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MoçambiqueEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Nachdem die portugiesischen Kolonien die Unabhängigkeit erlangt hatten, sahen sich die letzten weißen Regimes in Afrika, Südafrika und Rhodesien isoliert. Die FRELIMO unterstützte die Unabhängigkeitsbewegung in Rhodesien; umgekehrt förderte das Apartheid-Regime in Südafrika die von Afonso Dhlakama geführte antikommunistische Renamo. Die Renamo zerstörte in den folgenden Jahren die Infrastruktur des Landes fast vollständig. Die FRELIMO unterhielt aber gleichzeitig aus wirtschaftlichen Gründen Beziehungen zu Südafrika. Das Ausbleiben von Hilfe aus den kommunistischen Staaten – 1981 hatte der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) die Aufnahme Moçambiques als Vollmitglied verweigert –, wirtschaftliche Fehlentwicklungen und der Bürgerkrieg zwangen die Volksrepublik, mit Südafrika am 16. März 1984 einen Nichtangriffspakt zu schließen. Wirtschaftshilfe suchte Moçambique von nun an bei den marktwirtschaftlich orientierten Staaten Europas und Nordamerikas, besonders bei der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft seit seinem Beitritt zum Lomé-Abkommen im Jahr 1984. Die FRELIMO rückte vom Marxismus-Leninismus ab und begann, die Wirtschaft zu liberalisieren. Während der achtziger Jahre setzte Südafrika jedoch die Unterstützung der Renamo fort. Nach dem Unfalltod des Präsidenten Machel 1986 wurde Joaquim Chissano sein Nachfolger. Er führte den von Machel eingeschlagenen politischen Kurs der Annäherung an den Westen und der Liberalisierung der Wirtschaft fort und versuchte vor allem, den Bürgerkrieg zu beenden. Der Krieg hatte 900 000 Menschenleben gefordert und 1,5 Millionen Menschen vertrieben. 1990 verabschiedete das Parlament die neue demokratische Verfassung mit Mehrparteiensystem und Trennung von Staat, Partei und Militär. Die FRELIMO beschloss 1991 die Demokratisierung der Partei nach dem Vorbild des Demokratischen Sozialismus.
Im Oktober 1992 unterzeichneten Präsident Chissano und Renamo-Chef Dhlakama das Friedensabkommen von Rom. Wichtigste Bestimmungen waren die Demobilisierung von Armee und Renamo, die Vereinigung aller Streitkräfte, die Abhaltung freier Wahlen und die Einsetzung einer Überwachungs- und Kontrollkommission der Vereinten Nationen (UN). Im Dezember 1992 installierten die UN untere dem Namen ONUMOZ (United Nations Operation in Mozambique) eine rund 7 000 Mann starke Blauhelmtruppe in Moçambique. 1994 wurden die Regierungsarmee und die bewaffneten Truppen der Renamo in den neuen Streitkräften vereinigt; als politische Partei war die Renamo unter der Bezeichnung Resistência Nacional Moçambiquana (Nationaler mosambikanischer Widerstand, RNM) seit 1993 zugelassen. Im Oktober 1994 fanden unter Aufsicht der UN die ersten freien Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Die seit der Unabhängigkeit regierende FRELIMO erreichte die absolute Mehrheit der Parlamentssitze, Chissano wurde für die folgenden fünf Jahre im Präsidentenamt bestätigt. Im Dezember 1994 endete die Friedensmission der UN mit dem Abzug der ONUMOZ-Truppen. Die neue Regierung bemühte sich um den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Konsolidierung des Landes, dessen Kriegsschäden von der Weltbank auf rund 15 Milliarden US-Dollar geschätzt wurden. Bis Ende 1994 kehrten 1,5 Millionen Flüchtlinge, die Moçambique während des Bürgerkrieges verlassen hatten, in ihre Heimat zurück. Der Bürgerkrieg bleibt jedoch weiterhin präsent: Nach Schätzung der UN liegen in den ländlichen Gebieten Moçambiques etwa drei Millionen Landminen, denen immer wieder Menschen und Tiere zum Opfer fallen. Bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember 1999 wurde Joaquim Chissano für weitere fünf Jahre im Amt des Staatsoberhauptes bestätigt. Seine Partei, die FRELIMO, erreichte bei den gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen mit 48,5 Prozent der Stimmen und 133 von 250 Sitzen erneut die absolute Mehrheit. Das von der RNM geführte oppositionelle Wahlbündnis kam auf 38,8 Prozent der Stimmen und 117 Sitze. Da die unterlegene RNM die Wahlen nicht anerkannte, spitzte sich die politisch angespannte Lage zu; im November 2000 kam es bei mehreren von der RNM organisierten Demonstrationen zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei. Im Frühjahr 2000 machte eine Hochwasserkatastrophe im Verein mit dem Wirbelsturm Eline eine Million Menschen obdachlos. Dörfer, Felder, Straßen und Brücken im Süden Moçambiques wurden zerstört. Durch die Überschwemmung sind die Landminen aus dem Bürgerkrieg nicht mehr zu orten; die Minenräumung steht wieder am Anfang ihrer Arbeit. Die Unwetterkatastrophe beendete den bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung, den Moçambique seit Ende des Bürgerkrieges 1992 genommen hatte. Nach 16 Jahren an der Spitze der Regierung erklärte Joaquim Chissano im Frühsommer 2002, dass er für eine dritte Amtsperiode nicht zur Verfügung stehe. Die FRELIMO bestimmte ihren Fraktionsführer im Parlament, Armando Guebuza, zum Generalsekretär der Partei und Präsidentschaftskandidaten für die Wahlen 2004. Erwartungsgemäß, jedoch überraschend deutlich mit 63,7 Prozent der Stimmen gewann Guebuza die Präsidentschaftswahlen im Dezember 2004. Die gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen bestätigten die FRELIMO als absolut stärkste Kraft; sie gewann 160 Mandate, während die RNM 90 Sitze erhielt. Im Februar 2005 löste Guebuza Chissano im Amt des Staatspräsidenten ab.
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