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MoçambiqueEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Nach der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 ließ die portugiesische Krone das gesamte mosambikanische Territorium militärisch besetzen. Um 1890 setzte sich die koloniale Zentralverwaltung auch gegen die afroportugiesischen Grundherren in Moçambique durch. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts gelang es der Kolonialmacht, sich endgültig in Moçambique zu etablieren.
Die vollständige Kolonisierung mit europäischen Siedlern war nicht möglich; deshalb erklärte Portugal seine Kronkolonie zur wirtschaftlichen Ausbeutungskolonie und trat ganze Landstriche in Konzession an britische, französische und belgische Handelsgesellschaften mit uneingeschränkten Machtbefugnissen ab. Gegen den Widerstand der Einheimischen bemächtigten sich die Kolonialgesellschaften mit militärischer Gewalt ihrer Konzessionsgebiete, die bis zu 200 000 Quadratkilometer umfassten. Die Handelskompanien waren die Träger der Entwicklung in ihren Gebieten, wobei Entwicklung hier im Sinne von Gewinnmaximierung durch Ausbeutung des Landes und seiner einheimischen Bevölkerung zu verstehen ist. Die Errichtung einer Infrastruktur zur Entwicklung der Bevölkerung lag nicht im Interesse der Portugiesen. In den Jahren 1891 bis 1894 wurden in mehreren Verträgen zwischen Portugal, Großbritannien und dem Deutschen Reich die heutigen Grenzen Moçambiques festgelegt. 1895 griffen die Portugiesen das Königreich Gaza an; dort hatte sich antikolonialer Widerstand formiert, den die Portugiesen 1896 brachen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts stand das ehemalige Königreich Gaza unter Militärverwaltung. 1916/17 kam es wegen Zwangsrekrutierungen für Arbeits- und Militärdienste in der Sambesi-Region zu einem Aufstand. Danach wurde ein neues System wirtschaftlicher Ausbeutung und politischer Unterdrückung eingeführt, das in Abstufungen bis 1961 in Kraft blieb. Die portugiesische Herrschaft in Moçambique wurde bis 1974 von einer kolonialen Zentralverwaltung ausgeübt. 1930 ließ der portugiesische Finanzminister und spätere Diktator António Salazar die Zwangsarbeit per Gesetz verbieten; tatsächlich aber wurden die Schwarzafrikaner auch weiterhin mit Gewalt zur Arbeit, besonders im Straßen- und Eisenbahnbau, gezwungen. Kopf- und Hüttensteuern und Hinrichtungen ohne Gerichtsurteil zählten zu den Repressalien gegen die einheimische Bevölkerung. Die Kolonien galten dem Diktator als Mittel zur Lösung der portugiesischen Wirtschaftsprobleme. Nach der Einführung des Zwangsanbaus von Baumwolle, Reis und neuer Agrarprodukte wie Tee oder Cashewnüsse stieg die Agrarproduktion.
1951 erhielt die Kolonie formell den Status einer portugiesischen Überseeprovinz. Um die nationale Einheit zu betonen und antikolonialem Widerstand zu begegnen, wurde das Wort „Kolonie” durch den Begriff „Provinz” ersetzt. Das Trugbild eines multinationalen, egalitären und brüderlichen Portugal war Ziel der Propaganda. Jeder Eingeborene konnte durch Assimilierung den Status eines Vollportugiesen und damit Befreiung von Steuerpflicht und Zwangsarbeit erhalten. Der Assimilierte konnte sich ohne Passierschein frei in seinem Land bewegen, besaß das Wahlrecht und das Recht auf gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit wie die Portugiesen. 1950 gab es in Moçambique bei einer Bevölkerung von 573 500 gerade 4 353 Assimilierte. Analphabeten verweigerte Portugal das Wahlrecht und schloss damit den größten Teil der Bevölkerung von Wahlen aus. Von 1950 bis 1960 unternahm Portugal einen groß angelegten Versuch, die Überseeprovinzen wirtschaftlich zu modernisieren. So entstand der Staudamm am Limpopo und die Eisenbahnlinie nach Rhodesien (das heutige Simbabwe). Die Entwicklung des sozialen Bereichs wurde weiterhin vernachlässigt. Der wirtschaftliche Aufstieg angesichts eines sozialen Entwicklungsrückschritts führte zu Gewalttätigkeiten. Das Kolonialregime reagierte mit brutalem Terror. Als 1960 in Mueda Arbeiter und Bauern gegen die Zwangsarbeit protestierten, wurden 600 unbewaffnete Demonstranten von portugiesischen Truppen erschossen.
Das Massaker von Mueda gilt als Beginn des mosambikanischen Befreiungskampfes; viele Schwarzafrikaner schlossen sich nun den in den fünfziger Jahren entstandenen Befreiungsbewegungen an. Als Entspannungsmaßnahme ordnete Portugal 1961 die endgültige Abschaffung der Zwangsarbeit an, setzte sie aber nicht durch und ließ damit erkennen, dass es zu Zugeständnissen an die schwarze Mehrheit nicht bereit war. Stattdessen förderte Portugal verstärkt die Ansiedlung von Europäern in der Überseeprovinz. Vor diesem Hintergrund schlossen sich in Tansania drei aus dem Exil operierende Widerstandsgruppen unter Führung von Eduardo Mondlane zur Front für die Befreiung Moçambiques (Frente de Libertação de Moçambique, FRELIMO) zusammen. 1964 nahm die FRELIMO den bewaffneten Kampf gegen die portugiesische Kolonialregierung auf. Von Tansania aus drang sie in Moçambique ein und lieferte sich in den Provinzen Cabo Delgado und Njassa schwere Gefechte mit den portugiesischen Truppen. Innerhalb weniger Monate brachte die FRELIMO die nördlichen Gebiete unter ihre Kontrolle. Portugal entsandte zusätzliche Truppen nach Moçambique, konnte aber die Guerilla nicht entscheidend schlagen. Im Februar 1969 wurde Eduardo Mondlane Opfer eines Briefbombenanschlags. Sein Nachfolger an der Spitze der FRELIMO wurde Samora Moïses Machel. Als die Sowjetunion und China die Befreiungskämpfer zu unterstützen begannen, nahm der Kampf an Schärfe zu. 1970 eröffneten die portugiesischen Truppen eine Großoffensive in der Provinz Cabo Delgado, die die FRELIMO mit einem Gegenangriff beantwortete. Das brutale Vorgehen der portugiesischen Soldaten gegen die Zivilbevölkerung verstärkte 1972 die internationale Kritik an der Regierung. Erst mit der Nelkenrevolution im April 1974 in Portugal, in der Offiziere das diktatorische Regime stürzten, zeichnete sich eine Wendung ab. Die neue demokratische portugiesische Regierung trat für die sofortige Unabhängigkeit der Kolonien ein und ordnete den Rückzug aus Moçambique an. Das Abkommen von Lusaka vom 7. September 1974 regelte die friedliche Übergabe Moçambiques an die FRELIMO, die eine Übergangsregierung mit Joaquim Chissano als Präsidenten bildete. Am 25. Juni 1975 wurde die Unabhängigkeit Moçambiques offiziell verkündet.
FRELIMO-Chef Samora Machel war von 1975 bis 1986 erster Staatspräsident; er erklärte Moçambique zur sozialistischen Volksrepublik und benannte die Hauptstadt Lourenço Marques in Maputo um. 1977 gab sich die FRELIMO als Staatspartei ein marxistisch-leninistisches Programm. Ihre Politik war pragmatisch-sozialistisch, die Schwerpunkte lagen auf Bildung, Gesundheit, genossenschaftlicher und staatlicher Agrarproduktion sowie der Verstaatlichung privater Unternehmen. Es waren große Schwierigkeiten zu überwinden: Weite Teile des Landes hatte der zehnjährige Kolonialkrieg zerstört, und die Auswanderung von 250 000 Portugiesen (bis 1977) mit ihrem Kapital und Know-how schwächte die Wirtschaft empfindlich. Dazu kamen Missernten und ab 1976 vor allem der Bürgerkrieg gegen die Nationale Widerstandsbewegung Moçambiques (Resistência Nacional de Moçambique, Renamo).
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