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Windows Live® Suchergebnisse VerhaltensmodifikationEnzyklopädieartikel
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Verhaltensmodifikation, psychologische Methoden, um eine mangelhafte oder fehlerhafte Anpassung an die Umwelt zu behandeln und beobachtbare Verhaltensmuster zu verändern. Im Verlauf der Verhaltensmodifikation werden die angewendeten Prozeduren überwacht, so dass im Bedarfsfall Änderungen angebracht werden können. Basis ist die Grundthese, dass jede Verhaltensstörung erlernt wurde und durch entsprechendes Gegenlernen abgebaut werden kann. Physischer und psychischer Zwang, Gehirnchirurgie, Gehirnwäsche, der Einsatz von Drogen und Psychotherapie werden oft als Methode zur Verhaltensmodifikation angesehen. Keine dieser Maßnahmen bewirkt jedoch eine Verhaltensmodifikation im eigentlichen Sinne, also in dem Sinne, in dem der Begriff in der modernen Psychologie verwendet wird.
Die Grundlagen der Verhaltensmodifikation wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Versuchslabor des russischen Physiologen Iwan P. Pawlow gelegt. Einem Hund wurde beigebracht zu speicheln, wenn ein Kreis auf eine Leinwand projiziert wurde, und nicht zu speicheln, wenn eine Ellipse gezeigt wurde. Die Form der Ellipse wurde allmählich so verändert, dass sie dem Kreis ähnelte. Wenn auch nur eine geringfügige Veränderung zwischen dem Kreis und der Ellipse sichtbar wurde, wurde der Hund erregt und zeigte nicht mehr die konditionierte Reaktion, die ihm antrainiert worden war. Diese Art von Störung nannte man eine experimentell induzierte Neurose. Ein weiteres Ereignis, das einen zweiten Meilenstein in der Geschichte der Verhaltensmodifikation darstellt, war die Übertragung von Pawlows Konditionierungsprinzipien auf Menschen. 1920 berichteten die amerikanischen Psychologen John B. Watson und Rosalie Rayner über ein Experiment, in dessen Verlauf ein elf Monate altes Baby dazu gebracht worden war, Angst beim Anblick einer Laborratte zu empfinden, mit der es zuvor noch gespielt hatte, weil es ein lautes Geräusch mit dem Tier assoziierte. Hierbei handelt es sich um einen Prozess, der als paarweises Assoziieren oder paired associate learning (PAL) bekannt ist. Die Psychologin Mary Cover Jones führte später Experimente durch, die bei Kindern bereits erworbene Ängste verringern sollten. Sie stellte fest, dass zwei Methoden dabei besonders effektiv waren: das Assoziieren des beängstigenden Objekts mit einem anderen Reiz, der eine positive Reaktion auslösen kann, und die gleichzeitige Anwesenheit von anderen Kindern, die keine Angst vor dem gefürchteten Objekt hatten. Methoden der Verhaltensmodifikation wurden in den vierziger und fünfziger Jahren von Psychologen in England, Südafrika und den Vereinigten Staaten angewendet. Joseph P. Wolpe, ein südafrikanischer Humanmediziner, stellte die Wirksamkeit von Psychotherapie bei der Behandlung gestörter junger Erwachsener in Frage, vor allem jener Erwachsener, die krankhafte Angstreaktionen zeigten. Um Angststörungen zu behandeln, entwickelte Wolpe Behandlungsmethoden, die auf Pawlows klassischem Konditionierungsmodell beruhten. Etwa zur selben Zeit startete eine Gruppe von Psychologen in London unter der Leitung von Hans J. Eysenck und M. B. Shapiro ein neues Forschungsprogramm zur Entwicklung von Behandlungsmethoden, wobei sie ihre Untersuchungen auf die Lerntheorie der amerikanischen Psychologen Clark L. Hull und Kenneth W. Spence stützten. In den USA trugen zwei Forschungsmethoden dazu bei, den Bereich der Verhaltensmodifikation zu etablieren. Die eine stellte eine weitere Ausweitung der klassischen Konditionierungsprinzipien auf medizinische Probleme wie Bettnässen und Alkoholismus dar. Die andere bestand in der Anwendung der Prinzipien der von B. F. Skinner entwickelten operanten Konditionierung auf die Erziehung und Ausbildung von behinderten Kindern in Schulen und Heimen sowie auf die Behandlung von Erwachsenen in psychiatrischen Krankenhäusern. In den frühen sechziger Jahren war die Verhaltensmodifikation zu einer klar abgegrenzten Richtung in der angewandten Psychologie geworden, die aus zwei Komponenten bestand: Verhaltenstherapie und angewandter Verhaltensanalyse.
Einige der in der Verhaltenstherapie angewandten Behandlungsmethoden wurden so bekannt, dass sie eigene Namen hatten: systematische Desensibilisierung, Aversionstherapie und Biofeedback. Bei der systematischen Desensibilisierung versucht man, Störungen zu behandeln, die klar identifizierbare Ursachen haben, wie z. B. lähmende Angst vor geschlossenen Räumen. Bei dieser am weitesten verbreiteten Methode lernt das Individuum, sich in Anwesenheit von angsterzeugenden Reizen zu entspannen. Der Therapeut geht davon aus, dass die Angstreaktion allmählich durch die neue Reaktion Entspannung abgelöst wird; dieses Phänomen nennt man reziproke Hemmung. Die Aversionstherapie wird eingesetzt, um Patienten von gesundheitsschädlichen Angewohnheiten zu heilen. Ein aversiver Reiz, z. B. ein Elektroschock, wird zusammen mit der schädlichen Angewohnheit verabreicht, z. B. beim Anzünden einer Zigarette oder beim Genuss eines alkoholischen Getränks. Durch wiederholtes paarweises Assoziieren sollten sich die Werte dieser Reize von positiver Anziehungskraft in Ekel verwandeln. Mit dieser sehr umstrittenen Form der Verhaltensmodifikation wurde auch versucht, Veränderungen bei sexuellen Verhaltensweisen zu erzielen, die man für nicht wünschenswert hielt. Biofeedback wird am häufigsten bei gestörtem Verhalten angewendet, das eine körperliche Ursache hat. Es liefert einem Individuum Informationen über einen ständig ablaufenden körperlichen Vorgang, wie den Blutdruck oder die Pulsfrequenz. Mit der Hilfe technischer Geräte können momentane Veränderungen der Körperfunktionen vom Individuum beobachtet und überwacht werden. Der Therapeut kann den Patienten auch für wünschenswerte Veränderungen belohnen, wie z. B. für eine Verminderung des Bluthochdrucks. Die angewandte Verhaltensanalyse wird eingesetzt, um erzieherische und behandelnde Maßnahmen zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Individuums zugeschnitten werden können. Sie folgen während der Behandlung trotzdem immer noch einer festen Struktur, ganz gleich, ob die Patienten geistig zurückgebliebene oder gestörte Kinder in einer Schule oder einem Heim sind oder Erwachsene in einer psychiatrischen Klinik oder einem Rehabilitationszentrum. Dieser Ansatz ist von fünf grundlegenden Schritten gekennzeichnet: die Entscheidung, was das Individuum selbst zur Besserung seines Problems beitragen kann; das Entwickeln eines Programms, um unerwünschte Verhaltensweisen abzuschwächen und erwünschte Verhaltensweisen zu fördern; die Durchführung des Behandlungsprogramms nach Verhaltensprinzipien; das Führen von genauen und sorgfältigen Protokollen; und die Veränderung des Programms, wenn dadurch bessere Fortschritte erzielt werden können. Seit Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts sind neue Techniken der Verhaltensmodifikation entwickelt worden, die zusammenfassend als Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie bzw. als Selbstmodifikationsmethoden bezeichnet werden. Diese Entwicklungen sind unter dem Einfluss der kognitiven Wende in der Psychologie (siehe kognitive Psychologie) entstanden und stellen ein allmähliches Abrücken von den simplen Reiz-Reaktions-Modellen des Behaviorismus dar. In den Anfängen der Verhaltenstherapie war der Therapeut die entscheidende, das therapeutische Geschehen bestimmende Person. In der kognitiven Verhaltenstherapie wird dagegen der Patient selbst aktiv, er wird sozusagen sein eigener Kotherapeut unter Anleitung des Therapeuten. Das hat den Vorteil, auch solche Verhaltensweisen einbeziehbar zu machen, die sich in der privaten Sphäre abspielen (z. B. Gedanken, Vorstellungen, verbale Selbstinstruktionen). Der Patient wird auf diese Weise unabhängiger von der Beeinflussung durch seine Umwelt und gewinnt allmählich die Fähigkeit, sein Verhalten selbst zu beeinflussen (daher der Begriff Selbstmodifikation). Die Bildung und Stärkung der Erwartung des Patienten, selbst etwas bewirken zu können, führt zur Zunahme der Wahrscheinlichkeit, dass das Patientenverhalten tatsächlich etwas in Richtung auf die vorgenommenen Ziele bewirkt. Wichtig ist, dass Ziele realistisch gesetzt werden und dass der Therapeut Rückmeldungen gibt. Dies steigert das Gefühl der Selbstwirksamkeit und damit das Vertrauen in sich selbst, sein Schicksal meistern zu können. Statt bei operant konditionierten Verhaltensweisen materielle Verstärker einzusetzen, können auch Selbstverstärkungen in verbaler Form (z. B.: „Das hast Du gut gemacht”) eingesetzt werden, die sich der Patient selbst verabreicht. Von Seiten der Psychoanalyse hat es immer wieder Kritik an den Techniken der Verhaltensmodifikation gegeben. Insbesondere wurde der Verhaltenstherapie vorgeworfen, gar nicht an der Therapie der zugrunde liegenden „tieferen” Ursachen mangelnder oder fehlender Anpassung interessiert zu sein und sich mit einer wirkungsvollen Behandlung des sichtbaren Verhaltens zu begnügen. Diese Kritik geht insofern ins Leere, als die den Methoden der Verhaltensmodifikation zugrunde liegenden Theorien bestreiten, dass es die von der Psychoanalyse behaupteten, „tieferen” Ursachen überhaupt gibt.
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