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Windows Live® Suchergebnisse Bob DylanEnzyklopädieartikel
Bob Dylan, eigentlich Robert Allen Zimmerman, (*1941), amerikanischer Popmusiker; Sänger, Gitarrist, Mundharmonikaspieler und Komponist. Als wandlungsfähiger Musiker und Protagonist der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gehört er zu den populärsten und einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Popmusik. Dylan wurde am 24. Mai 1941 in Duluth (Minnesota) geboren. Als Sohn eines Händlers für Haushaltsgeräte verbrachte er seine jüdisch orthodox geprägte Kindheit und Jugend im Grubenrevier von Hibbing, einer Bergbaustadt in der Nähe der kanadischen Grenze. Er spielte ab dem 12. Lebensjahr Gitarre, verehrte Hank Williams ebenso wie Little Richard und versuchte Ende der fünfziger Jahre, mit der Band The Golden Chords in der lokalen Countryszene Fuß zu fassen. Ab 1959 studierte er Kunst an der University of Minnesota, trat abends jedoch auf Folkbühnen in Bars wie The Ten O’Clock Scholar auf und änderte seinen Künstlernamen von Elton Gunn in Bob Dylan. Nach kurzer Zeit brach er sein Studium ab, reiste nach New York und hatte seinen ersten wichtigen Auftritt am 11. April 1961 im Vorprogramm des Bluesveteranen John Lee Hooker. Von da an gehörte Dylan zur Folkszene in Greenwich Village und entwickelte aus einem Stilgemisch von Woody Guthrie, Jimmie Rodgers, Chuck Berry und Leadbelly seine individuelle Ausdrucksform. Mit brüchig kehliger Stimme, markant rauer Intonation und nachlässiger Artikulation repräsentierte er bereits auf seinem LP-Debüt Bob Dylan (1962) ein vage vorhandenes Lebensgefühl des mentalen Aufbruchs jenseits der bürgerlichen Ästhetik, das sich wenig später zur allgemeinen Gemütslage der Flower-Power-Generation verdichten sollte. Die folgenden Jahre bis hin zu seinem schweren Motorradunfall am 29. Juli 1966 waren von großer Schaffenskraft bestimmt. Auf seinem zweiten Album The Freewheelin’ Bob Dylan (1964) erschien einer der populärsten Songs der folgenden Jahre, Blowin’ In The Wind. Erstaunlich kontrolliert produzierte Dylan Hitalben in Serie, u. a. The Times They Are A-Changing (1964) und Another Side Of Bob Dylan (1964). Bringing It All Back Home (1965) mit Mr Tambourine Man, It’s All Over Now, Baby Blue, Maggie’s Farm und Highway 61 Revisited (1965) mit Like A Rolling Stone und Ballad Of A Thin Man avancierten unmittelbar nach ihrem Erscheinen zu Kultalben der Protestgeneration. Als Dylan daher 1965 auf das Newport Folk Festival geladen wurde, war er bereits ein Star. Indem er aber erstmals mit elektronischen Instrumenten spielte und demonstrativ mit dem Klischee der akustischen Authentizität brach, gab er das Signal für die Verbindung von Folk- und Rockelementen, die in den folgenden Jahren zum zentralen Thema amerikanischer Popularmusik wurde. Mit Blonde on Blonde (1966) erschien das erste Doppelalbum der Rockgeschichte, das weitere Dylan-Klassiker wie I Want You, Just Like a Woman oder Sad Eyed Lady of the Lowlands enthielt. Nach seinem Unfall zog sich Dylan eine Zeit lang aus der Öffentlichkeit zurück. Er übte im Verborgenen mit den Kollegen seiner Gruppe The Band, versuchte mit John Wesley Harding (1968) ein ironisches Comeback als Countrysänger, lieferte aber mit Self Portrait (1970) bald darauf den Abgesang auf die kurze Epoche der Veränderung, den er mit literarischen Versuchen wie Tarantula (1971) ergänzte. Sein Auftritt als Schauspieler in Sam Peckinpahs Western Pat Garrett and Billy the Kid (1972; Pat Garrett jagt Billy the Kid), zu dem er auch die Musik schrieb, blieb weitgehend folgenlos, obwohl das Filmporträt Don’t Look Back (1967) zuvor als cineastischer Geheimtipp gehandelt worden war. Nach Jahren der Bühnenabstinenz begab sich Dylan 1974 wieder auf Tournee, mit sensationellem Erfolg sowohl für die Konzerte als auch für die gleichzeitig veröffentlichte LP Planet Waves. Bis zu seiner Konversion zu den Wiedergeborenen Christen 1978 folgten entspannte und engagierte Jahre, die den Sänger wieder um die Welt führten und als politischen Aktivisten z. B. mit Benefizkonzerten 1976 für den unschuldig verurteilten schwarzen Boxer Ruben Carter eintreten ließen. Dylans fundamentalistisch-religiöse Phase bis 1983 resultierte in Alben voller Sendungsbewusstein wie Slow Train Coming (1979), Saved (1980) und Shot Of Love (1981) und brachte dem Künstler seinen ersten Grammy für den Song You Gotta Serve Somebody. Berechenbar nur in seiner Wandlungsfähigkeit, wendete Dylan sich aber spätestens mit Infidels (1983) vom religiösen Fundamentalismus ab und ging wieder auf Tournee, begleitet von Tom Petty & The Heartbreakers und zuweilen zusammen mit Grateful Dead (Dylan & The Dead live, 1989). In den neunziger Jahren wurde er in steter Regelmäßigkeit als Topact großer Festivals wie im Madison Square Garden oder in São Paulo gefeiert, veröffentlichte weiterhin neue Lieder auf Under The Red Sky (1990), Good As I Been To You (1992), World Gone Wrong (1993), Unplugged (1995) und auf dem viel beachteten, mit drei Grammys prämierten Album Time Out Of Mind (1997). Er engagierte sich bei Veranstaltungen wie Sun City, Live Aid, Farm Aid und Amnesty International’s Conspiracy Of Hope als Befürworter humanistischer Integrität. Für seinen Song Things Have Changed aus dem Film Wonder Boys (2000) von Curtis Hanson wurde Dylan mit einem Oscar ausgezeichnet. Mit dem Album Love and Theft (2001) besann er sich auf die Wurzeln des Country und Blues in den zwanziger und dreißiger Jahren und Größen wie Jimmie Rodgers, Robert Johnson und Charley Patton. Mit Bob Dylan begann die Emanzipation der Popmusik von den Themen Liebe, Leidenschaft und Selbstdarstellung. Seit er sich Anfang der sechziger Jahre in der Folkszene bemerkbar machte, schaffte er es mit aufmerksamer Offenheit, sowohl stilistische Trends aufzuspüren und zu konkretisieren als auch anspruchsvolle Texte mit politischen, philosophischen und gesellschaftlichen Themen in populäre Formen zu bringen. Seine Protestsongs markierten den Beginn einer weltweiten Rückbesinnung auf die Ursprünge musikalischen und sozialen Empfindens. Vor allem in der Hippie-Ära, aber auch in der Phase neuer künstlerischer Innerlichkeit und erweiterten politischen Bewusstseins, die seit den siebziger Jahren Teile der Jugend- und Alternativbewegung prägte, gingen zahlreiche gestalterische und inhaltliche Impulse von Dylans Liedern aus. Da er als Verehrer von James Joyce, François Villon oder Bertolt Brecht besonderen Wert auf die Ausformung seiner Texte legte, wurde er zum Maßstab einer jungen Singer/Songwriter-Generation, die seine lyrische Kompetenz bewunderte. Seinen Künstlernamen widmete und entlehnte er dem walisischen Dichter Dylan Thomas, dessen dionysische Lebenssucht ihn in jungen Jahren beeindruckte. Trotz kreativer Einbrüche, wie während seiner fundamentalistisch christlichen Phase Ende der siebziger Jahre, schaffte er es, als Ahnherr der Folkpoesie mit melancholischem Flair und Vorreiter der Bürgerrechtsbewegung seinen Platz in der amerikanischen Kulturgeschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts zu behaupten. Unter dem Titel Chronicles Volume One (2004) veröffentlichte Dylan seine Autobiographie. Wie es dem Image des mysteriösen Musikers entspricht, enttäuscht das Werk manche Erwartungen und lässt viele Fragen offen, gibt andererseits aber doch interessante Einblicke in das Leben eines Künstlers, der zur Stimme einer ganzen Generation wurde. Der souverän erzählte Memoirenband umreißt das Leben Dylans als Außenseiter, Musiker und Popstar wider Willen. Übertragen von dem deutschen Schriftsteller Gisbert Haefs erschienen in einer zweisprachigen Ausgabe sämtliche Songtexte des Musikers aus vier Jahrzehnten unter dem Titel Bob Dylan: Lyrics 1962-2001 (2004). Der Band belegt Dylans Qualitäten als Lyriker, der immer wieder auch als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt wird.
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