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Joris-Karl Huysmans

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Joris-Karl HuysmansJoris-Karl Huysmans

Joris-Karl Huysmans, eigentlich Georges Charles Huysmans, (1848-1907), französischer Schriftsteller flämischer Abstammung. Mit seinen Romanen À rebours (1884; Gegen den Strich) und Là-bas (1891; Tief unten) beeinflusste er die Literatur des Fin de Siècle maßgeblich.

Huysmans wurde am 5. Februar 1848 in Paris geboren und arbeitete als Regierungsbeamter. Daneben war er schon frühzeitig schriftstellerisch tätig. Auch verkehrte er im Kreis von Médan um Émile Zola: Seine ersten Romane, darunter Marthe. Histoire d’une fille (1876) und Les Soeurs Vatard (1879), stehen noch deutlich unter dem Einfluss des Naturalismus. Danach vollzog Huysmans die Wende zum philosophisch akzentuierten Hedonismus und Ästhetizismus. Sein berühmtester Roman, À rebours (1884; Gegen den Strich), wurde zu einer Art „Bibel” der Dekadenzliteratur des Fin de Siècle. Dessen übersensibler Held Des Esseintes zieht sich aus jeglichem sozialen Gefüge in sein höchst artifizielles Refugium Fontenay nahe Paris zurück und sucht Geistes- bzw. Lebenskräfte in synästhetischen Experimenten, ohne aber letztlich Befriedigung zu finden. Der Versuch, „die Abstraktion bis zur Halluzination zu treiben und den Traum von der Wirklichkeit an die Stelle der Wirklichkeit zu setzen”, nimmt immer pathologischere Züge an und mündet schließlich im Wunsch nach religiöser Erlösung. Mit der Thematik des ennui (der Langeweile bzw. des Überdrusses) führte À rebours das Erbe der Dichtungen von Charles Baudelaire und Paul Verlaine im Bereich der Prosa weiter. Auch Baudelaires poetisches Verfahren, „Schönheit aus dem Bösen zu gewinnen”, spielt hier mit hinein. Später wandte sich Huysmans von dieser Geistesrichtung und den parallel hierzu betriebenen Studien des Okkultismus ab und konvertierte 1892 zum römisch-katholischen Glauben. Ein Jahr zuvor war der stark rezipierte Roman Là-bas (1891; Tief unten) erschienen. Auch hierin zeigt sich Huysmans als Autor, der nach den Worten Paul Valérys „erpicht war auf ausgefallene Begebenheiten und Geschichten, wie man sie an den Toren der Hölle erzählen könnte, der mit Wonne seine minutiöse und wohlgefällige Kenntnis des sichtbaren Unrats und der greifbaren Zoten mit einer wachsamen, erfinderischen und unruhigen Wißbegier nach überirdischem Unrat und übersinnlichem Unrat verband”.

Im Spätwerk von Huysmans verstärkt sich die religiöse Tendenz, wie in En route (1895; Vom Freidenkertum zum Katholizismus), La Cathédrale (1898; Die Kathedrale) und The Oblate (1903). Ab 1899 zog sich Huysmans in ein Trappistenkloster zurück. Er starb am 5. Februar 1907 in Paris. Von seinen Werken zeigte À rebours die größte Nachwirkung und hatte seinerzeit großen Einfluss auf die Dichtung des Symbolismus. Ein großer Bewunderer war Stéphane Mallarmé, mit dem Huysmans auch in persönlichem Kontakt stand. Weitere Werke des Autors sind der Roman En ménage (1881; Der Junggeselle), die Erzählung À vau-l’eau (1882; Stromabwärts) und die Essaysammlung Trois églises et trois primitifs (posthum 1908; Geheimnisse der Gotik).

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