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August von Hofmann

Enzyklopädieartikel

August von Hofmann (1818-1892), deutscher Chemiker.

Hofmann wurde am 8. April 1818 in Gießen geboren. Nach Abschluss der Reifeprüfung studierte er zunächst Jura an der Universität Gießen. 1837 besuchte er – wahrscheinlich aus reiner Neugierde – Chemievorlesungen von Justus von Liebig, wechselte kurz darauf das Studienfach und wurde Liebigs Schüler. 1841 promovierte Hofmann über organische Basen und Steinkohlenteeröle. Daraufhin war er bis 1845 als Assistent bei Liebig tätig und ging anschließend als Privatdozent an die Universität Bonn. Noch im selben Jahr erhielt Hofmann einen Ruf an das Royal College of Chemistry in London und arbeitete dort bis 1864. Er kehrte 1865 nach Deutschland zurück und trat die Nachfolge von Eilhard Mitscherlich (u. a. Entdeckung der Isomorphie, Aufklärung der Zuckerinversion und Konstruktion des ersten Polarisationsapparats) an der Universität von Berlin an. Unter seiner Leitung entstanden in Bonn und Berlin neue Laboratorien. Er gründete 1868 die Deutsche Chemische Gesellschaft, die seit 1946 Gesellschaft Deutscher Chemiker heißt. 1888 wurde Hofmann geadelt. Der Chemiker starb am 5. Mai 1892 in Berlin.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts betrachtete man Steinkohlenteer als ein lästiges Nebenprodukt, das bei der Erzeugung von Stadtgas (siehe Brenngase) und Koks anfiel. Die nutzbringende Verwertung dieses Nebenprodukts war ein wesentliches Ziel der damaligen chemischen Industrie. Hofmann beschäftigte sich intensiv mit Anilin, einem Destillationsprodukt aus dem Steinkohlenteer. Seine Entdeckungen und Erkenntnisse auf diesem Gebiet führten zu den ersten Synthesen von Anilinfarbstoffen und leiteten das Zeitalter der Teerfarbenchemie ein. 1856 entdeckte Hofmanns Schüler William Henry Perkin den Anilinfarbstoff Mauvein, nur wenig später (1863) erfolgte auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse die Synthese der Hofmann-Violette. Die dafür notwendigen theoretischen Grundlagen hatte Hofmann entscheidend mitgeprägt. Er entwickelte z. B. Kugel-Stab-Atommodelle, mit denen sich in einfacher Weise Additions- und Substitutionsreaktionen (siehe chemische Reaktion) sowie gesättigte und ungesättigte Verbindungen (siehe organische Chemie) erklären ließen. Hofmann leistete ebenfalls grundlegende Arbeiten auf dem Gebiet der Amine und Amide. In diesem Zusammenhang tragen viele Reaktionen und chemische Vorgänge seinen Namen, wie z. B. die Hofmann-Eliminierung, bei der aus einem organischen Ammoniumhydroxid ein Olefin und ein tertiäres Amin entstehen, oder der Hofmann-Abbau, mit dem man systematisch Carbonsäureamide zu Aminen abbauen kann. Letztere Reaktion wurde beispielsweise zur Strukturaufklärung von Aminosäuren verwendet.

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