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Windows Live® Suchergebnisse William BlakeEnzyklopädieartikel
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William Blake (1757-1827), englischer Dichter, Maler und Kupferstecher. Sein dichterisches Werk ist durch eine außergewöhnliche Kombination von Text und illustrativen Elementen charakterisiert. Blakes von biblischen bzw. mythologischen Stoffen gekennzeichnete Lyrik, die in den späteren Jahren seines Schaffens Züge einer prophetischen Privatkosmogonie annehmen, gehört zu den Höhepunkten der englischen Literatur. Kennzeichnend für seine Arbeiten ist dabei die Abkehr von den rationalistischen Idealen der Aufklärung und die Hinwendung zu Ideen, die Momente der literarischen Romantik antizipieren. In Blakes lyrischen Werken sind deutlich die Einflüsse der deutschen Mystiker, namentlich von Jakob Böhme, sowie von Emanuel Swedenborg erkennbar. Blake wurde am 28. November 1757 als Sohn eines Strumpfwarenhändlers in London geboren. Hier verbrachte er einen Großteil seines Lebens. Seine Kenntnisse in Literatur und bildender Kunst eignete er sich größtenteils autodidaktisch an; schon in jungen Jahren galt er als äußerst belesen. Um den Beruf des Malers zu erlernen, besuchte er zunächst eine Kunstschule, begann dann aber im Alter von 14 Jahren eine Lehre bei dem Kupferstecher James Basire. Nach siebenjähriger Ausbildung schrieb er sich an der Royal Academy of Arts ein, die er jedoch bald wieder verließ, da sich seine Kunstauffassung mit der des dortigen Rektors, Sir Joshua Reynold, nicht vereinbaren ließ (Reynold war überzeugter Anhänger des Klassizismus). Dennoch pflegte Blake auch in späteren Jahren freundschaftliche Beziehungen zu Mitgliedern dieser Akademie wie John Flaxman und Heinrich Füssli, deren Arbeiten auch seinen Stil beeinflussten. 1784 eröffnete Blake eine Druckerei. Obgleich er diese nur einige Jahre lang mit Erfolg betrieb, gelang es ihm, auch fortan als Kupferstecher und Illustrator einen bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen. 1800 zog Blake nach Felpham an der Südküste Englands, wo er bis 1803 lebte und arbeitete. Während dieser Zeit wurde er von dem Mäzen William Hayley unterstützt. Danach verarmte der Künstler zusehends. Blake starb am 12. August 1827 in London. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sein Werk von den Präraffaeliten um Dante Gabriel Rossetti und Algernon Charles Swinburne, enthusiastisch rezipiert. Auch in den Dichtungen von William Butler Yeats und Emily Dickinson wirkte die Lyrik Blakes deutlich nach.
Schon im Alter von zwölf Jahren schrieb Blake Gedichte, die unter dem Titel Poetical Sketches 1783 als Sammlung veröffentlicht wurden. Zwar sind diese noch weitgehend traditionell gehalten, lassen jedoch im Ansatz bereits Blakes innovative stilistische Meisterschaft und die für seine spätere Lyrik kennzeichnende Themenwahl erkennen. Wie sein gesamtes dichterisches Werk fand auch dieser erste Band zu Blakes Lebzeiten nur geringes Interesse. Am bekanntesten wurde seine Gedichtsammlung Songs of Innocence (1789, Lieder der Unschuld). Die darin enthaltenen Gedichte beeindrucken durch plastische Sprachgewalt. 1794 brachte Blake eine zweite Gedichtsammlung mit dem Titel Songs of Experience (Lieder der Erfahrung) heraus, die in Aufbau und Inhalt den Songs of Innocence ähnelt. Hier werden (kindliche) Unschuld und Erkenntnis als „die zwei einander entgegengesetzten Pole der menschlichen Seele” durch kontrastierende Symbole wie „das Lamm” und „der Tiger” gegeneinandergestellt. Blakes späteres Werk ist vom Gedanken geprägt, dass eine unschuldige Sichtweise auch über den Weg der Erkenntnis gewonnen werden kann: Der Dichter erarbeitet sich eine derartige Perspektive kraft seiner schöpferischen Phantasie. Sowohl Songs of Innocence als auch Songs of Experience versah Blake eigenhändig mit Illustrationen und schuf auf diese Weise dekorative Gesamtkunstwerke, bei denen bildliche und sprachliche Aussage nicht getrennt nebeneinanderstehen, sondern in Dialog zueinander treten. Über die technischen Details der illustratorischen Buchkunst des Dichters ist nur wenig bekannt. Vermutlich gravierte er Text und Illustration zu jedem Gedicht in eine Kupferplatte. Nach dem Auftragen von Tinte oder Farbe folgte der eigentliche Druckvorgang, und der Kupferdruck wurde anschließend mit Aquarellfarbe von Hand koloriert. Ebenso wie Blakes Dichtung deutlich mit den Idealen seiner Zeitgenossen bricht, ist an seinen Illustrationen und Gemälden eine ebensolche Abkehr von der im 18. Jahrhundert gängigen akademischen Kunstauffassung ablesbar. Auch hier maß der Künstler der menschlichen Vorstellungskraft einen höheren Stellenwert bei als dem verstandesbetonten Denken und vertrat die Auffassung, dass die ideale Form nicht aus Naturbeobachtung, sondern aus der visionären Kraft des schöpferischen Geistes resultieren müsse. Daher impliziert die rhythmisch-komplexe, quasi fließende Linienführung seiner Illustrationen auch eine Kritik am traditionellen Malstil. Die überschlanken Phantasiegestalten auf Blakes Darstellungen sind eher den Grabstatuen der Gotik nachempfunden, die er während seiner Lehrzeit kopierte, und erinnern an den Stil der Manieristen. Der Einfluss Michelangelos wird vor allem in der drastischen Verkürzung der Perspektive sowie in den übertrieben stark herausgearbeiteten Muskelpartien auf dem als The Ancient of Days (Der Alte der Tage) bezeichneten Frontispiz zu seinem Gedicht „Europe, a Prophecy” (1794, „Europa: Eine Prophezeiung”) deutlich. Für seine künstlerischen Darstellungen wählte Blake meist biblische Motive, so z. B. auch für die Illustrationen zum Werk John Miltons, den er als Dichter hoch schätzte, obgleich er dessen puritanische Weltanschauung ablehnte. Auch für John Bunyans Erbauungsbuch The Pilgrim’s Progress schöpfte er aus dem Fundus der Heiligen Schrift. Darüber hinaus schuf er 21 Bebilderungen zum Buch Hiob. Mit weltlichen Motiven illustrierte er einen Gedichtband von Thomas Gray sowie Edward Youngs für die Entwicklung der Literatur einflussreiche Night Thoughts (Nachtgedanken). Zu letzterem fertigte er 537 Bilder an, von denen dann ganze 43 verwendet wurden.
In seinen so genannten Prophetischen Büchern, die als eine Folge längerer Gedichte nach 1789 entstanden, entwickelte Blake eine komplexe Privatmythologie mit verschlüsselter, teils hermetischer Symbolik. Die Begründung dieser mythopoetischen Kosmogonie lieferte er in einer poetologisch eindringlichen Gedichtzeile: „I must create a system or be enslaved by another man’s” („Ich muss ein eigenes System erschaffen oder mich dem eines anderen unterwerfen”). Hier wird die Autonomie des künstlerischen Ausdrucks in einer Art und Weise eingeklagt, die mit der im Geniekult des deutschen Sturm und Drang vergleichbar ist. Als radikaler Nonkonformist war Blake zudem mit englischen Freidenkern wie Thomas Paine und Mary Wollstonecraft verbunden. In seinen epischen Gedichten verurteilt er die politische und gesellschaftliche Intoleranz des 18. Jahrhunderts. Von daher ist die eigene revolutionäre Dichtungstheorie auch als Protest gegen politische Vereinnahmung zu verstehen und gestaltet eine höchst persönliche Utopie. Beispiele hierfür sind u. a. die Gedichte „The French Revolution” (1791), „America, a Prophecy” (1793, „Amerika, eine Prophezeiung”) und „Europe, a Prophecy” (1794) sowie „Visions of the Daughters of Albion” (1793, „Visionen der Töchter Albions”), wobei Blake in letzterem die Figuren seiner persönlichen Mythologie einführt (darunter befinden sich etwa Urizen als Allegorie einer repressiven Moral und Orc als Erzrebell). Mit der Willkür der Kirche ging Blake in seinem Epos The Book of Urizen (1794, Das Buch Urizen) ins Gericht. The Mental Traveller (ca. 1803) entwirft das Bild eines dämonischen Geschlechterkampfs. Zu Blakes Zyklus der Prophetischen Bücher zählt außerdem das Epos The Marriage of Heaven and Hell (1790-1793, Die Vermählung von Himmel und Hölle), in dem Blake ein antithetisches Geschichtsmodell vorstellt. In Die Vermählung von Himmel und Hölle sind u. a. die Sprichwörter aus der Hölle enthalten, die nochmals die Vorstellung einer irrationalen Weltentwicklung illustrieren, so „The tygers of wrath are wiser than the horses of instruction” („Die Tiger des Zornes sind weiser als die Pferde der Bildung”). Zwischen 1804 und 1820 entstandenen weitere visionäre Epen Blakes, so Milton (1804-1808), Vala, or The Four Zoas und Jerusalem (1804-1820), die formal und inhaltlich gänzlich mit den lyrischen Traditionen zu brechen suchen. Blakes satirisch eingefärbte Beschreibung seiner Kindheit erschien 1784 unter dem Titel An Island in the Moon. Im Nachlass des Dichters fand sich eine Sammlung von Briefen sowie ein Notizbuch mit Skizzen und einigen kürzeren Gedichten aus den Jahren zwischen 1793 und 1818. Diese Notizen werden als Rossetti Manuscript bezeichnet, da sie 1847 in den Besitz Dante Gabriel Rossettis übergingen, der als einer der ersten Blakes Genialität erkannte. Außerdem hinterließ Blake einen unvollendeten Bilderzyklus, zu dem ihn Dantes Göttliche Komödie inspiriert hatte.
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