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Windows Live® Suchergebnisse BarockEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Frühbarock; Italienischer Barock; Spanischer Barock; Barock in Lateinamerika; Der Barock nördlich der Alpen
Barock, (wahrscheinlich aus dem portugiesischen barucca abgeleitet, als eine Juweliersbezeichnung für unregelmäßig geformte Perlen) Stilrichtung der bildenden Kunst und Architektur in Europa und den spanischen bzw. portugiesischen Kolonien im Lateinamerika des 17. Jahrhunderts. Die Ausläufer sind bis gegen Mitte des 18. Jahrhunderts zu beobachten. Die letzte Periode wird aufgrund ihrer anmutigen, verspielteren Ausprägung als Rokoko davon abgegrenzt. Erst im 19. Jahrhundert begann sich der Terminus auch als Epochenbezeichnung durchzusetzen. Siehe Barock (Literatur) Ausgehend von Italien kam der Barockstil als Ausdrucksmittel eines gegenreformatorischen und absolutistischen Repräsentationsbedürfnisses von katholischer Kirche und Feudaladel besonders in den katholischen Ländern Europas zur vollen Entfaltung, während er in den nordeuropäischen Ländern in Form eines barocken Klassizismus eine eigenständige Ausprägung erfuhr. Im Zuge der Missionsbestrebungen des Jesuitenordens gelangte er bis nach Lateinamerika, wo mit Salvador de Bahia in Brasilien eine ganze Barockstadt entstand.
Der Barock hatte seine Wurzeln in der italienischen Kunst der Hochrenaissance vor allem in der Stadt Rom im ausgehenden 16. Jahrhundert. Der Wunsch nach mehr Klarheit und Vereinfachung beflügelte zahlreiche Künstler, sich gegen den Manierismus mit seinen antiklassischen Verzerrungen, Asymmetrien, Bizarrerien und grellen Farben zu wenden. Annibale Carracci und Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, waren die beiden führenden Vertreter der Malerei des Frühbarock. Caravaggios Kunst stand besonders unter dem Einfluss von Michelangelo und der Hochrenaissance. Seine Bilder zeigen Personen aus dem Volksleben, aber auch heroische und einfühlsame Darstellungen religiöser und mythologischer Themen. Die Schule, die sich um die Brüder Carracci bildete, kehrte zu Prinzipien der Hochrenaissance – zu Klassizität und Monumentalität – zurück. Dieser auf antiken Formprinzipien aufbauenden Richtung gesellte sich in Rom um 1630 der Hochbarock hinzu, der im Allgemeinen als der charakteristischste der Barockstile angesehen wird und sich durch überschäumendes Pathos, Theatralik und ungezügelte Bewegung auszeichnet.
In Italien ist der Barock in Malerei, Skulptur und Architektur eine Antwort auf den Manierismus, die programmatisch 1563 auf dem Tridentiner Konzil formuliert wurde: Ziel der Kunst sei es, durch Einfachheit den Glauben zu lehren und zu pflegen.
Zu den einflussreichen Künstlern, die sich an eine systematische Reform des manieristischen Stiles machten, gehörten die Brüder Annibale und Agostino Carracci sowie ihr Vetter Lodovico Carracci. Annibale hatte sich bereits in Bologna durch seine Fresken einen Namen gemacht, als er 1595 nach Rom kam und beauftragt wurde, das Deckengemälde (1597-1600) für die Galerie des Palazzo Farnese anzufertigen. Es wurde sein bedeutendstes Werk und ein Angelpunkt in der Entwicklung des klassischen Stiles der barocken Malerei. Noch in Bologna waren Guido Reni, Domenico Zampieri, genannt Domenichino, und Francesco Albani Schüler der Carraccis gewesen, bevor sie ebenfalls nach Rom gingen. Auch andere Vertreter des klassizistischen Barock, etwa die französischen Maler Nicolas Poussin und Claude Lorrain, kamen nach Rom, um dort zu arbeiten. Caravaggio, dessen in Rom entstandene Werke wie Die Berufung und das Martyrium des heiligen Matthäus (1599-1600, San Luigi dei Francesi, Rom) ihn zum führenden Maler des römischen Naturalismus machten, war der Hauptrivale von Annibale Carracci. Der Naturalismus breitete sich in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts durch Werke von Orazio Gentileschi und seiner Tochter Artemisia, Bartolomeo Manfredi und Caracciolo, genannt Battistello, und später durch die Arbeiten des französischen Malers Valentin de Boulogne, des Niederländers Gerrit van Honthorst und des Spaniers Jusepe de Ribera in Italien aus. Auch wenn der naturalistische Barock nach 1630 in Italien an Bedeutung verlor, blieb er im übrigen Europa für den Rest des Jahrhunderts tonangebend. Eine andere bedeutsame Entwicklung in der Barockmalerei bahnte sich Ende der zwanziger Jahre des 17. Jahrhunderts an. Viele Künstler versuchten durch Lebendigkeit und Dramatik in ihren Werken die Illusion eines grenzenlosen Raumes zu schaffen. Zwischen 1625 und 1627 malte Giovanni Lanfranco die Kuppel von Sant’Andrea della Valle in Rom mit dem Fresko der Himmelfahrt Mariens aus. Obwohl der Arbeit, einem ersten Meisterwerk des Hochbarock, der Einfluss des Renaissancemalers Correggio und seiner Kuppelfresken in Parma anzusehen ist, waren zeitgenössische Betrachter überwältigt von ihrer illusionistischen Wirkung. Lanfrancos Tätigkeit in Rom (1613-1630) und Neapel (1634-1646) gab entscheidende Anstöße für die Entwicklung des Illusionismus in Italien. Auch Pietro Berrettini, genannt Pietro da Cortona, schuf eine meisterhafte illusionistische Freskenmalerei, wie man am Deckengemälde (1633-1639) des Gran salone im Palazzo Barberini in Rom feststellen kann. 1679 freskierte Giovanni Battista Gaulli, auch Baciccia genannt, das Gewölbe der Kirche Il Gesù in Rom mit der Allegorie Triumph des Namens Christi (1679). Von 1691 bis 1694 arbeitete Andrea Pozzo an der Aufnahme des heiligen Ignatius im Paradies, einem Deckengemälde in der Kirche Sant’Ignazio in Rom. Hier zeigt sich der Hochbarock auf dem Gipfel einer theatermäßigen Inszenierung und Dramatik.
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