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Artikelgliederung
Einleitung; Ursprünge und Einflüsse; Melodie und Rhythmus; Musikalische Gattungen; Instrumente und Musizierpraxis; Arabische Musik im Wandel; Volksmusik
Arabische Musik, die Musik des arabischen Kulturkreises im Nahen Osten und in Nordafrika. Die Tradition der arabischen Musik existiert seit Jahrtausenden, und obwohl diese Musik im Lauf ihrer Entwicklung grundlegende Änderungen erfahren hat, bewahrt sie doch bestimmte charakteristische Eigenschaften.
Die Tradition der arabischen Musik entstand an den Höfen der Dynastien des islamischen Weltreiches und erlebte ihre Blütezeit vom 7. Jahrhundert bis zum Fall von Bagdad im 13. Jahrhundert. Von herausragender Bedeutung war sie auch während der Omaijaden-Dynastie im 7. und 8. Jahrhundert in Syrien. Große arabische Musiker zog es unter Herrschern wie Harun ar-Rashid, der im 8. Jahrhundert ein wichtiger Förderer der Musik war, nach Bagdad, der heutigen Hauptstadt des Irak. Die Städte des islamischen Weltreiches, von Spanien über Nordafrika bis in den Nahen Osten, brachten zahlreiche ausgezeichnete Musiker hervor. Oft waren diese Musiker Komponisten, Dichter und Interpreten in einer Person. Zwar setzte die Hochzeit der arabischen Musik erst mit dem Aufkommen des Islam zu Beginn des 7. Jahrhunderts ein, doch hat diese Musiktradition ihre Ursprünge bereits in präislamischer Zeit. Vor dem islamischen Weltreich verkörperte die arabische Musik die Tradition der persischen Sassaniden-Dynastie (226-641), des frühen Byzanz (4. bis 6. Jahrhundert) und der gesungenen Dichtung der Arabischen Halbinsel. Arabisch sprechende Gelehrte studierten die musiktheoretischen Schriften der griechischen Philosophen des Altertums. Musiktheoretiker des 10. und 11. Jahrhunderts, z. B. Al Farabi und Ibn Sina (Avicenna), entwickelten eine eigene Musiklehre, basierend auf den Abhandlungen der alten Griechen und auf der zeitgenössischen Musik. Die von den arabischen Gelehrten übersetzten Werke der Griechen wurden später von europäischen Wissenschaftlern und Philosophen studiert.
Die arabische Musik ist eine primär melodisch bestimmte Kunst. Die Melodien werden aus einer großen Vielzahl von Melodiemodellen, den so genannten Maqamat (Singular: Maqam), gebildet. In den arabischen Musikschriften sind 52 Maqamat belegt, von denen mindestens zwölf häufig verwendet werden. Diese Melodiemodelle enthalten mehr Töne pro Oktave als die westliche Tonleiter und weisen auch wesentlich kleinere Intervalle auf (die so genannten Mikrotöne). Der Klang der arabischen Musik wird von der Melodie beherrscht, was dem Musizierenden eine äußerst nuancierte Vortragsweise ermöglicht und großen Spielraum für kreative Improvisation gibt. Charakteristisch sind außerdem durchgehende und oft komplizierte Verzierungen. Die rhythmische Struktur arabischer Musik ist ebenfalls sehr komplex. Ein Rhythmuszyklus hat gewöhnlich bis zu 48 Taktschläge und enthält mehrere betonte (dums) und unbetonte Taktteile (taks) sowie Pausen. Eine der längsten heute noch in Syrien gespielten Perioden umfasst sogar 176 Schläge. Das Beherrschen dieser Melodie- und Rhythmussysteme ist eine der Voraussetzungen für das Komponieren und Vortragen von arabischer Musik. Der Musikschüler lernt zwar auch ganze Musikstücke, seien es Vokal- oder Instrumentalstücke, führt sie jedoch selten genau so auf, wie sie ursprünglich komponiert oder vorgetragen wurden. Ein guter Musiker bietet dem Zuhörer bei jeder Aufführung etwas Neues, indem er ein bekanntes Stück oder Modell variiert oder darüber improvisiert. Die Art und Weise, wie ein Musiker improvisiert, hängt von der Resonanz des Publikums ab. Vom Zuhörer wird erwartet, dass er während der Aufführung sein Gefallen kundtut, sei es durch Kommentare oder durch Applaus. Stille im Publikum wird als mangelndes Interesse oder Missfallen gedeutet. Der Zuhörer ist ein aktiver Teilnehmer der Aufführung, der die Dauer der Darbietung mitbestimmt und das Musikstück sozusagen mitformt, indem er den Musiker dazu ermutigt, einen Abschnitt zu wiederholen oder einen neuen Abschnitt aufzunehmen.
Sprache und Musik sind in der arabischen Musik seit jeher eng miteinander verknüpft. Das Singen ist ein zentrales Element dieser Kunst. Der Koran, die heilige Schrift der Muslime, wird gewöhnlich öffentlich laut rezitiert, wobei man sich der Melodiemodelle der traditionellen arabischen Musik bedient. Gebetsrufe und -lieder in der islamischen Musik schöpfen mehr aus dem musikalischen System, betonen den Text jedoch ähnlich wie bei der Koranrezitation. Neben der Korankantillation sind die wichtigsten Formen der religiösen arabischen Musik die Gebetsrufe des Muezzins und die Sufi- und Derwischmusik der islamischen Orden. Das Singen des Qasidah, eines langen, erzählenden Gedichts, das die Natur, politische Ereignisse oder religiöse Hingabe beschreibt, ist ein Beispiel für die präislamische klassische Tradition. Die übrigen Formen der arabischen Musik sind die suitenartige Nauba, der Taqsim und die poetischen Gesangsformen Muwaschschat und Zadjal (beide andalusischen Ursprungs).
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