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  • Vilfredo Pareto – Wikipedia

    Vilfredo Federico Pareto (gebürtig Wilfried Fritz Pareto; * 15. Juli 1848 in Paris, † 19. August 1923 in Céligny) war ein italienischer Ingenieur, Ökonom und Soziologe.

  • Pareto-Verteilung – Wikipedia

    Die Pareto-Verteilung, benannt nach dem italienischen Ingenieur, Soziologen und Ökonomen Vilfredo Pareto (1848–1923), ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung.

  • Wer war Vilfredo Federico Damaso Pareto? | MANAGEMENTTECHNIKEN ...

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Vilfredo Pareto

Enzyklopädieartikel

Vilfredo Pareto (1848-1923), italienischer Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler.

Pareto wurde am 15. Juli 1848 in Paris geboren; seine Eltern lebten dort im Exil. Er studierte am Turiner Polytechnikum Ingenieurwissenschaften und promovierte in diesem Fach. Während seiner Tätigkeit als Generaldirektor in der Stahlindustrie publizierte er bereits wirtschaftstheoretische Abhandlungen. Später studierte er noch Politik und Philosophie. 1893 übernahm er als Nachfolger von Leon Walras die Professur für politische Ökonomie an der Universität von Lausanne.

Pareto versuchte, in seinen Werken Cours d’ économie politique (1896/97), Les systèmes socialistes (1902/03) und Trattato di sociologica generale (1916) eine exakte Wirtschafts- und Sozialtheorie durch mathematische Methoden zu entwickeln. Er gehörte zu den Mitbegründern der Lausanner Schule (Grenznutzenschule).

In den von ihm entworfenen Modellen sollte soziales Handeln, das für den so genannten homo oeconomicus exemplarisch sei, verdeutlicht werden. Der zentrale Begriff der Fiktion eines homo oeconomicus in der klassischen Nationalökonomie geht von der Annahme aus, dass der Mensch ausschließlich rein rational auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtet sei: Gewinnstreben und Eigeninteresse bestimmten idealtypisch den homo oeconomicus. Diese Abstraktion menschlichen Verhaltens diente Pareto für seine Modellbildung wirtschaftlicher Abläufe, deren „System”, „Struktur” und „Interaktion” er zu beschreiben versuchte. Damit nahm er, nicht zuletzt aufgrund dieser Begriffsbildung, spätere Entwicklungen der Wirtschaftswissenschaften vorweg.

Pareto entwickelte mit seinen ökonomischen Modellen die allgemeine Gleichgewichtstheorie weiter und begründete, auf seiner Wahlaktetheorie fußend, die ordinale Nutzentheorie, die durch Indifferenzkurven dargestellt wird. Darüber hinaus lieferte er durch seine Analysen einen neuen Beitrag zur Wohlfahrtsökonomik (das so genannte Pareto-Optimum) und eine Theorie zur Einkommensverteilung (Pareto-Verteilung).

Vom Pareto-Optimum spricht man dann, wenn ein unveränderbarer Zustand von Produktion und Einkommensverteilung erreicht ist und deshalb das Niveau des Nutzens eines oder mehrerer Wirtschaftssubjekte nicht erhöht werden kann, ohne den Nutzen anderer Wirtschaftssubjekte zu verringern. Das setzt wiederum voraus, dass alle Haushalte über die gleiche Bedürfnisstruktur verfügen. Das Pareto-Kriterium von der Überlegenheit einer ökonomischen Situation über eine andere (unter der Voraussetzung, dass ein Wirtschaftssubjekt aufgrund der Beeinträchtigung eines anderen besser gestellt ist) trifft beim Pareto-Optimum dann nicht mehr zu. Auf einer Kontrakt- oder Tauschkurve läßt sich das Pareto-Optimum graphisch verdeutlichen.

Unter einer Pareto-Verteilung (oder -Verteilungsfunktion) wird die Beziehung zwischen der Anzahl von Einkommensbeziehern mit einem Einkommen oberhalb einer unteren Grenze und der Einkommenshöhe zur Kennzeichnung der Einkommensverteilung verstanden. In der logarithmischen Darstellung von Einkommensbeziehern (Ordinate) und Einkommenshöhe (Abszisse) entsteht eine Gerade, auch Paretosche Gerade genannt. Je flacher diese Gerade ist, desto ungleicher ist die Einkommensverteilung.

Pareto verstand die Soziologie, ähnlich wie Max Weber, als eine Wissenschaft der werturteilsfreien Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse, wobei er die Gesamtgesellschaft als mechanisches Gleichgewichtssystem ansah, das von so genannten Naturtatsachen gebildet wird und von Institutionen und Individuen, deren soziales Verhalten von natürlichen Gegebenheiten beeinflusst ist, und deren Wertvorstellungen abhängig sei.

In seinen soziologischen Untersuchungen arbeitete Pareto vorwiegend mit der Unterscheidung von logischen (d. h. zweckrationalen) und nichtlogischen (d. h. irrationalen) Handlungen. Die nichtlogischen Handlungen werden vor allem von Glaubensvorstellungen und Gefühlen der Individuen geleitet, so dass die irrationalen Handlungen noch einmal in pseudorationale Begründungen (Derivationen) und vorrationale Antriebe (Residuen) unterschieden werden können: Residuen bilden den Kern des menschlichen Verhaltens, verändern sich kaum (oder nur sehr langsam) und sind von daher stabile Antriebskräfte. Derivationen werden dagegen als variable Erscheinungen (beeinflusst durch Ideologien, Theorien, Meinungen) betrachtet, die zur unbewußten Verschleierung der nichtlogischen Handlungen der Residuen dienen.

Pareto war davon überzeugt, dass Menschen irrational gesteuert seien, und nur eine herrschende Elite das gesellschaftlich Ganze zusammenhalten würde; dazu sei auch Gewaltanwendung notwendig. Seine an Machiavelli angelehnte Theorie von der Überlegenheit sinn- und wertfreier gesellschaftlicher Eliten war und ist umstritten. Mit dieser Lehre vom Kreislauf oder der Zirkulation der Eliten wollte Pareto politisch und ökonomisch begründen, warum antagonistische Gesellschaftsstrukturen unverrückbar seien. Er sah immerwährende Gegensätze zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, Schichten und Klassen, die unversöhnliche Interessen vertreten. In der hierarchischen Gesellschaftspyramide ist nach Pareto die große Masse „politisch Unbegabter” ganz unten angesiedelt, darauf bauen sich die „mittelqualifizierte” Mittelschicht und darüber die Eliten, die um die Macht ringen, auf. Diese Eliten begründen ihre Position durch geschichtsphilosophische und soziale Theorien, um die Ansprüche der Massen abzuwehren. Damit war Pareto ein ausgewiesener Gegner demokratischer Ideen. Sein mechanistisches Gesellschaftsbild, das die Menschen als soziokulturelle Persönlichkeit außer Acht lässt, und vor allem seine Kreislauflehre der Eliten machten ihn zu einem der theoretischen Vordenker des italienischen Faschismus. Pareto starb am 19. August 1923 in Céligny bei Genf.

Zu seinen wichtigsten Werken gehört: Manuale di economia politica (1906). In deutscher Übersetzung erschienen 1955 ein Auswahlband (herausgegeben von C. Brinkmann) unter dem Titel Allgemeine Soziologie und 1962 von G. Eisermann editierte ausgewählte Schriften: Vilfredo Paretos System der allgemeinen Soziologie.

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