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SchiffEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Im 6. Jahrhundert n. Chr. befuhren irische Mönche in kleinen, lederüberzogenen Schiffen die See um die Britischen Inseln. Nach historischen Überlieferungen wurde im Jahr 793 das Kloster Lindnisfarne an der Nordostküste Englands von Seefahrern aus dem Norden überfallen und ausgeplündert. Die Wikinger, wie sich dieses Volk aus Skandinavien selbst nannte, tauchten bald an allen Küsten Europas auf und durchkreuzten das Mittelmeer bis an die Küsten Vorderasiens. Ihre Langschiffe mit den charakteristischen Drachenköpfen wurden von Segeln und Ruderern angetrieben – auf kleineren Schiffen 30, auf größeren 64 Ruderer und mehr. Kiel und Spanten dieser seetüchtigen Schiffe waren in der Klinkerbauweise beplankt. Damit gelangten die Wikinger auch nach Island, Grönland (Erich der Rote) und sogar bis nach Amerika (Leif Eriksson; Neufundland). Die anfangs kriegerisch orientierten Seezüge der Wikinger wandelten sich im Laufe der Zeit zu Fahrten, die Handelszwecken dienten.
Etwa zeitgleich mit den Langschiffen baute man u. a. in China die Dschunke. Dieses Segelschiff verfügte über einen Holzrumpf ohne Kiel und hatte aus Bambus oder Bast geflochtene Matten als Segel. Mit diesem Schiff fuhr man sowohl auf Binnengewässern als auch auf der freien See. Marco Polo beschrieb die Dschunke als Handelsschiff mit vier Masten, das einen durch wasserdichte Schotten gesicherten Rumpf besaß. Im Gegensatz zu den chinesischen Dschunken waren die japanischen Modelle schwerfälliger. Noch heute sind im fernöstlichen Asien Dschunken weit verbreitet.
Im Mittelalter blühte insbesondere durch die Gründung der Hanse (11. Jahrhundert) sowie durch die wirtschaftlichen Beziehungen der italienischen Stadtstaaten von Pisa, Genua und Venedig zu anderen Ländern die Handelsschifffahrt – die Handelsbeziehungen der Italiener reichten bis nach Indien. Als neuer Schiffstyp entstand beispielsweise im 13. Jahrhundert die Kogge, ein bauchiges Schiff mit Rahsegel und festem Heckruder. Aus ihr entwickelte man im Spätmittelalter die Galeonen und die Karavellen. Die Galeone wurde erstmals von den Portugiesen konstruiert und später (16. Jahrhundert) von den Spaniern und Engländern nachgebaut. Sie war mit drei bis fünf Masten ausgestattet und verfügte über drei bis vier Decks. Dieser Schiffstyp wurde in erster Linie für militärische Zwecke eingesetzt. So bestand beispielsweise der Kern der spanischen Armada aus Galeonen. Eine Karavelle war mit zwei bis drei Masten und so genannten Lateinersegeln ausgestattet (siehe Segeln). Die Karavelle war das Segelschiff der Entdeckungsreisen. Insbesondere die Entwicklung der nautischen Instrumente (zu Beginn des 14. Jahrhunderts) machten die Hochseeschifffahrt möglich. Mitte des 15. bis Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte man in Holland zahlreiche neue Schiffstypen. Segelschiffe mit geringem Tiefgang nutzte man zur Küstenseefahrt, dreimastige Schnellsegler dienten dem Handel. Mit ihnen ließen sich Waren relativ schnell auch über größere Entfernungen transportieren. Im 17. und 18. Jahrhundert bauten die Engländer und Franzosen mehrdeckige Linienschiffe, die beispielsweise regelmäßig zwischen Europa und der Neuen Welt verkehrten. Im 18. und 19. Jahrhundert ging man dazu über, Schiffe nicht nur aus Holz, sondern auch aus Holz und Eisen (Kompositbauweise) zu bauen. Mitte des 19. Jahrhunderts lief das erste eiserne Segelschiff vom Stapel. Etwa zur gleichen Zeit entstand zunächst in Amerika und später auch in England der Klipper, ein Schnellsegler. Mit der Stahlbauweise kamen die Vier- und die Fünfmastsegelschiffe des 19. und 20. Jahrhunderts auf.
Das Zeitalter der Dampfschifffahrt begann etwa Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. Die erste überlieferte Anwendung von Dampfkraft in einem Schiff stammt aus dem Jahr 1786. Damals ließ der amerikanische Erfinder John Fitch ein kleines Dampfschiff auf dem Delaware River vom Stapel (siehe Dampfmaschine). 1807 machte die Clermont, ein von Robert Fulton gebauter Raddampfer, ihre Jungfernfahrt auf dem Hudson River. Im Mai 1819 überquerte das dampfangetriebene Postschiff Savannah erstmals den Atlantik – von Georgia nach Liverpool. Die Savannah war ebenfalls ein Raddampfer. Unabhängig voneinander führten 1836 der Schwede John Eriksson und der Brite Francis Smith die Schiffsschraube in die Schifffahrtstechnik ein (siehe Propeller). Als erster transatlantischer Schraubendampfer lief 1844 die Great Britain vom Stapel. Zur weiteren Verbesserung im Antriebssystem gehörte vor allem die Kolbendampfmaschine. Über eine 43 000 PS starke Anlage (umgerechnet etwa 31 627 Kilowatt) verfügte die 1902 erbaute Kaiser Wilhelm II. In der technischen Weiterentwicklung folgte der Kolbendampfmaschine die Dampfturbine, die bereits 1898 erstmals in einem Dampfschiff als Antrieb verwendet wurde. Ab 1910 baute man die ersten Schiffe mit Dieselmotoren (Verbrennungskraftmaschine). In der Folgezeit wurden – besonders in den dreißiger Jahren – große Passagierschiffe konstruiert. Als Beispiele seien die Titanic (1911 mit 46 329 Bruttoregistertonnen), die Normandie (1932 mit 82 800 Bruttoregistertonnen) und das größte Passagierschiff, die Queen Elizabeth (1938 mit 83 670 Bruttoregistertonnen) genannt. Schiffe mit Gasturbinenantrieb gibt es seit 1956. Der Kernenergieantrieb fand 1954 Eingang in den Schiffbau.
Im Frachtverkehr sind heute Containerschiffe weit verbreitet. Die Container – große standardisierte Frachtgutbehälter – werden üblicherweise an Containerterminals mit entsprechenden technischen Einrichtungen für den Transport per Lastkraftwagen oder Eisenbahn umgeladen. Bei Tankschiffen (umgangssprachlich Tanker) handelt es sich um Spezialfahrzeuge zum Transport von Flüssigkeiten (Öl, Chemikalien oder Flüssiggas). So genannte Supertanker können ein Tankvolumen von über 300 000 Kubikmetern besitzen. Siehe auch Schifffahrt; Boote und Bootsbau ; Kriegsschiffe
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