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EnglandEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Das Jahr 1066 markiert einen Wendepunkt der englischen Geschichte. Wilhelm I., der Eroberer, und seine Söhne brachten eine neue lebhafte Herrschaft nach England. Der normannische Feudalismus bildete die Grundlage der Neuaufteilung des Landes unter den Eroberern. Dadurch erhielt England eine neue französische Adelsschicht und eine neue Struktur in Politik und Gesellschaft. England wandte sich von Skandinavien ab und Frankreich zu. Diese Ausrichtung behielt es die nächsten 400 Jahre bei. Wilhelm war ein strenger Herrscher, der England bestrafte, insbesondere den Norden, als es seine Autorität in Frage stellte. Seine Macht und sein Durchsetzungsvermögen lassen sich am Domesday Book (einem Grundkataster), einer Volkszählung zur Steuererhebung und am Salisburger Treueid, den er von allen Pächtern forderte, ermessen. Er setzte den italienischen Geistlichen Lanfranc als Erzbischof von Canterbury ein. Außerdem förderte er die Kirchenreform, insbesondere durch die Bildung eigenständiger Kirchengerichte, die jedoch weiterhin dem König unterstellt waren. Nach Wilhelms Tod 1087 erbte sein zweiter Sohn Wilhelm II. (Rufus) England und sein erster Sohn Robert die Normandie. Sein dritter Sohn Heinrich erhielt im Lauf der Zeit beide Reiche; 1100 England, nachdem Wilhelm II. bei einem Jagdunfall umkam, und 1106 durch Eroberung die Normandie. Heinrich wollte seine Tochter Mathilde als Thronerbin einsetzen, aber 1135 folgte ihm sein Neffe Stephen de Blois (später König Stephen) auf den Thron. Die Jahre seiner Herrschaft (1135-1154) sind von Bürgerkrieg und Unfrieden gekennzeichnet. Die Zentralregierung, die Heinrich aufgebaut hatte, zerfiel, und die Feudalbarone erklärten ihre Selbständigkeit. Die Kirche spielte die beiden Seiten gegeneinander aus und konnte so ihren Einfluss vergrößern.
Mathildes Sohn Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou, wird als Heinrich II. 1154 König (siehe Plantagenet). Das Haus Anjou, vor allem Heinrich II. und seine Söhne, Richard und Johann, bauten die Macht des Königs aus. Heinrich beendete die Anarchie aus der Zeit von Stephens Herrschaft. Er verbannte die Söldner und zerstörte private Burgen. Außerdem stärkte er die Regierung, die unter Heinrich I. gegründet wurde. Vor allem aber förderte er das Gewohnheitsrecht, das von den königlichen Gerichten ausgeübt wurde und in ganz England gültig war. Er griff in die Rechtsprechung der Feudalgerichte bei Entscheidungen über Grund und Boden ein und richtete ein Geschworenengericht ein. Heinrichs Reich umfasste über die Hälfte Frankreichs sowie die Lordschaft über Irland und Schottland. Sein Regierungsgeschick erstreckte sich jedoch nicht auf die Besänftigung seiner Söhne, die wiederholt gegen ihn rebellierten, wobei sie von den französischen Königen und ihrer Mutter Eleanor von Aquitanien unterstützt wurden.
Richard I. Löwenherz verbrachte nur knapp ein Jahr seiner Regierungszeit (1189-1199) in England. Er nahm an den Kreuzzügen teil. Später kämpfte er um die französischen Gebiete, die während seiner Abwesenheit, insbesondere während seiner Gefangenschaft in Deutschland, verloren gegangen waren. Doch selbst während Richards Abwesenheit funktionierte die Regierung, die sein Vater aufgebaut hatte. Sie trieb Steuern ein, um den Krieg zu finanzieren und sein Lösegeld zu zahlen. Johann, der die Abneigung gegen die Herrschaft der Anjous von seinem Vater und seinem Bruder übernahm, vergrößerte seine Schwierigkeiten noch durch sein eigenes Zutun. 1204 verlor er die Normandie. 1213 kapitulierte Johann nach einer langen Auseinandersetzung mit Papst Innozenz III. über die Ernennung Stephen Langtons zum Erzbischof von Canterbury und erkannte England als päpstliches Lehen an. Diese Entwicklungen führten zu einem Streit mit seinen Baronen über seine allgemeine Überheblichkeit und dazu, dass diese ihm im Krieg in der Normandie die Gefolgschaft verweigerten. Die Barone unter der Führung Langtons zwangen Johann 1215 dazu, die Magna Charta (große Verfassungsurkunde) anzuerkennen, durch die er seine Fehleinschätzungen eingestand und zusicherte, das englische Recht und den Lehensbrauch anzuerkennen. Er starb im darauf folgenden Jahr, bevor der Konflikt mit den Baronen beigelegt werden konnte. Obwohl der Verlust der Normandie damals als Schmach empfunden wurde, konnte England dadurch seine einzigartigen Institutionen unabhängig und ohne Einmischung von außen entwickeln.
Eduard I. (Herrschaft 1272-1307) stellte die königliche Autorität wieder her und führte einige Reformen ein. Er schränkte das Recht der Barone ein, eigene Gerichte zu unterhalten und beschnitt die Verfügungsrechte der Lehnsmänner beim Verkauf ihres Landes, wenn dies den Feudalherren schadete. Außerdem gab er dem Gewohnheitsrecht die Richtung, die es einige hundert Jahre beibehalten sollte.
Eduard II. war ein schwacher König, der teils von seinen Günstlingen beeinflusst wurde und teils den Verordnungen von 1311 unterstand, mit denen die Regierungsmacht den Baronen übertragen worden war. Obwohl es ihm 1322 gelang, den Baronen die Regierungsmacht wieder zu nehmen, wurde er 1327 zur Abdankung gezwungen. Sein Sohn Eduard III. löste den Konflikt mit den Baronen, indem er sie in Frankreich einsetzte, wo England immer noch große Gebiete besaß. 1337 begann er den Hundertjährigen Krieg, um seinen Anspruch auf den französischen Thron zu rechtfertigen. Die Engländer hatten anfangs gewissen Erfolg wie in der Schlacht von Crécy (1346) und der von Poitiers (1356). 1396 hatte England jedoch alle seine vorherigen Gewinne wieder verloren. Durch die Kriegsausgaben musste Eduard das Parlament wiederholt um die Erhebung von Sonderabgaben bitten. Dadurch konnte es Zugeständnisse aushandeln und seine Rechte und Privilegien ausbauen. 1349 wurde England vom schwarzen Tod heimgesucht, der die Bevölkerung um ein Drittel verringerte (siehe Pest). Das Arbeitergesetz (Statute of Labourers) von 1351 sollte die Löhne einfrieren und die Leibeigenen und Arbeiter daran hindern, den neuen Arbeitskräftemangel auszunutzen. Der Bauernaufstand von 1381 spiegelte die anhaltende Unruhe wider. Dies war eine Zeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels. Der Gutsherrendienst wurde in Geldabgaben umgewandelt, und die Leibeigenschaft war schon im Niedergang begriffen. Ihre Abschaffung folgte im nächsten Jahrhundert. Richard II., ein Enkel Eduards III., bestieg als Zehnjähriger den Thron, während sich rivalisierende Parteien um die Regierungsführung stritten. Als Erwachsener regierte er gemäßigt, bis er 1397 in eine Auseinandersetzung mit den führenden Adligen geriet. 1399 zwang ihn sein Cousin Heinrich Bolingbroke, Herzog von Lancaster, zur Abdankung und wurde an seiner Statt König Heinrich IV.
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