Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Niedersachsen", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Niedersachsen

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 3 von 4

Niedersachsen

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Expo 2000Expo 2000
Artikelgliederung
7.2. 1

Vom Stammesherzogtum zur Königslandschaft

Mit dem Zerfall des Karolingerreiches traten im 9. Jahrhundert mächtige sächsische Adelsgeschlechter hervor, darunter die Ottonen, die das sächsische Stammesherzogtum begründeten und, beginnend mit Heinrich I., von 919 bis 1024 die Könige bzw. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches stellten, womit sich der Südosten Niedersachsens um die Pfalzen Werla bei Goslar, Grohnde und Pöhlde zu einer Kernlandschaft des Reiches entfaltete. Goslarer Kupfer und Silber sowie Lüneburger Salz beschleunigten die wirtschaftliche Entwicklung Niedersachsens, mit der auch eine kulturelle Blüte (Roswitha von Gandersheim, Widukind von Corvey, Bernward von Hildesheim) einherging.

Nach dem Aussterben der Ottonen 1024 erlangten die fränkischen Salier die Königs- und Kaiserwürde. Sie konnten sich aber bis zu ihrem Aussterben 1125 gegen die mächtigen sächsischen Adelsgeschlechter nicht durchsetzen, wie die 1073 von Otto von Northeim und 1115 von Lothar von Supplinburg geführten Aufstände zeigen. Mit Letzterem wurde 1125 wieder ein Sachse zum König gewählt; er belehnte 1137 den bayerischen Herzog, den Welfen Heinrich X., den Stolzen, auch mit dem Herzogtum Sachsen.

7.2. 2

Heinrich der Löwe und die Aufteilung des Stammesherzogtums Sachsen

Heinrichs des Stolzen Sohn, Heinrich der Löwe, seit 1156 Herzog von Bayern und Sachsen, geriet wegen seiner Machtpolitik in Gegensatz zu den Großen des Reiches, besonders zu Kaiser Friedrich I. Barbarossa, und wurde 1180 abgesetzt. Das Herzogtum Sachsen wurde aufgeteilt: Westfalen fiel an das Erzbistum Köln, der östliche Teil Sachsens kam als Herzogtum an die Askanier, die wie ihre Nachfolger, die Wettiner, ihr Herrschaftsgebiet nach Südosten verlagerten, wohin der Name Sachsen mitwanderte; seit dem 14./15. Jahrhundert wurden die altsächsischen Gebiete als „Niedersachsen” von „Obersachsen”, den mitteldeutschen Landen des Kurfürstentums Sachsen, unterschieden.

Im verbleibenden Teil, etwa dem heutigen Niedersachsen entsprechend, bildeten sich nach 1180 an die 40 Landesherrschaften, unter denen später die Welfenlande Braunschweig und Hannover sowie die nichtwelfischen Oldenburg und Schaumburg-Lippe die bedeutendsten waren.

7.2. 3

Niedersachsen im späten Mittelalter

Mit dem Ende der Versuche des Sohnes von Heinrich dem Löwen, Ottos IV. von Braunschweig, sich gegen die Reichsfürsten durchzusetzen, verlor Niedersachsen seinen unmittelbaren Einfluss auf die Herrschaft im Reich. Heinrichs des Löwen Enkel, Otto das Kind, wurde 1235 von Kaiser Friedrich II. mit dem welfischen Restbesitz, dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, belehnt. Darin bildeten sich durch Erbteilungen im 13. und 15. Jahrhundert u. a. die Fürstentümer Wolfenbüttel, Calenberg, Göttingen, Grubenhagen und Lüneburg. Um 1450 umfasste das Gesamtherzogtum Braunschweig-Lüneburg ein fast geschlossenes Herrschaftsgebiet von der Elbe bis zur Oberweser.

Gestützt auf ihre Wirtschaftskraft, blühten seit dem 13. Jahrhundert die Städte auf und machten sich von den Landesherrschaften unabhängig. Dazu gehörten Braunschweig, Lüneburg, Hannover und Göttingen, alle Mitglieder des sächsischen Städtebundes und der Hanse. Daneben erlangten Ritter und Prälaten Macht gegenüber den meist hoch verschuldeten Fürsten.

7.3

Von der Reformation bis zu den Napoleonischen Kriegen

Mit Ausnahme kleinerer katholischer Enklaven mit den Bistümern Osnabrück und Hildesheim erfasste die Reformation ganz Niedersachsen. In Ostfriesland, in der Grafschaft Bentheim und um Bederkesa zog der Calvinismus ein. In den Fürstentümern Wolfenbüttel und Calenberg setzte Herzog Heinrich Julius (1589-1613) gegen die Stände eine für das Bauerntum über Jahrhunderte richtungweisende Regelung durch: Indem er die Abmeierung (siehe Bauernlegen) verbot, verhinderte er die Leibeigenschaft. Der Dreißigjährige Krieg belastete auch Niedersachsen, jedoch abgemildert durch oldenburgische und welfische Neutralitätspolitik.

7.3. 1

Hannover und Braunschweig-Wolfenbüttel

Nach der letzten Teilung 1635 nahmen das zusammengefasste Fürstentum Calenberg-Grubenhagen-Göttingen mit Residenz in Hannover (seit 1636) sowie das Fürstentum Wolfenbüttel einen bedeutenden Aufschwung. Beide errichteten einen straffen Absolutismus, dem sich auch die früher unabhängigen Städte beugen mussten, und führten ihre Länder in eine wirtschaftlich-kulturelle Blütezeit; ein herausragendes Zeugnis dieser Zeit ist die von Herzog August dem Jüngeren (1634-1666) entscheidend ausgebaute Bibliotheca Augusta in Wolfenbüttel. Besonders Herzog Karl I. (1735-1780) förderte Wolfenbüttel durch die Gründung von Manufakturen wie der Porzellanmanufaktur Fürstenberg sowie des Collegium Carolinum, der ersten Technischen Hochschule Deutschlands, und durch die Berufung Gotthold Ephraim Lessings zum Bibliothekar in Wolfenbüttel. 1753 verlegte er die Residenz von Wolfenbüttel nach Braunschweig.

Bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatten die Calenberger die politische Vorrangstellung gewonnen: Auf Herzog Johann Friedrich (1665-1679), der Gottfried Wilhelm Leibniz nach Hannover holte, folgte sein Bruder Ernst August I., dem gegen den erbitterten Widerstand des Wolfenbütteler Herzogs Anton Ulrich (1685-1714) die Erhebung seines Fürstentums Calenberg zum Kurfürstentum (Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg), genannt Kurhannover, gelang. Als Kurfürst Georg Ludwig 1705 auch noch Lüneburg erbte, verfügten die Calenberger über den größten Teil des welfischen Gebiets. Aufgrund dynastischer Verbindung mit England wurde Georg Ludwig, der einzige protestantische Urenkel König Jakob I., als Georg I. englischer König und regierte England und Hannover in Personalunion. Wegen dieser Verbindung hatte das Kurfürstentum im Siebenjährigen Krieg 1757 unter französischer Besetzung zu leiden.

Während der Napoleonischen Kriege belasteten Kontinentalsperre und Kriegsfolgen auch Niedersachsen. Von 1807 bis 1813 waren das südliche Hannover und Braunschweig französisch besetzt und wurden Teil des Königreiches Westphalen, das nördliche Niedersachsen kam zum Kaiserreich Frankreich.

Zurück
| | |
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft