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Windows Live® Suchergebnisse HundertfüßerEnzyklopädieartikel
Hundertfüßer, Klasse von Gliederfüßern aus der Überklasse der Tausendfüßer mit etwa 3 000 Arten, davon rund 70 in Mitteleuropa. Hundertfüßer sind lang gestreckte, weitgehend gleichwertig segmentierte Gliederfüßer mit jeweils einem Extremitätenpaar pro Segment. Die Anzahl der Segmente variiert zwischen 15 und 191, die arttypische Zahl der Segmente wird manchmal erst nach mehreren Häutungen erreicht. Das erste Rumpfbeinpaar ist zu Kieferfüßen umgebildet, die an ihren Enden Giftdrüsen besitzen. Der Kopf ist auf der Oberseite von einem flachen Schild bedeckt; er trägt ein Paar Gliederantennen, die in der Regel von beträchtlicher Länge sind und aus zwölf bis über 100 Gliedern bestehen. Außerdem trägt er ein Paar kleiner, aber kräftiger, bezahnter und mit Borsten versehener Oberkiefer sowie ein Paar Unterkiefer, die gewöhnlich mit Tastern versehen sind. Alle anderen Körperanhänge sind Beinpaare. Das erste abgewandelte Rumpfbeinpaar besitzt kräftige Gelenke und endet in einer scharfen Klaue, in die Giftdrüsen münden. Diese Giftklauen dienen dem Lähmen und Töten von Beutetieren sowie der Abwehr. Die übrigen Rumpfextremitäten sind normal gegliedert und tragen eine unpaare Klaue. Während der Embryonalentwicklung ist der Körper zunächst in Segmente gegliedert, die jeweils zwei Beinpaare tragen; diese embryonalen Segmente werden später nochmals unterteilt. Da das erste Beinpaar im Lauf der Entwicklung in eine Giftklaue umgewandelt wird, haben Hundertfüßer stets eine ungerade Zahl an Laufbeinpaaren (Current Biology, 2004). Das Nervensystem ist dem der Insekten vergleichbar. Das relativ große Gehirn ist mit einer bauchseitig gelegenen Kette von Ganglien (Nervenknoten) verbunden. Spinnenläufer, eine Ordnung der Hundertfüßer, besitzen Komplexaugen; viele Hundertfüßer weisen jedoch nur einfache Linsenaugen oder gar keine Augen auf. Gliederantennen, Borsten und Rezeptoren dienen ebenfalls der Sinneswahrnehmung. Der Verdauungskanal ist gerade, das Herz ein gekammertes, auf der Bauchseite liegendes Gefäß. An den Körperseiten liegen die Öffnungen von Tracheen oder Atemröhren, die auf jeder Seite untereinander verbunden sind. Die meisten Hundertfüßer werden zweieinhalb bis fünf Zentimeter lang, doch können einige tropische Arten eine Körperlänge von 30 Zentimetern erreichen. Hundertfüßer sind vorwiegend nachtaktiv und verbergen sich tagsüber unter Steinen oder Holz. Sie leben alle räuberisch. Spinnenläufer können mit bis zu 50 Zentimeter pro Sekunde extrem schnelle Laufgeschwindigkeiten erreichen. Eine Art bringt lebende Junge zur Welt, die anderen legen Eier. Die Weibchen werden durch Übertragung einer Spermatophore (einer Kapsel mit Spermien) besamt. Das Weibchen nimmt die Spermatophore selbst auf, oder das Männchen ergreift diese und schiebt sie in die Geschlechtsöffnung des Weibchens. Es gibt vier wichtige Ordnungen von Hundertfüßern: Die Spinnenläufer umfassen Arten mit Komplexaugen, langen Fühlern, acht Rückenschildern und 15 sehr langen Beinpaaren. Steinläufer besitzen einfache Augen, 15 Beinpaare, Fühler, die ein Drittel länger sind als der gesamte Körper, und 15 Rückenschilder. Skolopender haben mehr als 20 Beinpaare, kurze Fühler aus vielen Gliedern und einfache oder gar keine Augen. Erdläufer sind wurmähnliche, plump aussehende Hundertfüßer mit 31 bis 191 Beinpaaren und kurzen Fühlern; sie haben keine Augen. Bei ihnen sind deutlich entwickelte Spinndrüsen erkennbar, deren Absonderung Eier und Samenzellen zusammenhält. Das Gift einiger Skolopender kann auch beim Menschen zu Lähmungen führen. Steinläufer sondern zur Verteidigung aus den Beindrüsen ein klebriges Sekret ab. Systematische Einordnung: Hundertfüßer bilden die Klasse Chilopoda der Überklasse Myriapoda. Spinnenläufer bilden die Ordnung Notostigmophora, Steinläufer die Ordnung Lithobiomorpha, Skolopender die Ordnung Scolopendromorpha und Erdläufer die Ordnung Geophilomorpha.
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