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Bolschewismus

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Jossif W. StalinJossif W. Stalin
Artikelgliederung
1

Einleitung

Bolschewismus (von russisch bolschinstwo, Mehrheit, bolschewiki, Mehrheitler), auf den Theorien von Karl Marx basierende und von Wladimir Iljitsch Lenin formulierte und von Jossif Stalin weiterentwickelte kommunistische Theorie und politische Praxis. Die bolschewistische Doktrin wurde in ihren Grundzügen auf dem zweiten Kongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands 1903 in London skizziert. Auf diesem Kongress formierten sich zwei Fraktionen unter den Delegierten, von denen Lenin die radikalere anführte. Er befürwortete eine straff organisierte Partei von aktiven Berufsrevolutionären, die bereit waren, mit allen Mitteln eine kommunistische Gesellschaft zu errichten; er wollte eine revolutionäre Avantgarde, die den Aufbau der kommunistischen Gesellschaft – wenn nötig auch mit diktatorischen Mitteln – als ihre historische Aufgabe sah. Seine Gegner schlugen dagegen vor, die Partei für alle offen zu halten, die mit den Zielen der Partei sympathisierten, ohne sich sogleich aktiv der Revolution zu verschreiben. In diesem Punkt unterstützte der Kongress die letztere Auffassung, gab aber in Fragen des Parteistatuts und in der Endabstimmung, mit der die Führung der Partei gewählt wurde, Lenin die Mehrheit. Die von Lenin geführte Fraktion hieß von nun an Bolschewiki, ihre Gegner Menschewiki (russisch für Minderheitler). Die Bezeichnungen Bolschewiki und Menschewiki blieben, obwohl die Bolschewiki in der Folge durchaus nicht immer die die Mehrheit vertretende Gruppierung in der revolutionären Bewegung Russlands waren.

2

Fraktionsunterschiede

Die grundsätzlichen Differenzen zwischen den Bolschewiki und Menschewiki wurden in den folgenden Jahren deutlicher. Hinsichtlich der anzustrebenden Ziele – Sturz des Zarismus, die Schaffung einer verfassungsmäßigen Regierung und schließlich der Sturz des Kapitalismus und die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft – waren sich beide Fraktionen einig; hinsichtlich der Mittel und Wege aber, auf denen diese Ziele erreicht werden sollten, manifestierten sich die unterschiedlichen Standpunkte: Die Bolschewiki unterstützten Reformen bzw. Änderungen im politischen und sozialen System nur insoweit, als sie unmittelbar auf das revolutionäre Endziel hinführten. Die Menschewiki waren der Auffassung, dass Russland noch nicht reif für die Revolution sei, und legten deshalb primär Nachdruck auf Reformen, vor allem auf die Errichtung einer verfassungsmäßigen, parlamentarischen Regierung. Keine der beiden Fraktionen spielte in der Februarrevolution von 1905, die auf die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg folgte, eine maßgebliche Rolle. Die Arbeiterräte bildeten sich spontan, und Lenin vermochte zunächst selbst nicht ihre Bedeutung richtig einzuschätzen. Lew Trotzkij, der als Vorsitzender des Arbeiterrates von Sankt Petersburg als einziger der russischen Sozialdemokraten aktiv und führend an der Revolution teilnahm, war weder Bolschewik noch Menschewik, sondern stand zwischen den beiden Fraktionen, zwischen denen er zu vermitteln suchte. Als nach der Revolution von 1905 ein Parlament (Duma) einberufen wurde, zogen die Bolschewiki es vor, es je nach den Gegebenheiten zu boykottieren oder als Agitationsbühne zu benutzen, während die Menschewiki darauf setzten, auf parlamentarischem Wege die Fraktion der Gegner des Zarismus zu stärken. Beide Parteiungen bildeten aber immer noch eine Fraktionsgemeinschaft.

3

Die Spaltung in zwei Parteien

Auf Grund der zunehmenden Differenzen kam es 1912 zum endgültigen Bruch zwischen den beiden Fraktionen. In der Folge kämpften die beiden Parteien um die Führung in der antizaristischen Revolution. Die Bolschewiki bedienten sich sowohl legaler als auch Untergrundtaktiken, um ihr Programm durchzusetzen. Ihnen gelang es, im Zeitraum von März bis Juli 1917 die Zahl ihrer Mitglieder von 45 000 auf 240 000 zu vergrößern. Die Bolschewiki lehnten den 1. Weltkrieg als einen imperialistischen, den Interessen der Arbeiterklasse widersprechenden Konflikt ab, von dem sich die Sozialisten strikt distanzieren sollten; die Menschewiki und Sozialrevolutionäre aber, die die nationalen über die Klasseninteressen setzten, befürworteten die Kriegsteilnahme Russlands. Infolge der militärischen Rückschläge für die russische Armee und infolge der Unfähigkeit der Regierung, die nicht mehr zu übersehen war, brach im März 1917 eine Revolution aus, die mit der Abdankung des Zaren und der Errichtung einer parlamentarischen Regierung endete. Der vorläufigen Regierung, der auch die Menschewiki angehörten, warfen die Bolschewiki vor, die Sache des Sozialismus zu verraten. Mit Hilfe der Arbeiter- und Soldatenräte übernahmen sie in der Oktoberrevolution von 1917 die Macht und wurden als „Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki)” bzw. als „Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki)” zur allein dominierenden politischen Kraft in der Sowjetunion. Der Zusatz „Bolschewiki” wurde 1952 fallen gelassen.

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