonien im Süden und an der Hudsonbai im Norden. Sowohl bei den Franzosen als auch bei den Briten kamen indianische Hilfstruppen zum Einsatz.

Die Franzosen tolerierten Ehen zwischen Europäern und Indianern, die Briten verboten diese. Im Gegensatz zu den Franzosen in Kanada siedelten die Briten an der Atlantikküste der heutigen Vereinigten Staaten in relativ großer Zahl und verdrängten dabei viele Gruppen. Für die britische Wirtschaft spielte die altansässige Bevölkerung kaum eine Rolle. Sie wurde im Allgemeinen als Hindernis für den Fortschritt angesehen, es sei denn, man konnte sie im Krieg gegen die Franzosen verwenden. In diesen Fällen versuchten die Briten sich Neutralität oder Unterstützung der indigenen Gruppen durch Geschenke zu erkaufen.

5.4

Auswirkungen von Krankheiten

1492 gehörten die Karibik, Mexiko, Mittelamerika und das andine Südamerika zu den am dichtesten bevölkerten Regionen der Welt. Innerhalb weniger Generationen kam es jedoch in all diesen Gebieten zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang. Zurückzuführen ist das zu einem großen Teil auf Infektionskrankheiten wie Pocken, Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Erkrankungen, die von den Europäern eingeschleppt wurden. Da diese Krankheiten im präkolumbischen Amerika unbekannt waren, hatte das Immunsystem dieser Menschen keine Abwehrstoffe aufbauen können.

Die Krankheiten hatten insbesondere in Lateinamerika katastrophale Auswirkungen, wo die Ansteckungsgefahr in Großstädten wie Tenochtitlán und Cuzco besonders groß war.

Nachdem die indigene Bevölkerung der Karibik beinahe ausgerottet worden war, verlegten sich die Spanier zunächst auf die Sklavenjagd auf dem Festland des heutigen US-Bundesstaates Florida, um Arbeitskräfte zu rekrutieren. Da damit der Bedarf nicht gedeckt werden konnte, begann man mit der Verschleppung westafrikanischer Sklaven, die auf den Zuckerrohrplantagen und in den Silberminen arbeiten mussten.

Die überlebenden Indianer wurden oft mit ihrem ganzen Dorf einem Plantagen- oder Minenbesitzer unterstellt, der über ihre Arbeitskraft verfügen konnte. Dieses Encomienda-System war im Grunde genommen eine Form der Sklaverei.

Unter den nomadischen Sammler- und Jägerkulturen in den kanadischen Wäldern richteten die Seuchen vermutlich weniger katastrophale Schäden an. Die sesshaften, Landwirtschaft betreibenden Stämme wie die Huronen am Ontariosee litten jedoch unter massiven Bevölkerungsverlusten aufgrund von Epidemien, die vermutlich von Jesuiten-Priestern und deren Helfern verursacht worden waren, die in der Region Missionsstationen errichtet hatten.

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