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Offenbarung

Enzyklopädieartikel

Offenbarung, die Selbstmitteilung Gottes, d. h. Gottes Enthüllung seines göttlichen Wesens oder göttlichen Willens gegenüber den Menschen.

Die meisten der großen Weltreligionen gründen auf Offenbarungen, aus denen sich ihre Lehren und Kulte entwickelten. Die Offenbarung kann in Form einer Vision erfolgen oder sie besteht nur aus Worten. Im Alten Testament sieht Moses einen brennenden Busch, aus dem die Stimme Gottes ertönt (Altes Testament, Exodus 3). Mohammed hört ein Geräusch wie eine Glocke, das sich dann in Worte auflöst. In dem hinduistischen Epos Bhagavadgita wird erzählt, Prinz Ardschuna habe gesehen, wie sein Wagenlenker Krishna seine wahre Gestalt als Gott angenommen habe. Auch historische Ereignisse lassen sich als Offenbarung deuten z. B. der Auszug der Israeliten aus Ägypten oder das Leben Jesu. Mittelbar ist eine Offenbarung, wenn in der Natur oder in der Geschichte das göttliche Walten erblickt wird. In der unmittelbaren Offenbarung teilt Gott sich in einer Theophanie (Erscheinen der Gottheit) oder besonderen Erlebnissen wie Visionen, Träumen oder bestimmten Ereignissen mit (siehe Epiphanie, Prophetie). Mittelbare und unmittelbare Offenbarung können sich ergänzen. So lehren Christentum wie Islam, dass Gott sich in der Natur zeigt, wobei jedoch die durch ihre Gründer vermittelten unmittelbaren Offenbarungen im Mittelpunkt stehen. Auch im Judentum sind die Moses und den Propheten in der Bibel zugeschriebenen Offenbarungen grundlegend für den Glauben. Das wichtigste Element aller Offenbarung ist die Begegnung mit dem Göttlichen, und es ist die Aufgabe der religiösen Lehre und Überlieferung, diese Begegnungen zu deuten und weiterzugeben.

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