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Barock (Kunst und Architektur)Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Frühbarock; Italienischer Barock; Spanischer Barock; Barock in Lateinamerika; Der Barock nördlich der Alpen
Im 17. Jahrhundert orientierte sich die Kunst in der Neuen Welt am Vorbild der Iberischen Halbinsel. Zu den wichtigsten Zentren im spanischen Teil Amerikas gehörten Mexiko, Guatemala (besonders die Stadt Antigua) und Peru (Cuzco und Lima). Die brasilianische Kunst wurde von Portugal bestimmt. In der Malerei waren Caravaggio, Zurbarán und Murillo besonders einflussreich. In den Bildern der Cuzcoschule verbanden sich einheimische mit europäischen religiösen Motiven. Skulpturen der indigenen Bevölkerung bildeten einen wesentlichen Bestandteil der Innenausstattung und äußeren Gestaltung der mehreren hundert Barockkirchen, die damals in allen Teilen der spanischen Kolonien im Stil der Churriguera erbaut wurden.
Der Begriff des „flämischen Barock” ist weiterhin synonym mit dem Werk Peter Paul Rubens, das in seiner frühen Phase von so unterschiedlichen italienischen Malern wie Caravaggio, den Carracci und Michelangelo beeinflusst ist. Deutlich wird dies besonders an Bildern wie Raub der Töchter des Leukippos (1615-1616, Alte Pinakothek, München). Rubens und seine Werkstatt schufen religiöse und mythologische Gemälde, deren Auftraggeber aus ganz Europa kamen. Das Spätwerk des Malers bildet mit seiner reichen Farbgebung, den dynamischen Kompositionen und den üppigen Formen des weiblichen Körpers einen Höhepunkt des Barock nördlich der Alpen. Es manifestiert sich in den 21 monumentalen Leinwandbildern des Zyklus des Lebens der Maria de’Medici (1621-1625, Louvre, Paris). Rubens’ bedeutendster Schüler war Anthonis van Dyck. Er malte bedeutende Porträts von Königen und Adeligen, wie das von Karl I. im Jagdrock (1635, Louvre, Paris). Jacob Jordaens und Adriaen Brouwer machten sich besonders mit der Darstellung des Bauerngenres einen Namen, ein Thema, dem sich auch David Teniers und der Niederländer Adriaen van Ostade widmeten. Flämische Barockbildhauer ließen sich häufig von der italienischen Kunst inspirieren. François Duquesnoy arbeitete zur gleichen Zeit wie Bernini in Rom und schuf in der Vierung des Petersdomes die Kolossalstatue des Heiligen Andreas (1633). Auf italienische Einflüsse und auf Rubens gehen die Skulpturen des Artus Quellinus zurück.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts orientierten sich viele Niederländer wie Hendrik Goltzius nach wie vor am Manierismus. Caravaggios Barockstil wurde in den Niederlanden bekannt, nachdem einige Künstler, darunter Gerrit van Honthorst und Hendrik Terbrugghen, aus Italien in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Ab etwa 1620 hatte der Naturalismus in Utrecht Fuß gefasst. Frans Hals schuf zwischen 1620 und 1640 Porträts, die durch ihre deftige Pinselführung und Ungezwungenheit auffallen. Die Nachtwache (1642, Rijksmuseum, Amsterdam), eigentlich ein Gildenporträt, wurde von Rembrandt, dem größten niederländischen Barockmaler, geschaffen. Von seiner Hand stammen zahlreiche Bildnisse, historische, mythologische und religiöse Darstellungen und Landschaften von unglaublicher Virtuosität, deren berühmt gewordene Hell-Dunkel-Effekte Generationen von Künstlern beeinflusst haben. Unübertroffen war Rembrandt auch als Radierer. Charakteristisch für die Kunst Jan Vermeers um die Mitte des 17. Jahrhunderts waren die Schaffung einer psychologischen Atmosphäre und eine meisterhafte Beherrschung des Lichtes. Die für ihn typische Art des sorgfältigen Entwurfs und seine subtile Farbgebung wurden oft nachgeahmt, blieben aber unerreicht. Landschafts- und Tierbilder, Still-Leben und Architekturdarstellungen wurden nun wichtige Zweige der niederländischen Barockmalerei. Bis etwa 1650 herrschte in der niederländischen Skulptur der Manierismus vor. Flämische Bildhauer machten dann in den Niederlanden den Barock populär. Zu nennen ist hier Quellinus, der für die innere und äußere Ausstattung des Amsterdamer Rathauses verantwortlich war. Baubeginn für das von Jacob van Campen entworfene Gebäude, in dem sich jetzt der königliche Palast befindet, war 1648. Es zeigt die damals tonangebende Vorliebe für einen Klassizismus, der durch die im Druck erschienenen Entwürfe des italienischen Baumeisters Andrea Palladio inspiriert war.
Die englische Barockmalerei stand ganz unter dem Einfluss von Rubens und van Dyck, die eine ganze Generation von Porträtmalern prägten, während die Bildhauerei von italienischen und flämischen Künstlern angeregt wurde. Der Architekt Inigo Jones studierte die klassizistischen Bauten des Andrea Palladio in Italien, deren Einfluss man seinem Banqueting House (1619-1622, London) ansieht, dessen spektakuläres Deckengemälde – die Allegorie vom Krieg und Frieden (1629) – von Rubens stammt. Der Baumeister Sir Christopher Wren bereiste Italien. Seine Pläne für die Saint Paul’s Cathedral (begonnen 1675, London) zeigen, dass er sich mit Bramante, Borromini und anderen italienischen Architekten auseinandergesetzt hatte. Wren, der für den Wiederaufbau Londons nach dem Stadtbrand von 1666 verantwortlich war, beeinflusste in den folgenden 100 Jahren die Entwicklung der Baukunst in England und den amerikanischen Kolonien wesentlich.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die am Manierismus orientierte Schule von Fontainebleau nach wie vor mit Aufträgen zur Ausstattung des Schlosses beschäftigt. Die Ausschmückung der Dreifaltigkeitskapelle mit Gemälden (1619) durch Martin Fréminet stand dabei unter traditionellen Vorzeichen. Der Manierismus prägt auch das druckgraphische Werk von Jacques Callot und Jacques Bellange. Die Nachtstücke von Georges de La Tour mit Kerzenbeleuchtung verweisen dagegen auf Caravaggio. Die naturalistische Richtung des Barock wurde von Künstlern wie Valentin de Boulogne vertreten, der in Italien gelebt hatte, und von jenen, die den flämischen Realismus kennen gelernt hatten, etwa den Gebrüdern Le Nain oder Philippe de Champaigne. Von entscheidender Bedeutung für die Geschichte der französischen Barockmalerei ist der Klassizismus im Werk von Nicolas Poussin. Zwar verbrachte dieser die meiste Zeit seines Lebens in Rom, doch hatte er wie sein Landsmann Claude Lorrain größten Einfluss auf die Kunst seiner Heimat. Gegen Ende des Jahrhunderts bildeten Klassizismus und Hochbarock in den Deckenfresken von Charles Le Brun im Schloss von Versailles eine Synthese. Den spätbarocken Bildern Antoine Coypels sieht man sehr deutlich den Einfluss von Rubens an, besonders jenen Werken, die für die königliche Kapelle in Versailles entstanden. Die Skulpturen von Pierre Puget reflektieren ebenfalls den römischen Hochbarock, während François Girardon und Antoine Coysevox mit ihren Monumentalskulpturen für den König in der Tradition des Klassizismus stehen. Girardons Gruppe Apollo und die Nymphen (1666-1672) in der Thetisgrotte von Versailles zeugt von der französischen Vorliebe für eine keusche Version antiker Vorbilder. Das Schloss von Versailles (begonnen 1669), das für Ludwig XIV., den Sonnenkönig, von Louis Le Vau, André Le Nôtre und Charles Le Brun erbaut wurde, ist das bedeutendste Bauwerk des französischen Barock. Seine ausgewogen proportionierten klassischen Formen, die weitläufigen Gartenanlagen und die schwelgerische Pracht des Interieurs verherrlichen die Macht der Monarchie. Die Anlage ist von vielen europäischen Herrschern nachgebaut worden. Ein vergleichbares Vorhaben war die Erweiterung (1667-1674) des Louvre durch Le Vau, Le Brun, Claude Perrault und andere Baumeister.
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