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    Milet ( ionisch : Μίλητος Miletos , dorisch : Μίλατος Milatos , äolisch : Μίλλατος Millatos , lateinisch : Miletus , hethitisch Millawanda ), auch Palatia ...

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Milet

Enzyklopädieartikel

Milet, antike griechische Stadt in Ionien an der Westküste Kleinasiens. Milet lag ursprünglich auf einer hügeligen Halbinsel an der Mündung des Mäander direkt am Meer und verfügte über vier Hafenbuchten. Im Lauf der Zeit verlandete jedoch die Mündungsbucht des Mäander; heute liegt die Ruinenstätte von Milet etwa acht Kilometer landeinwärts.

Milet geht auf eine kretische Siedlung aus etwa der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. zurück. Nach der Neugründung durch Ionier um 1000 v. Chr. entwickelte sich Milet rasch zur politisch, wirtschaftlich und kulturell führenden Stadt in Ionien; während ihrer Glanzzeit im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. war sie die bedeutendste Stadt in der griechischen Welt überhaupt. In dieser Zeit wirkten hier die Philosophen Thales, Anaximander und Anaximenes, und ab dem späten 7. Jahrhundert v. Chr. wurden von Milet aus etwa 90 Kolonien gegründet, vor allem am Hellespont (Dardanellen), am Propontis (Marmarameer) und dem Pontos Euxinos (Schwarzen Meer), aber auch im Nildelta. Dank seiner vier Häfen war Milet nahezu konkurrenzlos im Seehandel; Handelsflotten aus Milet fuhren in alle Teile des Mittelmeeres und kamen sogar bis zum Atlantik.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde Milet wiederholt von dem benachbarten Lydien angegriffen, konnte diesen Angriffen aber standhalten und verbündete sich schließlich mit dem lydischen König Krösus. 546 v. Chr. brachte der persische König Kyros der Große Milet zusammen mit Lydien unter seine Herrschaft. Ab 500 v. Chr. spielte Milet eine führende Rolle im Ionischen Aufstand gegen die persische Herrschaft; nach dem Scheitern des Aufstandes zerstörten die Perser unter Dareios I. 494 v. Chr. die Stadt und verkauften ihre Bewohner in die Sklaverei. Ab 479 v. Chr. wurde Milet vermutlich unter Mitwirkung des Architekten Hippodamos etwas weiter nördlich neu aufgebaut, erreichte aber nie wieder seine frühere Bedeutung, wenngleich die Stadt nach der Eroberung durch Alexander den Großen 334 v. Chr. eine zweite Blütezeit erlebte und in der römischen Kaiserzeit als freie Stadt nochmals einen großzügigen Ausbau erfuhr. Im 4. Jahrhundert n. Chr. verlandeten die Häfen, und Milet versank allmählich in der Bedeutungslosigkeit.

Seit 1899 wurden in Milet unter deutscher Leitung Ausgrabungen durchgeführt; zu Tage kam dabei vor allem die Bebauung aus hellenistischer und römischer Zeit, aber auch frühere Schichten. Die hellenistisch-römische Stadt war nach dem hippodamischen System angelegt, d. h. mit sich rechtwinklig kreuzenden Straßen, und von einer über fünf Kilometer langen Mauer umgeben. In der Stadt freigelegt wurden u. a. drei von Säulenhallen und anderen Gebäuden umgebene große Marktplätze, ein Gymnasion, ein 230 Meter langes Stadion, ein Buleuterion (Ratsgebäude), mehrere Thermen, u. a. die prunkvollen Thermen der Faustina, der Gattin des Marcus Aurelius, ein ungewöhnlich gut erhaltenes Theater, das unter Nero und Trajan vollständig umgestaltet worden war, und ein unter Hadrian errichtetes zweistöckiges Markttor, das heute im Berliner Pergamonmuseum steht. Unter den Heiligtümern ragen der Tempel des Apollon Delphinos, das Hauptheiligtum von Milet, die Tempel des Dionysos, des Äskulap, der Demeter und des pergameischen Königs Eumenes II. heraus.

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