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Babylonien (babylonisch Bãbili: Tor Gottes; altpersisch Babirush), Königreich in Mesopotamien, am Unterlauf der Flüsse Euphrat und Tigris, benannt nach seiner Hauptstadt Babylon. Die babylonische Kultur entstand aus der Verbindung der sumerischen im Süden und der semitischen im Norden.
Das politische und wirtschaftliche Leben im babylonischen Staat, der vom 18. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. existierte, war (wie in der vorangegangenen sumerischen Kultur) auf einzelne Städte konzentriert. Ihre Haupteinkünfte kamen aus Landwirtschaft und Handel. An der Spitze der politischen Struktur stand der König als absoluter Herrscher, der gesetzgebende, richterliche und vollziehende Gewalt hatte. Ihm waren eine Gruppe von ausgewählten Statthaltern und Verwaltern unterstellt. In den 1 200 Jahren des babylonischen Reiches entwickelte sich dieses Land zu einem Staat höchster kultureller Blüte. Babylon wurde zum mächtigen Zentrum im Zweistromland, das starken Einfluss auf die angrenzenden Länder ausübte, vor allem auf das Königreich Assyrien, das die babylonische Kultur fast vollständig übernahm. Eines der wichtigsten Werke aus einer Sammlung babylonischer Literatur, die bei Ausgrabungen gefunden wurde, ist der Kodex Hammurapi aus dem 18. Jahrhundert v. Chr.; eine Gesetzessammlung, die zusammen mit anderen Dokumenten und Briefen aus verschiedenen Epochen ein umfassendes Bild der babylonischen Sozialstruktur und der wirtschaftlichen Organisation ergab. Die babylonische Gesellschaft bestand aus drei Klassen, den Awilu (Freie der oberen Klasse), den Wardu (Sklaven) und den Mushkenu (Freie von niederem Stand, hierarchisch zwischen den Awilu und den Wardu). Die meisten Sklaven waren Kriegsgefangene, selten stammten Sklaven aus der babylonischen Bevölkerung. Auf technischem, wissenschaftlichem und handwerklichem Gebiet erreichten die Babylonier ein außerordentlich hohes Niveau. Sie übernahmen die technischen Errungenschaften der Bewässerung und Landwirtschaft von den Sumerern. Die Instandhaltung eines Systems von Kanälen, Dämmen, Wehren und Staubecken, das von ihren Vorgängern konstruiert wurde, zeigt beachtliche technische Kenntnisse und Geschicklichkeit. Kartographie, Vermessungen und Planungen brachten den Gebrauch von Höhenmessgeräten und Messstangen mit sich. Für mathematische und arithmetische Zwecke verwendeten sie das hexagesimale Ziffernsystem der Sumerer, das sich durch die zweckmäßige Einrichtung des so genannten Stellenwertsystems, das dem heutigen Dezimalsystem ähnlich ist, auszeichnete. Längen-, Flächen-, Hohl- und Gewichtsmaße, die früher schon von den Sumerern vereinheitlicht wurden, blieben weiterhin in Gebrauch. Für die Landwirtschaft gab es sogar Lehrbücher, nach denen die Kinder in den babylonischen Schulen unterrichtet wurden. Die zentralen Bereiche des Handwerks waren die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen und die Herstellung von Werkzeugen, Stoffen, Schmuck, Farben, Pigmenten, Kosmetika und Parfüms. Es existierten rege Handels- und Exportbeziehungen mit Ägypten, Kleinasien, Syrien und den Ägäischen Inseln. Das babylonische Recht nimmt unter den vorderasiatischen Staaten eine zentrale Stellung ein. Es war im Kodex Hammurapi festgelegt. Die oberste Gerichtsbarkeit war demnach den Priestern und darüber dem König vorbehalten. In der Praxis wurde das Recht von Gerichten verwaltet, denen zwischen einem und vier Richter angehörten. Oft wurden auch Tribunale vom Ältestenrat einer Stadt gebildet. Die Richter konnten ein gefälltes Urteil nicht mehr ändern, aber Appelle gegen ihre Entscheidungen konnten an den König gerichtet werden. Aussagen unter Eid spielten eine wichtige Rolle im Rechtswesen. Die Gerichte verhängten Strafen, die von der Todesstrafe und Verstümmelung bis zum Auspeitschen, Zurückstufung im Sozialstatus zum Sklaven und der Verbannung reichten. Die Babylonier benutzten die von den Sumerern entwickelte Keilschrift, die ein effektives Funktionieren ihrer gesetzlichen, administrativen und wirtschaftlichen Institutionen ermöglichte. Um ihre Schriftgelehrten, Sekretäre, Archivare und andere Verwaltungsbeamte auszubilden, übernahmen sie von den Sumerern ein streng methodisches Erziehungssystem, unter dem weltliche Schulen zu Kulturzentren des Landes wurden. Beim Studium der Literatur mussten die Schüler verschiedene Arten von Sagen, Gedichten, Lobgesängen, Klageliedern, Sprichwörtern und Erzählungen in sumerischer und babylonischer Sprache abschreiben und nacherzählen.
Der Süden Mesopotamiens wurde Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. besiedelt. Bis zum Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. entstand hier eine sumerische Hochkultur, deren Einfluss bis nach Nordsyrien reichte. Über die Frühgeschichte Babyloniens sind nur wenige gesicherte Fakten bekannt. Neben episch-mythischen Überlieferungen (Gilgamesch-Epos) und frühen Inschriften ist die Hauptquelle für die Herrscher der frühen Phase die sumerische Königsliste. Eine verhältnismäßig genaue Chronologie besteht für den Zeitraum, der mit der Dynastie von Akkad beginnt und mit der 1. Dynastie von Babylon um etwa 1530 v. Chr. endet.
Gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. erstreckte sich das Königreich Sumer und Akkad über ein riesiges Gebiet, das von der 3. Dynastie von Ur regiert wurde. Der Auslöser für ihren Untergang war die Einwanderung einer großen Gruppe von semitischen Nomaden, der Amoriter, aus der Arabischen Wüste im Westen. Sie eroberten eine Anzahl wichtiger Städte wie Isin, Larsa, Babylon und Eschnunna (heutiges Tell Asmar) und gründeten neue Dynastien. Um 1950 v. Chr. wurde der letzte Herrscher der 3. Dynastie von Ur von den Elamitern gefangen genommen. Das Königreich Sumer und Akkad zerfiel, und zwischen den rivalisierenden Stadtstaaten von Isin, Larsa, Eschnunna und Mari brach ein Nachfolgekrieg aus, der über zwei Jahrhunderte andauerte.
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